Abo
  • Services:
Anzeige
Künstlerische Darstellung von Stornetic
Künstlerische Darstellung von Stornetic (Bild: Stornetic)

Zusätzliche Gewichte bringen nichts

Es lohnt sich übrigens nicht, zusätzliche Gewichte am Rotor des Speichers anzubringen: Die gespeicherte Energiemenge lässt sich genauso gut durch höhere Rotationsgeschwindigkeiten steigern. Zusätzliche Gewichte würden nichts zur Stabilität des Rotors beitragen und damit auch nichts zur Energiespeicherung. Dieses Kalkül geht natürlich nur auf, weil der Rotor frei schwebend in einem Vakuum rotiert und die Rotationsgeschwindigkeit nicht von Reibung begrenzt wird.

Anzeige

Das Material des Rotors wird von chemischen Bindungen zusammengehalten. Die maximale Energie, die in einem Rotor gespeichert werden kann, ist die maximale Energie der chemischen Bedingungen. In der Theorie gilt für Schwungräder damit das gleiche physikalische Prinzip wie für Batterien. In der Praxis bestimmt die schwächste Stelle des Rotors, wie viel Energie maximal in seinen chemischen Bindungen gespeichert werden kann. Dazu kommt das notwendige Material für Antrieb, Elektronik und den Vakuumbehälter. Der Behälter übernimmt auch den Schutz für den Fall, dass der Rotor bei seiner maximalen Geschwindigkeit von 45.000 Umdrehungen pro Minute reißt.

Per Container zum Verbraucher

Der Einsatz dieser Technik kann sich nur lohnen, wenn zwischen Speicherung und Abruf der Energie wenig Zeit liegt. Speicher dieser Art werden beispielsweise in Forschungsanlagen für Kernfusion benutzt, um kurzfristig den Strom für die starken Magnetfelder bereitzustellen. Für langfristiges Speichern größerer Energiemengen sind sie ungeeignet. Das liegt nicht nur an den Verlusten während der Speicherzeit, sondern auch an der mangelnden Wirtschaftlichkeit.

Um die Speicher flexibel einsetzen zu können, werden sie von Stornetic in Standardschiffscontainern angeliefert. Ein Container mit 16 Schwungradspeichern hat eine Nennleistung von einem Megawatt bei einer Kapazität von 57 Kilowattstunden. Auf Anfrage nannte das Unternehmen Kosten in der Größenordnung von etwa einer Million Euro, je nach Lieferzeit. Je seltener der Speicher benutzt wird, desto weniger lohnt sich die Investition. Anders als Batterien sollen die Schwungradspeicher, je nach Bauart, deutlich über 100.000 Speicherzyklen aushalten. Die Mechanik soll 20 Jahre lang halten (also etwa 175.000 Stunden).

Die Preise für die Speicherung liegen bei hoher Auslastung im Bereich von mehreren Cent pro Kilowattstunde. Die Preise sind damit ungefähr mit Batterien vergleichbar, die aber nicht die gleiche Energiemenge in kurzer Zeit bereitstellen können.

Teure Elektrik

Ein großer Teil der Kosten für einen Schwungradspeicher entsteht nicht durch die Konstruktion der Speicher, sondern durch die notwendige Leistungselektronik. Die hohe Leistung aus den Generatoren muss von einer hohen Frequenz, die im Lauf der Zeit immer weiter abnimmt, auf eine stabile Netzfrequenz gebracht und auf Netzspannung transformiert werden.

Die Kosten für die Elektronik sind dabei im Wesentlichen abhängig von der maximalen Leistung und nicht von der gespeicherten Energie. Wenn eine Kilowattstunde in zwei Minuten abgerufen werden soll, muss die Elektronik eine Leistung von 30 Kilowatt aushalten können. Wenn eine Batterie mit einer Kapazität von einer Kilowattstunde über zwei Stunden langsam geleert wird, ist es dagegen nur ein halbes Kilowatt Leistung, für die die Elektronik ausgelegt werden muss. Umso wichtiger ist es, dass die Schwungradspeicher gut ausgenutzt werden, damit sich die Investition rentiert.

Jedoch ist irgendwann jeder Bedarf für kurzfristiges Speichern und Bereitstellen von Strom gedeckt. Weder Schwungräder noch Batterien können über längere Zeit ausbleibende Kapazitäten ersetzen. Dann müssen entweder konventionelle Kraftwerke einspringen oder andere Speicherformen beansprucht werden, die ihre eigenen Nachteile haben. Entweder haben sie Umwandlungsverluste von weit über 50 Prozent - wie bei der Speicherung mit Wasserstoff und anderen chemischen Trägerstoffen -, oder sie haben einen enormen Platzbedarf wie Pumpspeicherbecken. Den optimalen Speicher für alle Fälle wird es wohl nie geben.

