Energieversorgung: US-Start-up will Navy-Reaktoren für KI-Rechenzentren nutzen

Das texanische Unternehmen HGP Intelligent Energy LLC(öffnet im neuen Fenster) hat beim US-Energieministerium (DOE) einen ungewöhnlichen Vorschlag eingereicht: Die Firma plant, ausgemusterte Kernreaktoren der US-Marine(öffnet im neuen Fenster) für die Stromversorgung ziviler Rechenzentren umzufunktionieren, berichtet die Financial Post. Damit reagiert das Unternehmen auf den rasant steigenden Energiebedarf im Bereich der künstlichen Intelligenz, während die Trump-Administration verstärkt nach Wegen sucht, die nationale Energiebasis schnell auszubauen.
520 Megawatt für Oak Ridge
Der Antrag sieht vor, zwei im Ruhestand befindliche Reaktoren für ein geplantes Rechenzentrumsprojekt in Oak Ridge, Tennessee, einzusetzen. Das Vorhaben wurde im Rahmen der Genesis Mission des Weißen Hauses eingereicht. Laut dem Vorschlag könnten die Reaktoren etwa 450 bis 520 Megawatt Grundlaststrom liefern, was der Versorgung von rund 360.000 Haushalten entspräche.
Die Nutzung bestehender Militärtechnologie gilt als eine der schnellsten Möglichkeiten, dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden. Der Bau neuer kommerzieller Reaktoren oder moderner Small Modular Reactors (SMR) ist zeitintensiv und oft erst in mehr als einem Jahrzehnt realisierbar. Die Umwidmung militärischer Reaktoren für zivile Zwecke stellt jedoch regulatorisches Neuland dar.
Herausforderung durch hochangereichertes Uran
Ein wesentlicher Aspekt der regulatorischen Herausforderungen liegt in der Beschaffenheit des Brennstoffs. Marinereaktoren, wie die A4W-Einheiten von Westinghouse oder die S8G-Klasse von General Electric, verwenden hochangereichertes Uran (HEU) mit einem Anreicherungsgrad von über 90 Prozent(öffnet im neuen Fenster) . Im Gegensatz dazu nutzen kommerzielle Kernkraftwerke schwach angereichertes Uran (LEU), dessen Anteil an spaltbarem Isotop U-235 meist unter 5 Prozent liegt.
Dieser hohe Anreicherungsgrad im Militärbereich dient der kompakten Bauweise und langen Laufzeit ohne Brennstoffwechsel, wirft jedoch erhebliche Proliferationsbedenken auf. So erfordert die zivile Nutzung von waffenfähigem Material außergewöhnliche Sicherheitsvorkehrungen und Genehmigungsverfahren durch die Nuclear Regulatory Commission (NRC), was den Zeitplan des Projekts gefährden könnte.
Dennoch betont HGP-CEO Gregory Forero die Kostenvorteile: Die Umrüstung würde zwischen 1 und 4 Millionen US-Dollar pro Megawatt kosten – deutlich weniger als ein Neubau. Das Projekt benötigt rund 2,1 Milliarden US-Dollar an privatem Kapital. Sofern die Hürden überwunden werden, strebt das Unternehmen einen ersten Betrieb für das Jahr 2029 an.



