• IT-Karriere:
  • Services:

Energiegewinnung: Zu wenig Magma-Nachschub für die Geothermie

Bei Diskussionen über Geothermie klingt es oft so, als könnten vulkanisch aktive Gegenden wie Island den Rest der Welt mit Energie versorgen. Aber ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass dieser Eindruck täuscht.

Artikel von veröffentlicht am
Islands berühmte Blaue Lagune wird von einem Geothermiekraftwerk gespeist.
Islands berühmte Blaue Lagune wird von einem Geothermiekraftwerk gespeist. (Bild: Panoramio/Wikimedia)

Am 26. Januar 2020 gab der isländische Wetterdienst Alarm, mit der niedrigsten Warnstufe. Der Þorbjörn-Vulkan (die Aussprache des Þ entspricht dem englischen th im Wort thorn) und die umliegende Landschaft hoben sich um mehrere Millimeter pro Tag, begleitet von einer Reihe von Erdbeben unter dem Vulkan. Wenn nicht viel mehr Magma nachkommt, ist wohl kein Ausbruch zu befürchten. Das ist auch gut so, denn wenige Kilometer südlich des Vulkans liegt die Kleinstadt Grindavik und nördlich davon das Geothermiekraftwerk Svartsengi. Dessen warmes Kühlwasser speist die berühmte Blaue Lagune, die trotz des Namens weit vom Meer entfernt liegt.

Inhalt:
  1. Energiegewinnung: Zu wenig Magma-Nachschub für die Geothermie
  2. Energie aus Erdwärme zu gewinnen, ist meistens eine Art Bergbau

Die Geothermie ist eine der wichtigsten Energiequellen des Landes. Island liegt an der Grenze zwischen der europäischen und amerikanischen Kontinentalplatte. Die beiden Platten driften auseinander und an der Grenze ist die Erdkruste besonders dünn. Das heiße Erdinnere ist der Oberfläche besonders nah, wodurch schon in geringer Tiefe heiße Gesteinsschichten liegen. Mit deren Hilfe wird Wasser aufgeheizt, in Dampf verwandelt und damit Turbinen angetrieben. Aber diese Energiequelle ist nicht unerschöpflich.

Ein Schwimmbecken voll Magma reicht keine 2 Stunden

Selbst in der unmittelbaren Bruchzone zwischen den Kontinentalplatten dringt nur eine Wärmeleistung von 2 bis 3 Kilowatt pro Hektar an die Oberfläche. Das ist wie der Versuch, ein ganzes Fußballfeld mit einer einzigen Herdplatte zu beheizen. Nur mit einigen Tausend Jahren Zeit und vielen Hundert Metern isolierender Gesteinsschichten können damit hohe Temperaturen erreicht werden. Der Eindruck, dass hier sehr viel Energie aus der Tiefe kommt, täuscht also. Etwas mehr gelangt nur dann an die Oberfläche, wenn sich heißes, flüssiges Magma direkt aus der Tiefe nach oben bewegt.

Das ist wahrscheinlich in der letzten Woche passiert. Die Menge wird auf rund eine Million Kubikmeter Basalt geschätzt. Dieses 1.200 Grad heiße, dünnflüssige Magma könnte 400 olympische Schwimmbecken mit zwei Metern Tiefe füllen. Auch das klingt nach viel Energie, aber selbst für ein kleines Kraftwerk wie Svartsengi reicht die Wärme aus diesem Magma-Nachschub kaum mehr als ein halbes Jahr.

Stellenmarkt
  1. Staples Deutschland GmbH & Co. KG, Stuttgart
  2. Continental AG, Hannover

Die installierte Kapazität zur Stromerzeugung beträgt 46,4 Megawatt (MW), hinzu kommen 150 MW Fernwärme, mit der 20.000 Einwohner versorgt werden. Dafür werden der Erde 320 MW entzogen, in Form von 220 Kilogramm Wasser pro Sekunde, aus denen 80 Kilogramm Dampf mit einer Temperatur von 163 Grad Celsius erzeugt werden. Ein olympisches Schwimmbecken voll glutflüssigem Basalt würde von dem Kraftwerk in einem halben Tag auf Zimmertemperatur abgekühlt werden.

