Energiewende: Mena-Region könnte künftig saubere Kraftstoffe liefern

Sind wir auch in Zukunft von Treibstofflieferungen aus dem Nahen Osten abhängig? Eine aktuelle Studie kommt zu dem Schluss, dass wir unsere Energie möglicherweise weiterhin von dort sowie aus Nordafrika beziehen werden.
Für die Studie(öffnet im neuen Fenster) wurde untersucht, welche Rolle der Nahe Osten und Nordafrika, kurz: Mena (von Englisch: Middle East and North Africa), spielen könnten, um Deutschland und Europa mit Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen aus erneuerbaren Ressourcen zu versorgen. An dem Projekt waren das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt(öffnet im neuen Fenster) (DLR), das Wuppertal Institut(öffnet im neuen Fenster) und das Institut für Zukunftsenergie und Stoffstromsysteme(öffnet im neuen Fenster) (IZES) beteiligt.
Danach gibt es gute Voraussetzungen für eine kostengünstige Produktion von Wasserstoff und E-Fuels. Entsprechend habe die Region "ein enormes Potenzial" als Erzeuger und Lieferant von grünem Wasserstoff sowie von sauberen Kraftstoffen.
17 Länder wurden untersucht
Für die Studie wurden 17 Länder der Region hochaufgelöst untersucht. Dazu wurden die Länder in viele kleine Flächen unterteilt und einzeln ausgewertet. In die Berechnungen wurde die gesamte Produktionskette für synthetische Kraftstoffe inklusive Speicher für Energie und Wasserstoff modelliert und integriert. Neben den technologischen und ökonomischen Aspekten flossen auch Bewertungen der jeweiligen Länderrisiken ein.

"Zum ersten Mal liegt uns damit eine umfangreiche Analyse vor – als Grundlage für weitere Forschungsarbeiten, aber auch als Informationsquelle und Basis für Entscheiderinnen und Entscheider in Industrie und Politik" , sagte Jürgen Kern(öffnet im neuen Fenster) , Projektleiter für die Studie beim DLR-Institut für Vernetzte Energiesysteme.
Die Mena-Region hat mit insgesamt mehr als 400.000 Terawattstunden pro Jahr sehr große Erzeugungspotenziale an erneuerbaren Energien. Dazu gehört in erster Linie die Nutzung von Solarenergie in Form von Photovoltaik oder von Solarthermie mit Strahlungsbündelung (Concentrated Solar Power, CSP).
Entsprechend groß ist das Potenzial, Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe herzustellen. So könnte die Region E-Fuels in Größenordnungen produzieren, die den Bedarf Deutschlands um ein Vielfaches übersteigen. Dabei ist der Eigenbedarf der Länder an erneuerbaren Energien bereits mit einbezogen. Die Erzeugung von synthetischem Kraftstoff könnte demnach an den günstigsten Standorten im Jahr 2030 zwischen 1,92 und 2,65 Euro pro Liter kosten, im Jahr 2050 zwischen 1,22 und 1,65 Euro.
Für die Bewertung der Export-Potenziale seien allerdings nicht nur die Herstellungskosten, sondern auch das Investitionsumfeld entscheidend, erklären die Autoren. Eine Berücksichtigung möglicher Investitionsrisiken habe einen großen Einfluss auf die Gesamtkosten und damit die mögliche Auswahl der Exportländer.