Energiewende: Erneuerbare sparen 100 bis 600 Milliarden
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Chemie (MPIC)(öffnet im neuen Fenster) in Mainz hat mit einem mehrschichtigen Modell errechnet, dass sich ein beschleunigter Ausbau erneuerbarer Energiequellen für Gesellschaft und Industrie auszahlen würde.
Inklusive der Berücksichtigung der hohen Kosten bei der Errichtung von Windkraftanlagen, Photovoltaik, Speichern, Übertragungsnetze und Endverbrauchsgeräte wie Elektroautos ließen sich demnach europaweit bis zu 600 Milliarden Euro bis 2050 einsparen. Das entspricht 1.400 Euro pro Kopf.
Grund sind die starken Preisausschläge bei den Energiepreisen der letzten Jahre. Die Forschungsgruppe legte ihrer Abschätzung die Preisentwicklung zwischen 2019 und 2023 zugrunde.
2020, als die Coronapandemie ausbrach, hätte ein erneuerbares Energiesystem demnach Mehrkosten verursacht. Als Russland 2022 die Ukraine überfiel, wäre es wesentlich günstiger gewesen, erneuerbare zu nutzen. Geschätzt liegt das Potenzial für Einsparungen bei 100 bis hinzu 600 Milliarden Euro. In Deutschland wären es zwischen 20 und 120 Milliarden.
Gesamtsystem betrachtet
Die Studie, die in PNAS veröffentlicht wurde(öffnet im neuen Fenster), orientiert sich am Europäischen Klimagesetz, das die Klimaneutralität bis 2050 vorsieht. Den Zeitplan zu straffen und die Mehrkosten für einen schnelleren Ausbau in Kauf zu nehmen, würde sich den Berechnungen zufolge auszahlen.
Deshalb wurde auch berücksichtigt, dass ein schnellerer Ausbau die Systemkosten und damit die Stromgestehungskosten erhöhen würde. Mehr als ausgeglichen würde dies durch Einsparungen beim Energieimport und bei Folgekosten.
Denn auch diese finden in der interdisziplinären Studie Berücksichtigung. Die Summe beinhaltet Kosten, die durch positive Folgen für die Luftqualität, das Klima und dementsprechend auch für die Gesundheit gar nicht entstehen würden. Aber auch kostspielige Maßnahmen zur Emissionsminderung ließen sich vermeiden, wenn die Energieerzeugung schneller klimaneutral würde und ein Emissionsausgleich nicht benötigt würde.
Yafang Cheng, Direktorin Aerosolchemie am MPIC und korrespondierende Autorin der Studie, fasste die Ergebnisse so zusammen: "Erneuerbare Energien bieten langfristig erhebliche Vorteile, doch die Transformation muss weiterhin sorgfältig geplant werden. Die Berücksichtigung dynamischer Veränderungen der Stromkosten ist ein wichtiger Schritt hin zu realistischeren Projektionen für einen raschen Ausbau erneuerbarer Energien und unterstützt die Entwicklung effizienter und nachhaltiger Strategien zur Bewältigung der großen Herausforderungen der Energiewende und des globalen Wandels."
Nachtrag vom 4. Juni 2026, 9:29 Uhr
Der Artikel wurde nach einem Hinweis des MPIC aktualisiert. Zunächst war von jährlichen Einsparungen die Rede, aber die Studie bezieht sich auf den gesamten Zeitraum bis 2050.
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