Wärmepumpe oder Wasserstoffheizung

Gasnetze können mit einigem technischen Aufwand zu Wasserstoffnetzen umgerüstet werden. Dass das an manchen Stellen sinnvoll ist, ist weitgehend unstrittig. Kontrovers ist, wo Wasserstoffnetze gebraucht werden.

Stellenmarkt
  1. IT-Security Architekt (m/w/d)
    Mojn GmbH, Bremen
  2. Gruppenleiter (m/w/d) Produktrealisierung Leben
    VPV Versicherungen, Stuttgart
Detailsuche

Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Wärmewende. Bisher stammt über die Hälfte der Heizenergie in Deutschland aus fossilem Erdgas. Die Umstellung in Richtung erneuerbare Energien verläuft schleppend und muss sich deutlich beschleunigen, wenn die Klimaziele erreicht werden sollen.

Viele Prognosen rechnen damit, dass die Gaskessel durch eine Mischung aus Wärmepumpen und Wärmenetzen ersetzt werden. Beispielsweise geht das Szenario Klimaneutrales Deutschland 2045 von der Stiftung Klimaneutralität und den Thinktanks Agora Energiewende und Agora Verkehrswende davon aus, dass Wasserstoff nicht direkt in Heizungen eingesetzt wird. Lediglich in Wärmenetzen sieht dieses Szenario eine gewisse Nutzung von Wasserstoff vor.

In eine ähnliche Richtung geht ein kürzlich vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft vorgestelltes Szenario, in dem Wasserstoffheizungen ebenfalls keine Rolle spielen.

Wärmepumpen erreichen hohe Effizienz

Golem Karrierewelt
  1. IT-Sicherheit für Webentwickler: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    14./15.06.2022, Virtuell
  2. ITIL 4® Foundation: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    27./28.06.2022, virtuell
Weitere IT-Trainings

Für Wärmepumpen spricht ihre hohe Effizienz. Eine Wärmepumpe kann ein Mehrfaches der Energie bereitstellen, die an Strom verbraucht wird. Dieses Kunststück widerspricht nur scheinbar der Physik, denn Wärmepumpen kühlen die Umgebung ab - entweder die Außenluft oder den Erdboden.

Das Szenario von Agora und der Stiftung Klimaneutralität geht davon aus, dass sich mit Wärmepumpen insgesamt sogar Strom einsparen lässt. Dafür sorgen besser gedämmte Gebäude und das Ersetzen ineffizienter alter Elektroheizungen und Nachtspeicheröfen.

Auch die Umstellung auf Wärmepumpen ist nicht ohne Herausforderungen. Wärme wird vor allem im kalten Winter gebraucht, was häufig die Zeit ist, in der Solaranlagen wenig Strom liefern. Zudem werden Luftwärmepumpen ineffizienter, wenn die Außenluft kalt ist - ebenfalls eine Herausforderung für den Winter.

Sowohl die Stromnetze als auch die Stromerzeugung müssen in der Lage sein, solche Extremsituationen abzufangen. Hier könnte Wasserstoff wieder eine Rolle spielen. Allerdings nicht als Heizenergie, sondern als saisonaler Stromspeicher, der im kalten Winter bei Stromknappheit in Spitzenlastkraftwerken zu Strom umgewandelt wird.

Geheimstudie von Eon sorgt für Verwunderung

Die Gasindustrie sieht diese Herausforderungen als so groß an, dass sie Wasserstoff trotz seiner schlechten Effizienz für die günstigere Alternative hält. Der Konzern Eon hatte etwa zuletzt gemeinsam mit den Stadtwerken Essen eine Studie erstellt, wonach Wasserstoffheizungen insbesondere für einkommensschwache Haushalte günstiger kommen.

