Energiewende: Arcelor Mittal zweifelt an Wasserstoff-Stahl

Es schien klar, dass die Stahlindustrie auf Wasserstoff umgestellt wird. Doch der Vize von Arcelor Mittal bringt jetzt Biomasse mit Negativemissionen ins Spiel.

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Die Stahlindustrie - hier Arcelor Mittal in Eisenhüttenstatt - verursacht extrem hohe Kohlendioxid-Emissionen.
Die Stahlindustrie - hier Arcelor Mittal in Eisenhüttenstatt - verursacht extrem hohe Kohlendioxid-Emissionen. (Bild: indeedous/Wikimedia Commons)

Der Vizepräsident des Stahlkonzerns Arcelor Mittal, David Clarke, hat sich auf einer Veranstaltung skeptisch über die Stahlerzeugung mittels Wasserstoff geäußert und bringt stattdessen eine Kombination von Biomasse und Kohlendioxid-Abscheidung ins Spiel. Das könnte die Pläne für den klimaneutralen Umbau der Stahlindustrie durcheinanderbringen.

Inhalt:
  1. Energiewende: Arcelor Mittal zweifelt an Wasserstoff-Stahl
  2. Biomasse mit CCS oder Eisenoxid-Elektrolyse

Bisher schien es weitgehend unstrittig, dass die Umstellung der Stahlindustrie auf Wasserstoff die beste Option für eine möglichst klimaneutrale Stahlerzeugung ist. Der Konzern Arcelor Mittal spielt mit einem Pilotprojekt in Hamburg dabei eine wichtige Rolle.

Bei der Produktion von neuem Stahl muss Eisenoxid chemisch in reines Eisen umgewandelt werden. Hierfür wird bisher üblicherweise Koks-Kohle in einem Hochofen eingesetzt und dabei entsteht unweigerlich Kohlendioxid. Nach Kohlekraftwerken sind Stahlwerke die zweitwichtigsten Konsumenten klimaschädlicher Kohle. Insgesamt ist die Stahlindustrie weltweit für geschätzt sieben Prozent der Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich.

Direktreduktion mit Wasserstoff statt Erdgas

Eine Möglichkeit, Stahl ohne diese großen Kohlendioxid-Emissionen herzustellen, ist die Direktreduktion mit Wasserstoff. Alle großen deutschen Stahlkonzerne haben inzwischen Pilotprojekte geplant, in denen diese Technologie getestet werden soll. Die Direktreduktion ist keine neue Technologie, sie wird bisher mit Erdgas durchgeführt, kann aber mit vergleichsweise geringem Aufwand auf Wasserstoff umgestellt werden.

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Arcelor Mittal betreibt bereits eine Stahl-Direktreduktionsanlage mit Erdgas in Hamburg. Daneben wird gerade eine Pilotanlage gebaut, in der in wenigen Jahren der erste Wasserstoff-Stahl von Arcelor Mittal produziert werden soll.

Das alles ist Teil einer ganzen Reihe miteinander vernetzter Wasserstoff-Projekte in Hamburg. Ebenso werden dort eine Elektrolyse-Anlage zur Produktion von grünem Wasserstoff und ein Wasserstoff-Leitungsnetz gebaut.

Dass die Produktion von klimaneutralem Stahl mit Hilfe von Wasserstoff vorläufig teurer ist als die klassische Hochofen-Produktion mit Kohle, ist klar. Insbesondere Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) macht regelmäßig deutlich, dass in der Politik die Bereitschaft besteht, den klimaneutralen Stahl großzügig zu fördern und die Mehrkosten abzufedern.

Wasserstoff für alle: Wie wir der Öl-, Klima- und Kostenfalle entkommen

Ausgerechnet von Arcelor Mittal, dem Konzern, dessen Pilotprojekt am weitesten fortgeschritten ist, kommen nun aber Zweifel an dem eingeschlagenen Weg. Auf dem BNEF Summit, einer Veranstaltung des Energieberatungsunternehmens BloombergNEF, sagte Arcelor-Mittal-Vize David Clarke, dass der Konzern vor allem andere Optionen im Blick hat.

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Biomasse mit CCS oder Eisenoxid-Elektrolyse 
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Chevarez 21. Mai 2021

Vollste Zustimmung!

Dwalinn 20. Mai 2021

Die Frage ist woher kommt das Holz? Hätte das sonst als Asche-Dünger geendet damit die...

Kleba 19. Mai 2021

Das hab ich doch nirgendwo behauptet? Aber die Bezollung muss Teil der Lösung sein...

M.P. 19. Mai 2021

Das weiß ich selber. Meine Frage zielt darauf ab, WAS einen besseren Wirkungsgrad hat...



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