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Energiekrise: Cern schickt LHC früher in die Winterpause

Der französische Energieversorger EDF hat das Cern um eine Verkürzung der Laufzeit gebeten. Auch im kommenden Jahr wird der LHC kürzer in Betrieb sein.
/ Werner Pluta , dpa
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Modell eines supraleitenden LHC-Magneten beim Cern (Symbolbild): Physikprogramm reduzieren oder zeitlich strecken (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
Modell eines supraleitenden LHC-Magneten beim Cern (Symbolbild): Physikprogramm reduzieren oder zeitlich strecken Bild: Werner Pluta/Golem.de

Weniger Wissenschaft: Die Winterpause am europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf beginnt früher als geplant. Grund ist die Energiekrise.

Der Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) wird bereits am 28. November 2022 für den Winter stillgelegt, zwei Wochen vor dem geplanten Termin. Der französische Energieversorger Électricité de France (EDF) hatte das Cern gebeten, die Laufzeit der Anlage zu verkürzen.

Der LHC läuft normalerweise in den Monaten Mai bis Dezember, also weitgehend außerhalb der Heizperiode, um die Energieversorgung nicht zu beeinträchtigen. In dieser Zeit gibt es dann sehr eng getaktete Zeitpläne für die Durchführung von Experimenten. Die frühere Abschaltung bringt diese durcheinander. Die nächste schlechte Nachricht für die Wissenschaftler ist, dass auch im kommenden Jahr die Laufzeit verkürzt wird, in beiden Jahren zusammen um 20 Prozent.

20 Prozent weniger Kollisionen sind zu verschmerzen

Der Verlust lasse sich nicht aufholen, weil der LHC und die Geräte, die die Daten aufzeichnen, an ihrer derzeitigen Leistungsgrenze seien, sagte Forschungsdirektor Joachim Mnich der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Aber: "Gemessen an der ganzen derzeitigen LHC-Betriebsperiode von vier Jahren sind 20 Prozent weniger Kollisionen in diesem und im nächsten Jahr verschmerzbar."

LHC Run 3 - Cern
LHC Run 3 - Cern (02:10)

"Sollten die Strompreise langfristig hoch bleiben, könnte das dazu führen, dass wir das Physikprogramm reduzieren oder zeitlich strecken müssen" , sagte Mnich. Geprüft werde, wo sonst noch Strom gespart werden könne. Unter anderem soll mit der Abwärme der Energie, die verbraucht wird, bald eine Neubausiedlung beheizt werden. Zudem sollen ab Ende 2023 Cern-Gebäude mit der Abwärme eines neuen Rechenzentrums versorgt werden.

Das Cern hatte bereits im Sommer Pläne ausgearbeitet, wegen der Energiekrise seine Teilchenbeschleuniger zeitweise stillzulegen . Das Cern betreibt neben dem LHC sieben weitere Teilchenbeschleuniger sowie zwei Teilchenverzögerer. Der Spitzenbedarf an Energie liegt bei 200 Megawatt - das entspricht etwa einem Drittel des Energiebedarfs von Genf.

Der Teilchenbeschleuniger LHC hat nach einer dreijährigen Pause seinen Betrieb erst Anfang Juli 2022 wieder aufgenommen . In dieser Zeit wurden der Beschleuniger und seine Injektoren sowie die Experimente gewartet und aufgerüstet. Künftig kann der LHC mit einer Energie von 13,6 Billionen Elektronenvolt (TeV) arbeiten.


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