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Energiewende: DLR-Forscher bauen Kohlekraftwerke zu Stromspeichern um

Die Kohlekraftwerke sollen spätestens in 20 Jahren abgeschaltet werden. Sie einfach abzubauen, sei nicht sinnvoll, sagen Forscher des DLR. Die Anlagen sollen, statt Strom aus der Verbrennung von Kohle zu gewinnen, Strom von Windkraftwerken speichern.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Kohlekraftwerk Niederaußem: in Zukunft ein Speicherkraftwerk?
Kohlekraftwerk Niederaußem: in Zukunft ein Speicherkraftwerk? (Bild: Stodtmeister/Wikipedia/CC-BY 3.0)

Bis 2038, so hat es die Bundesregierung Anfang des Jahres beschlossen, soll in Deutschland kein Strom mehr durch die Verbrennung von Kohle erzeugt werden. Bis 2030 sollen etwa zwei Drittel des Stroms aus erneuerbaren Quellen kommen. Bislang fehlt aber noch eine angemessene Speichertechnik, um Flauten abzufangen und um Windkraftwerke besser auszulasten. Laut dem Bundesverband Windenergie hätten 2017, wenn Windanlagen nicht hätten gestoppt werden müssen, 5,5 Terawattstunden mehr an Strom erzeugt werden können. Das ging aber nicht, weil es an Speichern mangelte. Forscher überlegen nun, ob die Kohlekraftwerke dafür genutzt werden könnten. Über 100 gibt es allein in Deutschland noch. Weltweit sind es rund 10.000.

Inhalt:
  1. Energiewende: DLR-Forscher bauen Kohlekraftwerke zu Stromspeichern um
  2. Wärmespeicherkraftwerk 1.0 und 2.0
  3. Energiespeicher im Reallabor

Ziel ist, deren Kohlendioxidemissionen zu senken. Aber Anlagen wie Niederaußem, Neurath oder Weisweiler abzureißen, sei "ein großer volkswirtschaftlicher Schaden", sagt André Thess, Direktor des Instituts für Technische Thermodynamik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), im Gespräch mit Golem.de. Die Kraftwerke verfügen über wichtige Komponenten, die sich noch nutzen lassen: die Einheit, um Strom aus Dampf zu erzeugen, und die Infrastruktur, um den Strom ins Netz einzuspeisen.

Diese Teile der Kraftwerke wollen die Forscher des DLR um Thess nutzen, um weiterhin Strom zu erzeugen. Aber eben nicht durch die Verbrennung von Kohle. Ihre Idee ist, die alten Kohlekraftwerke in Speicher umzubauen, in denen elektrische Energie in Form von Wärme gespeichert wird. Third Life nennen sie das Konzept.

Das erste Leben des Kohlekraftwerks ist das, wofür es gebaut wurde: Strom durch die Verbrennung von Kohle zu gewinnen. In ihrem zweiten Leben können Kohlekraftwerke zu Gaskraftwerken umgebaut werden. Durch die Verbrennung von Gas werden die Emissionen von Kohlendioxid (CO2) zumindest reduziert.

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"Unser Konzept Third Life geht davon aus, dass man die alten Kraftwerke nicht komplett abreißt, sondern dass man einen Teil von ihnen erhält und einen anderen Teil durch CO2-arme Energiequellen ersetzt", sagt Thess. Dampfturbine und Generator bleiben. Der mit Kohle befeuerte Dampferzeuger jedoch wird stillgelegt.

Stattdessen werden auf dem Gelände zwei Behälter errichtet, die mit einigen 10.000 Kubikmetern flüssigem Salz gefüllt werden. In dem einen Speicher hat das Salz eine Temperatur von etwa 250 Grad, in dem anderen eine von 500 Grad. Wenn überschüssige Energie aus einem Wind- oder Solarkraftwerk gespeichert werden soll, wird Salz aus dem kälteren Speicher entnommen, mit einem Wärmeüberträger - ähnlich wie mit einem Tauchsieder - auf 500 Grad aufgeheizt und in den anderen Speicher eingespeist.

Wird Strom benötigt, wird das heiße Salz über einen Wärmetauscher geleitet, um Dampf zu erzeugen. Der treibt die Turbine und die wiederum den Generator an - so wie heute auch. "Wenn man dieses Konzept umsetzt, dann kann man die CO2-Emissionen eines ehemaligen Kohlekraftwerkes First Life in diesem Third Life auf nahezu Null reduzieren, ohne den Kraftwerksstandort aufzugeben, das Kraftwerk abzureißen und ohne die gesamte Mannschaft zu entlassen", sagt Thess.

Die Technik ist dabei durchaus nichts Neues.

Wärmespeicherkraftwerk 1.0 und 2.0 
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Skyblue70 02. Mai 2019

Man kann dieses Projekt nur begrüßen. Die angeführten Vorteile sind nachvollziehbar - man...

Meinungsfreihei... 01. Mai 2019

Hast du denn wenigstens mal in diese "Studie" (Anführungszeichen sehr bewusst gesetzt...

Ach 30. Apr 2019

Auch wenn mir nicht jeder Vorschlag der hier gefallen ist zusagt, jeder einzelne von...

B.I.G 30. Apr 2019

Die Ironie an der Sache ist ja dass durch den günstigen Solarstrom zur Mittagszeit der...

DY 29. Apr 2019

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