Wasserstoff für alle: Wie wir der Öl-, Klima- und Kostenfalle entkommen

Viele Fachleute zeigten sich verwundert über dieses Resultat, doch nachprüfen ließ es sich nicht. Eon veröffentlichte dazu nur eine Pressemitteilung und eine Kurzzusammenfassung, die Studie selbst blieb geheim - aus Datenschutzgründen, wie der Konzern auf Twitter erklärte. Andere Studien kommen zu konträren Ergebnissen. Beispielsweise hat die Organisation ICCT (International Council on Clean Transportation) im Frühjahr eine Untersuchung veröffentlicht, wonach Wärmepumpen deutlich günstiger sind als verschiedene Wasserstoff-basierte Heizungslösungen.

Wenn sich am Ende Wärmepumpen und Wärmenetze durchsetzen, hat das unweigerlich zur Folge, dass ein großer Teil der Gasverteilnetze überflüssig wird. Denn wenn Haushalte ihre Wärme entweder aus Fern- und Nahwärmenetzen oder mit Hilfe von Wärmepumpen erzeugen, benötigen sie keinen Gasanschluss mehr. Auch Gasherde dürften mittelfristig durch Induktionskochplatten ersetzt werden.

Branche will Entwertung der Netze verhindern

Die Gasbranche und Lobbyverbände wie der DVGW machen keinen Hehl daraus, dass es ihnen bei der Umstellung der Gasnetze auf Wasserstoff darum geht, ihre eigenen Investitionen zu sichern. Immer wieder warnen die Verbände, dass man eine Entwertung der Netze verhindern müsse.

Doch soll man die Gasnetze allein deshalb erhalten, weil viele - häufig kommunale - Unternehmen solche Netze besitzen und sie bereits vorhanden sind? Für einigen Wirbel in der Branche sorgten hier kürzlich Äußerungen des Präsidenten der Bundesnetzagentur, Jochen Homann.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Wasserstoff: Der Kampf um die Gasnetze''Wir haben ein flächendeckendes Netz an Telegraphenmasten gehabt'' 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5.  


MrAndersenson 22. Jun 2021

Russland hat quasi "unendlich" viel bioGas nach heutigen technischen Massstäben - und...

lestard 21. Jun 2021

Das werden wir sehen. Ich würde dagegen wetten. Es gibt viele Faktoren, die dagegen...

Plumpaquatsch 20. Jun 2021

Bleib mal auf dem Teppich. Es ist Wahrscheinlicher dass die Extremisten sich durchsetzen...

Plumpaquatsch 20. Jun 2021

Wie kommt das , dass er noch viel Eigenleistung hat bringen müssen? In einem anderen...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Ukrainekrieg
Erster Einsatz einer US-Kamikazedrohne dokumentiert

Eine Switchblade-Drohne hat offenbar einen russischen Panzer getroffen. Dessen Besatzung soll sich auf dem Turm mit Alkohol vergnügt haben.

Ukrainekrieg: Erster Einsatz einer US-Kamikazedrohne dokumentiert
Artikel
  1. Deutsche Bahn: 9-Euro-Ticket gilt nicht in allen Nahverkehrszügen
    Deutsche Bahn  
    9-Euro-Ticket gilt nicht in allen Nahverkehrszügen

    So einfach ist es dann noch nicht: Das 9-Euro-Ticket gilt nicht in allen Zügen, die mit einem Nahverkehrsticket genutzt werden können.

  2. Cerebras WSE-2: München verbaut riesigen KI-Chip
    Cerebras WSE-2
    München verbaut riesigen KI-Chip

    Als erster Standort in Europa hat das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) ein CS-2-System mit Cerebras' WSE-2 gekauft, welches effizient und schnell ist.

  3. WD Red: 7 US-Dollar für falsch beworbene NAS-Festplatte
    WD Red
    7 US-Dollar für falsch beworbene NAS-Festplatte

    Weil Western Digital einige NAS-Festplatten ohne Hinweis mit SMR-Technik verkauft hatte, muss der Hersteller dafür geradestehen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Days of Play: (u. a. PS5-Controller (alle Farben) günstig wie nie: 49,99€, PS5-Headset Sony Pulse 3D günstig wie nie: 79,99€) • Viewsonic Gaming-Monitore günstiger • Mindstar (u. a. MSI RTX 3090 24GB 1.599€) • Xbox Series X bestellbar • Samsung SSD 1TB 79€ [Werbung]
    •  /