Der Speicher aus Ziegelsteinen wäre ein guter Witz gewesen

Im Peer Review werden wissenschaftliche Paper von anderen Wissenschaftlern begutachtet. Dort wurden Bedenken geäußert, die immerhin dazu führten, dass die relevanten Daten zur Kapazität im Paper genannt wurden. Aber die potenziellen Kosten wurden nirgendwo berechnet, obwohl der Prototyp im gesamten Paper immer wieder als Grundlage für einen billigen Energiespeicher bezeichnet wird.

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Das Beispiel sollte als Warnung davor gelten, Einsparungen erreichen zu wollen, ohne die Kosten für das Gesamtsystem anzuschauen. Das Problem liegt hier darin, dass zwar ein scheinbar billiges Speichermaterial gewählt wurde, aber über 1.000-mal so viel davon benötigt wird. Dadurch wird auch viel mehr von allen anderen Materialien benötigt und es muss über 1.000-mal so viel Material verarbeitet werden. Was alle angeblichen Einsparungen mehr als zunichte macht.

Günstige Rohstoffe allein reichen nicht für Einsparungen

Ein ähnliches Problem gibt es beim Ersatz von Lithium durch Natrium in Natrium-Ionen-Akkus. Der bloße Ersatz des Lithiums durch Natrium mit ansonsten ähnlichen Materialien, was durchaus möglich ist, würde die Akkus teurer machen. Denn Lithium macht nur einen kleinen Teil der Kosten der Elektroden aus, während gleichzeitig deren Speicherdichte sinkt. Es wird zwei- bis dreimal so viel Elektrodenmaterial benötigt.

Kosteneinsparungen sind überhaupt nur möglich, weil außerdem die Kathoden im Natrium-Ionen-Akku kein Kobalt und viel weniger Nickel benötigen, die Anode ohne Graphit hergestellt werden und Aluminium- statt Kupferfolie als elektrischer Leiter eingesetzt werden kann. Sonst würden die Mehrkosten durch die größeren Materialmengen und Produktionsvolumen überwiegen. Selbst so sind niedrigere Preise erst in der Massenproduktion zu erwarten. Es ist zunächst paradox, aber eine niedrige Energiedichte einfacher Akkutechnik kann allein schon einen großen Kostenfaktor darstellen, der alle anderen Kosten überwiegen kann.

Das Lachen bleibt im Halse stecken

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Die fehlende Abwägung von möglichen Nachteilen einer Technologie, selbst wenn sie für Fachleute mehr als offensichtlich sein sollten, lässt sich bei Nature leider immer wieder beobachten. Die Geschichte vom billigen Energiespeicher ist hier viel wichtiger als die sachliche Frage, ob er denn überhaupt billig sein kann. Die Story an sich wäre ein guter Witz, über den man herzlich lachen kann: "Wenn man sich nur genug anstrengt, kann man sogar einen Ziegelstein zum Akku machen!" Es wäre ein tolles Ausstellungsstück im Foyer einer Universität.

Aber diese Story war ernst gemeint, mit nicht weniger als 22 Seiten Diskussion im Peer Review. Die Story wurde wichtiger als die Realität. Das alles, obwohl Nature einer der angesehensten Wissenschaftsverlage gilt und Veröffentlichungen dort bei Universitäten als wichtiges Kriterium bei der Vergabe von Stellen und Posten gelten. Das lässt das Lachen verstummen.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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 Energiespeicher: Ziegelstein-Stromspeicher - ein moderner Schildbürgerstreich
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Oh je 26. Aug 2020

Da brauchste nicht zweifeln. Die haben einen an der Waffel. Und da das die gleichen Leute...

thepiman 24. Aug 2020

Da ist ja die Lageenergie eines Blockes größer...

wernerderchamp1 21. Aug 2020

Das sieht so aus, als würden sie die Steine an Seilen hochziehen wollen. Wenn da auch nur...

DinJuan 18. Aug 2020

Das halte ich für ein Gerücht, das gerne von der Lüftungsanlagen-Lobby verbreitet wird...

Emanuele F. 17. Aug 2020

Danke, du sprichst mir aus der Seele. Und das unabhängig davon, ob die hier vorgestellte...



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