Energiewende: Kaum neue Anschlüsse für Batteriespeicher verfügbar

Eine Analyse des Handelsblatts(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) zeigt, dass Anfragen für den Netzanschluss und die Kapazitäten im Stromnetz teils um das Hundertfache voneinander abweichen. Allein den großen Netzbetreibern liegen demnach Netzanschlussanfragen für weit über 100 Gigawatt an Batterieleistung vor, von denen nur ein Bruchteil überhaupt zugesagt, geschweige denn angeschlossen wurde.
Mittlerweile liegt die angefragte Leistung für Speicher weit über der Summe für Anträge zu Photovoltaik und Windkraft. Allerdings fehlt es gleichzeitig nicht nur an den Netzanschlüssen.
Die Übertragungsnetze sind oftmals nicht für die Strommengen ausgelegt, die bei hohem Bedarf transportiert werden müssten. Dazu dürfte die Orientierung am Strompreis zusätzliche Probleme schaffen.
Batteriespeicher sind nicht nur netzdienlich
Klar ist, dass der Ausbau von großen Stromspeichern im Netz dringend nötig ist, um Angebot und Nachfrage nicht nur an der Strombörse, sondern erst recht im lokalen Umspannwerk ausgleichen zu können. Hier bereiten windreiche Nächte genauso Probleme wie sonnige Mittagsstunden.
Gleichzeitig wurden große Batteriespeicher bis 2029 vom Netzentgelt befreit und damit von genau der Steuerungsmöglichkeit, die das Stromnetz hätte entlasten können. Stattdessen bleibt nur ein einheitlicher Strompreis, an dem sich die Betreiber der Speicher orientieren.
Der aber spiegelt nicht den lokalen Bedarf wider, so dass der von der Batterie eingespeiste Strom unter Umstände noch hunderte Kilometer transportiert werden muss. Mit dynamischen Netzentgelten, die die lokale Belastung des Netzes aufzeigen, wäre genau das möglich gewesen.
Klare Regeln fehlen
Ähnlich wie bei der Wind- und Solarenergie, bei der seit mehr als 10 Jahren eine gleichmäßigere Verteilung im Land angemahnt wird, fehlt es auch bei Batteriespeichern an nötigen Vorgaben. Laut Handelsblatt gehen die Netzbetreiber deshalb bei den Anträgen der Reihe nach vor, beachten weder die Größe noch die Netzdienlichkeit des jeweiligen Projekts.
Immerhin sind davon mittlerweile Großspeicher mit mehr als 1.000 Megawatt ausgenommen und dürfen individuell eingeplant werden. Eine verlässliche Nachfolgeregelung fehlt jedoch, um Ungleichbehandlungen durch die Netzbetreiber zu verhindern. Zumal ohne eine flächendeckende Erfassung von Verbrauch und Produktion weiterhin unklar ist, wann die Einspeisung oder die Stromentnahme tatsächlich sinnvoll für die Stromnetzstabilität wären.
Batteriespeicher schon länger in der Erprobung
Dabei ist die Entwicklung keineswegs neu oder hat allein mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien zu tun, auch wenn diese deutlich mehr Batteriekapazität verlangen als die vergleichsweise starren Großkraftwerke.
Aber auch diese müssen seit jeher auf den wechselnden Bedarf im Stromnetz reagieren. Der damals größte europäische Batteriespeicher, die Big Battery Lausitz(öffnet im neuen Fenster) , ist schon seit 2021 am Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe in Betrieb. Er gleicht dort Schwankungen im Netz aus.