Island ist nicht die Batterie Europas

Wissenschaftler konnten durch Messungen den Energiehaushalt von Island auf etwa 30 Gigawatt (GW) schätzen. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2017 im Jahresdurchschnitt rund 440 GW aus allen Quellen verbraucht, etwas mehr als die Hälfte davon aus Öl und Gas. Dabei wurden rund 70 GW Strom erzeugt.

In Island kann aber nur ein Teil der 30 GW verfügbarer Wärmefluss (Seite 11) tatsächlich genutzt werden. Etwa 15 GW gehen durch Wärmeleitung an die Erdoberfläche verloren, weil nicht die gesamte Insel mit Bohrlöchern überzogen werden kann. Weitere 7 GW gehen durch vulkanische Aktivität verloren. Vom Rest ist 1 GW unzugänglich, weil die Gebiete von Gletschern überdeckt sind. Am Ende bleiben etwa 7 GW an nachhaltig nutzbarem geothermischer Wärmefluss in Island übrig. Daraus lassen sich technisch etwa 1 bis 2 GW Strom erzeugen.

Das ist sehr viel für eine Nation mit etwa so vielen Einwohnern wie Bielefeld. Aber die Vorstellung, aus den Vulkanen Islands die grüne Batterie Europas machen zu wollen, ist illusorisch.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Energie aus Erdwärme zu gewinnen, ist meistens eine Art Bergbau 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)

Jossele 14. Feb 2020

Weil ja auch die Angst vor einem Polsprung umgeht, hat Da möchte ich nachfragen: Damit...

Zobian 10. Feb 2020

Vermutlich müsste man etliche Tausend Kubikkilometer um ein paar hundert grad abkühlen...

smonkey 08. Feb 2020

Als Energiequelle mag das sogar bereits heute stimmen. Norwegen ist der zweitgrößte...

Eheran 07. Feb 2020

Das habe ich jetzt zwar nicht verstanden, aber ist auch nicht schlimm. Ich danke...

davidcl0nel 07. Feb 2020

Also mehr als sich selbst versorgen machen sie ja jetzt schon. Nicht durch Stromexport...


Folgen Sie uns
       


ANC-Kopfhörer im Vergleich

Wir haben Sonys neuen WH-1000XM4 bei der ANC-Leistung gegen Sonys alten WH-1000XM3 und Boses Noise Cancelling Headphones 700 antreten lassen.

ANC-Kopfhörer im Vergleich Video aufrufen
The Secret of Monkey Island: Ich bin ein übelriechender, groggurgelnder Pirat!
The Secret of Monkey Island
"Ich bin ein übelriechender, groggurgelnder Pirat!"

Das wunderbare The Secret of Monkey Island feiert seinen 30. Geburtstag. Golem.de hat einen neuen Durchgang gewagt - und wüst geschimpft.
Von Benedikt Plass-Fleßenkämper


    Pinephone im Test: Das etwas pineliche Linux-Phone für Bastler
    Pinephone im Test
    Das etwas pineliche Linux-Phone für Bastler

    Mit dem Pinephone gibt es endlich wieder ein richtiges Linux-Telefon, samt freier Treiber und ohne Android. Das Projekt scheitert aber leider noch an der Realität.
    Ein Test von Sebastian Grüner

    1. Linux Mehr Multi-Touch-Support in Elementary OS 6
    2. Kernel Die Neuerungen im kommenden Linux 5.9
    3. VA-API Firefox bringt Linux-Hardwarebeschleunigung auch für X11

    Ausprobiert: Meine erste Strafgebühr bei Free Now
    Ausprobiert
    Meine erste Strafgebühr bei Free Now

    Storniert habe ich bei Free Now noch nie. Doch diesmal wurde meine Geduld hart auf die Probe gestellt.
    Ein Praxistest von Achim Sawall

    1. Gesetzentwurf Weitergabepflicht für Mobilitätsdaten geplant
    2. Personenbeförderung Taxibranche und Uber kritisieren Reformpläne

      •  /