Energiewende: Google will 115 MW neue Geothermie aus Fracking erzeugen
Die Firma Fervo Energy hat mit Google einen Vertrag(öffnet im neuen Fenster) zur Lieferung von 115 MW Strom aus geothermischer Energie in Nevada abgeschlossen. Das sagte CEO Tim Latimer in einem Post auf X(öffnet im neuen Fenster) . Im veröffentlichten Vertrag wurden die Angaben zur Leistung hingegen geschwärzt. Anders als in herkömmlichen Geothermiekraftwerken wird dabei kein unterirdisches Reservoir mit heißem Wasser angebohrt. Stattdessen wird mit Fracking in heißem Gestein ein neues Reservoir in Nevada erzeugt, das mit herkömmlichen Methoden der Geothermie nicht für Energieerzeugung zugänglich wäre.
Die ersten Bohrlöcher der Firma wurden bereits im letzten Jahr mit finanzieller Unterstützung durch Google gebohrt. Dafür mussten hauptsächlich die aus dem Fracking von Erdgas und Erdöl bekannten Techniken für härteres und heißeres Gestein angepasst werden. Ähnlich wie bei der Suche nach Erdgas wird dabei nicht nur in die Tiefe, sondern auch horizontal gebohrt, um Zugang zu einem größeren Volumen des Gesteins zu haben. Statt Erdgas soll dabei aber die Wärme im Gestein zugänglich gemacht werden.
Nach Firmenangaben konnte das Bohrverfahren im Lauf des letzten Jahres durch Lerneffekte deutlich beschleunigt werden. Statt 72 Tage beim ersten Bohrloch lag die Bohrzeit nach dem fünften Loch durchweg unter 25 Tage, was die Investitionskosten der Geothermie deutlich senkt. Das wird für eine deutliche Steigerung der Geothermieproduktion in den USA auch unumgänglich sein.
Neues Verfahren kann Geothermie verhundertfachen
Selbst die geplanten 115 MW stellen nur eine Steigerung der Geothermieproduktion in den USA um 4 Prozent dar. Der Rest wird, hauptsächlich in Kalifornien, durch konventionelle heiße Quellen produziert. Das geschieht seit 1960 vor allem im größten Geothermiefeld der Welt, rund 100 km nördlich von San Francisco, das, anders, als der Name The Geysers vermuten ließe, heute keine aktiven Geysire mehr aufweist. Es entstand in porösem Sandstein über einer großen unterirdischen Magmakammer.
Dabei stellte sich im Betrieb der 18 Geothermiekraftwerke heraus, dass die Produktion langfristig durch Abkühlung des Gesteins deutlich nachlässt(öffnet im neuen Fenster) – um etwa 2 Prozent pro Jahr – was durch neue Bohrlöcher in anderen Bereichen des Geothermiefeldes ausgeglichen werden muss. Alte Bohrungen müssen nach einigen Jahrzehnten Produktion für ein oder mehrere Jahrhunderte ruhen, damit vom umliegenden Gestein wieder Wärme in das Reservoir eindringen kann. Wenn auch diese Energie aufgebraucht ist, benötigt die Wärme aus der Tiefe noch längere Zeiträume.
Selbst in sehr günstigen Gebieten beträgt der Wärmefluss der Geothermie nur wenige 100 kW pro Quadratkilometer, wovon auch bei aktiver Förderung etwa die Hälfte an die Oberfläche dringt. Selbst die nutzbare Wärme kann nur mit relativ niedriger Effizienz von 10 bis 20 Prozent in Strom umgewandelt werden. Das Geothermieverfahren von Fervo Energy macht allerdings im Vergleich zu anderen Verfahren die Förderung von etwa 100-mal so viel Geothermie(öffnet im neuen Fenster) an sehr viel mehr Standorten möglich. Es stellt damit eine umweltfreundliche, aber keineswegs unerschöpfliche, Form der Energieerzeugung dar.
- Anzeige Hier geht es zu Erneuerbare Energien und Klimaschutz bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



