Einmal den Stromverbrauch der Welt für den Flugverkehr

Das Cleansky-Forschungsprojekt hat Modellrechnungen für zwei Szenarien angestellt, in denen davon ausgegangen wird, dass der zukünftige Flugverkehr auf Strecken bis 10.000 Kilometer Wasserstoff nutzt und für längere Strecken E-Fuels. Bei einem Szenario mit einem extrem schnellen Umstieg auf Wasserstoffflugzeuge würden 2050 insgesamt 21 Petawattstunden Strom pro Jahr benötigt, bei einem weniger ambitionierten Szenario mit einem höheren E-Fuels-Anteil 28 Petawattstunden. Der jeweils größte Teil davon entfällt auf die energieintensive Produktion von E-Fuels. Wenn man ausschließlich auf E-Fuels setzt, bräuchte man sogar 32 Petawattstunden.

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Zum Vergleich: Die weltweite Stromproduktion betrugt 2018 etwa 26 Petawattstunden. Sprich: Um den Flugverkehr zu betreiben, gehen diese Szenarien davon aus, dass alleine dafür 2050 fast so viel klimafreundlich erzeugter Strom bereitsteht, wie heute insgesamt weltweit an Strom aus allen Quellen zusammen erzeugt wird. Ob das realistisch ist, daran kann man wohl Zweifel haben.

Muss der Flugverkehr immer weiter wachsen?

In den Szenarien des Cleansky-Projekts wird davon ausgegangen, dass der Flugverkehr weiter dauerhaft anwächst - um vier Prozent pro Jahr. Das ist geringer als das Wachstum in den vergangenen Jahren vor der Corona-Krise. Insgesamt würde das aber bedeuten, dass 2050 mehr als dreimal so viel Flugverkehr wie bisher stattfindet. Varianten, bei denen der Flugverkehr nicht wächst oder sogar reduziert wird, wurden vom Cleansky-Projekt nicht betrachtet.

Auf Anfrage teilte uns das Cleansky-Projekt mit, dass man mit den Wachstumsraten aus den Szenarien der internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) gerechnet hat. "Es gibt keine allgemein akzeptierten Projektionen, die ein Nullwachstum oder ein langfristiges Negativwachstum für den Sektor annehmen", schreibt uns Cleansky dazu.

Ob bei einer Umstellung auf alternative Antriebe ein dauerhaft so hohes Wachstum des Flugverkehrs realistisch ist, scheint fragwürdig. Insbesondere bei E-Fuels muss man wohl davon ausgehen, dass diese auch langfristig relativ teuer sein werden. Bei einer ernstzunehmenden Klimapolitik könnte das Wachstum des Flugverkehrs durch die höheren Preise automatisch begrenzt werden.

Eine Schrumpfung des Flugverkehrs wird von einigen Umweltgruppen gefordert, etwa von dem internationalen Netzwerk Stay Grounded, das dazu kürzlich einen Bericht herausgegeben hat. Doch es sind nicht nur Umweltorganisationen, die sich eine Reduktion des Flugverkehrs zumindest vorstellen können.

Erneuerbare Energien und Klimaschutz: Hintergründe - Techniken und Planung - Ökonomie und Ökologie - Energiewende (Deutsch)

Ambitioniertes Szenario der IEA geht von sinkendem Flugverkehr aus

Von einer eher unerwarteten Seite wurde kürzlich eine deutliche Reduktion des Flugverkehrs ins Gespräch gebracht. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat in ihrem jüngsten Jahresbericht, dem World Energy Outlook, ein Energie-Szenario berechnet, bei dem Treibhausgase vergleichsweise schnell reduziert werden. Es ist das einzige von der IEA betrachtete Szenario, das mit dem Pariser Klimaschutzabkommen zumindest ansatzweise kompatibel wäre.

In diesem Szenario geht die Energieagentur davon aus, dass ein großer Teil der Emissionsreduktionen durch Verhaltensänderungen erreicht wird. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Flugverkehr. Die IEA rechnet damit, dass Kurzstreckenflüge unter einer Stunde komplett durch Alternativen ersetzt und die Zahl der Langstreckenflüge drastisch reduziert wird.

Wie die IEA betont, tragen Langstreckenflüge überdurchschnittlich viel zum Klimawandel bei, da sie das zusätzliche Gewicht für den Treibstoff mittragen müssen. "Obwohl weniger als vier Prozent aller Flüge länger als sechs Stunden dauern, waren sie 2018 für mehr als ein Drittel der gesamten Kohlendioxid-Emissionen des Passagier-Flugverkehrs verantwortlich", heißt es dazu im World Energy Outlook. Und man könnte ergänzen: Sie lassen sich besonders schwer durch alternative Antriebe ersetzen.

Bis alternative Flugzeugantriebe eine größere Rolle spielen, wird es wohl noch einige Zeit dauern. Dass jetzt Bewegung in die Sache kommt, ist sicher zu begrüßen. Es wird aber darauf ankommen, Wasserstoff- und Elektroflugzeuge nicht nur anzukündigen, sondern auch tatsächlich zu bauen. Klar sein dürfte aber auch: Einen einfachen Ausweg aus der Klimaproblematik des Flugverkehrs bietet keine der angedachten Technologien.

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 Biokraftstoffe sind zu Recht in Verruf geraten
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senf.dazu 23. Nov 2020

Und nicht zu vergessen - Fluglärm und Flugschneisen wären dann auch passé. Und schneller...

senf.dazu 23. Nov 2020

Wie im Artikel beschrieben - man könnte drüber nachdenken das Wasser zu kondensieren und...

subjord 22. Nov 2020

Wir haben ja noch Biomasse Kraftwerke. Die werden uns noch sehr lange begleiten und die...

Bouncy 19. Nov 2020

Eben, Einzelheiten - deswegen sag ich "theoretisch ja", denn natürlich könnte man wenn...

Dwalinn 19. Nov 2020

Das Problem ist man müsste die Produktion stark regeln können. An einen Tag läuft das...


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