In einem Pilotprojekt mit Narando vertonen wir in den kommenden Wochen zwei bis drei Golem.de-Artikel pro Woche. Die Texte werden nicht von Robotern, sondern von professionellen Sprechern vorgelesen. Über Feedback unserer Zuhörer freuen wir uns - im Forum oder an redaktion@golem.de.

 Energiespeicherung: Stabileres Stromnetz mit Schwung

eye home zur Startseite
FreiGeistler 20. Mai 2016

Ähm, doch!? E=mc2 und so... Nicht nur Strom ist Energie.

HMWLBkraut 20. Mai 2016

Ah okay, sehr einleuchtend danke :) Und ich hab mich schon immer leicht gefragt, wie...

johnsonmonsen 19. Mai 2016

Hallo zusammen! Könnte es vielleicht einfacher sein? Also, dass der Hauptgrund für den...

AllDayPiano 19. Mai 2016

Doch natürlich. Das Zauberwort heißt Induktion. Magnetische Levitation funktioniert nur...

Chrizzl 19. Mai 2016

Die Antwort liest sich, als sei hier jemand allwissend. Ich gehe mal davon aus, dass es...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. COSMO CONSULT, Berlin
  2. ETAS GmbH & Co. KG, Stuttgart
  3. TAIFUN Software AG, Raum Bayern
  4. Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Osnabrück


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (Core i5-7600K + Asus GTX 1060 Dual OC)
  2. 65,89€ (Bestpreis!)

Folgen Sie uns
       


  1. Counter-Strike Go

    Bei Abschuss Ransomware

  2. Hacking

    Microsoft beschlagnahmt Fancy-Bear-Infrastruktur

  3. Die Woche im Video

    Strittige Standards, entzweite Bitcoins, eine Riesenkonsole

  4. Bundesverkehrsministerium

    Dobrindt finanziert weitere Projekte zum autonomen Fahren

  5. Mobile

    Razer soll Smartphone für Gamer planen

  6. Snail Games

    Dark and Light stürmt Steam

  7. IETF

    Netzwerker wollen Quic-Pakete tracken

  8. Surface Diagnostic Toolkit

    Surface-Tool kommt in den Windows Store

  9. Bürgermeister

    Telekom und Unitymedia verweigern Open-Access-FTTH

  10. Layton's Mystery Journey im Test

    Katrielle, fast ganz der Papa



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Ikea Trådfri im Test: Drahtlos (und sicher) auf Schwedisch
Ikea Trådfri im Test
Drahtlos (und sicher) auf Schwedisch
  1. Die Woche im Video Kündigungen, Kernaussagen und KI-Fahrer
  2. Augmented Reality Ikea will mit iOS 11 Wohnungen virtuell einrichten
  3. Space10 Ikea-Forschungslab untersucht Umgang mit KI

Neuer A8 vorgestellt: Audis Staupilot steckt noch im Zulassungsstau
Neuer A8 vorgestellt
Audis Staupilot steckt noch im Zulassungsstau
  1. Autonomes Fahren Continental will beim Kartendienst Here einsteigen
  2. Verbrenner Porsche denkt über Dieselausstieg nach
  3. Autonomes Fahren Audi lässt Kunden selbstfahrenden A7 testen

Anker Powercore+ 26800 PD im Test: Die Powerbank für (fast) alles
Anker Powercore+ 26800 PD im Test
Die Powerbank für (fast) alles
  1. Toshiba Teures Thunderbolt-3-Dock mit VGA-Anschluss
  2. Asus Das Zenbook Flip S ist 10,9 mm flach
  3. Anker Powercore+ 26800 PD Akkupack liefert Strom per Power Delivery über USB Typ C

  1. Re: Dummes Argument von Unitymidia.

    plutoniumsulfat | 18:08

  2. Re: Verkaufscharts

    nachgefragt | 18:04

  3. Re: Mehr als die Hälfte der Neukunden wollen 200...

    Gandalf2210 | 18:01

  4. Re: leiber wäre mir...

    das_mav | 17:55

  5. Re: Autonomes Fahren macht dumm

    das_mav | 17:54


  1. 12:43

  2. 11:54

  3. 09:02

  4. 16:55

  5. 16:33

  6. 16:10

  7. 15:56

  8. 15:21


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel