Energiewende: Strompreise werden durch Erneuerbare stabilisiert
Eine Studie der Hochschule RheinMain (HSRM)(öffnet im neuen Fenster) in Wiesbaden hat auf Grundlage der stündlichen Verbrauchs- und Erzeugungsdaten der Jahre 2022 bis 2025 die dafür notwendige Erzeugungsleistung ausschließlich aus Windkraft und Photovoltaik für Deutschland simuliert. Um dabei den Strombedarf vollständig abzudecken und eine hundertprozentige Versorgungssicherheit zu gewährleisten, ist eine Kombination mit einem ausreichend großen Speichersystem notwendig.
Der Ausbau kann laut der Simulation äußerst variabel erfolgen. Je mehr erneuerbare Energieleistung installiert wird, desto kleiner können die Stromspeicher ausfallen und umgekehrt. Allerdings gibt es einen optimalen Bereich, der die geringsten Strompreise für eine kombinierte Erzeugung und Zwischenspeicherung verspricht.
Maximale Sicherheit führt zu kuriosem Überschuss
Werden nach dem Modell die Leistung von Windkraft- und Solaranlagen gegenüber 2023 auf das Vierfache erhöht und um insgesamt 2.700 Gigawattstunden (GWh) vornehmlich aus Batteriespeichern ergänzt, wären eine vollständige Versorgungssicherheit in Bezug auf die historischen Daten erreicht.
Notwendig dafür wäre eine Investition von annähernd 1.200 Milliarden Euro, was pro Kopf und Jahr bis 2050 knapp 560 Euro entsprechen würde. Übertragen auf den Strompreis ergäben sich durchschnittlich 9 Cent je Kilowattstunden bei Netzeinspeisung. Das entspricht dem aktuellen Börsenpreis für Strom, der zumindest aus fossilen Quellen mit Blick auf einen steigenden CO2-Preis nicht beizubehalten wäre.
Viel Potenzial für sinkende Kosten
Studienautor Christian Jochum, Professor für Maschinenbau, Mechanik und Antriebstechnik an der HSRM, gibt außerdem zu bedenken, dass das simulierte Energiesystem einige Überkapazitäten bereithält. Insgesamt würde fast doppelt so viel Strom erzeugt, wie in den Beispieljahren verbraucht wurde. Diese zusätzliche Energie könnte exportiert werden oder zu Erzeugung von synthetischen Kraftstoffen, Wasserstoff und mehr eingesetzt werden.
Gleichzeitig würden die Batteriespeicher in 95 Prozent der Zeit nur zu 20 Prozent genutzt. Das spricht für eine flexible Nutzung, unter anderem von Batterien in Elektroauto. Parallel könnte die Lebensdauer der Stromspeicher durch weniger Ladezyklen deutlich verlängert werden.
Preissignale könnten Kosten weiter senken
Ebenfalls niedriger könnte der Bedarf an Speichermöglichkeiten ausfallen, wenn keine vollständige Versorgungssicherheit hergestellt wird. Wenige Großverbraucher, die keiner Grundversorgung dienen, könnten in Zeit mit niedriger Stromproduktion und hohem Bedarf, also bei Dunkelflauten, abgeschaltet werden.
Um das zu erreichen, soll bereits eine einfache Preissteuerung genügen. So könnte es sich lohnen, für kurze Zeit die Produktion in einem energieintensiven Betrieb zu verringern. Der Gesamtbedarf an Batteriespeichern würde parallel deutlich sinken.
Insgesamt könnte der Strompreis somit sogar unter den aktuellen Durchschnittswert fallen. Wobei die Studie, die über die Seite der Hochschule(öffnet im neuen Fenster) frei zugänglich ist, zwei Lücken lässt: Durch die Begrenzung auf Deutschland fehlen die Interaktionen mit den Nachbarländern, die für weitere Ausgleichseffekte sorgen könnten.
Zudem wird nicht beachtet, dass der Strombedarf zukünftig steigen dürfte. Wobei dann lediglich die Gesamtleistung angehoben werden müsste und das Geld, das für fossile Energieträger nicht ausgegeben wird, in erneuerbare Energiequellen fließen könnte.
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