Energieeffizienzgesetz: Effizienzvorgaben für Rechenzentren deutlich abgeschwächt

Die geplante Nutzung der Abwärme von Rechenzentren bekommt einen Dämpfer: Kurz vor dem noch in dieser Woche geplanten Beschluss des Gesetzes zur Steigerung der Energieeffizienz hat die Bundesregierung dieses noch einmal geändert. Dabei entfällt eine zentrale Komponente: Der ursprüngliche Entwurf sah vor, dass Rechenzentren im Umkreis von fünf Kilometern um ein Wärmenetz hätten gebaut oder binnen zehn Jahren an ein geplantes angeschlossen werden müssen. Die Abstandsregelung fällt nun weg, lediglich eine Übergabestation müssen die Betreiber vorhalten - wie genau die aussehen muss, bleibt unklar.
Das umfangreiche Änderungsprotokoll(öffnet im neuen Fenster) (PDF) führt noch weitere Anpassungen auf. So fallen die Vorgaben für die Einlasstemperaturen des Kühlmediums weg, zu Maßnahmen zur Vermeidung und Verwertung von Abwärme sollen Unternehmen nur noch verpflichtet werden, "soweit dies möglich und zumutbar ist" . Die Zumutbarkeit wird konkretisiert, hier seien "technische, wirtschaftliche und betriebliche Belange" einzubeziehen. Zudem müssen Betreiber wesentlich weniger detailliert über den ihren Systemen zugeordneten Energiebedarf informieren.
Auch beim vorgeschriebenen Energie- und Umweltmanagementsystem (Emas) gibt es Änderungen: Ein solches müssen die Betreiber von Rechenzentren und Informationstechnik erst ab 2026 und nicht bereits ab 2025 vorweisen. Zudem ist es erst ab einer Nennanschlussleistung von 300 kW verpflichtend, zuvor lag die Grenze bei 200 kW. Eine kleine Verschärfung findet sich allerdings auch: Rechenzentren, die ab dem 1. Juni 2026 in Betrieb gehen, müssen im Jahresmittel eine PUE (Power Usage Effectiveness) von 1,2 erreichen - bislang war ein Wert von 1,3 vorgesehen. Zudem wird ein Emas bereits ab einem jährlichen Energiebedarf von 7,5 GWh verpflichtend - zuvor lag der Wert doppelt so hoch.
Ein zahnloses Gesetz
Die Krokodilstränen der Branchenverbände der Digitalindustrie zeigten offensichtlich Wirkung. So lobte der Verband Eco(öffnet im neuen Fenster) bereits den Änderungsantrag.
Auch die FDP-Abgeordneten Maximilian Funke-Kaiser und Michael Kruse lobten die Änderungen, die aus der Feder ihrer Fraktion stammen dürften. Unbürokratischer und praxistauglicher sei der neue Entwurf, so Kruse. Das Umweltinstitut München(öffnet im neuen Fenster) hingegen spricht von einem "weichgespülten Gesetz" . Die geänderten Regelungen machen es Betreibern von Rechenzentren deutlich einfacher, das Gesetz zu umgehen - und Maßnahmen zur Effizienzsteigerung weiter aufzuschieben.



