160 Grad heißes Wasser für 2 MW Strom

Das Gestein beim Blue Mountain ist in 2300 m Tiefe bis zu 191 Grad Celsius heiß, 184 Grad im Durchschnitt. Bei Tests wurden durchschnittlich rund 40 Liter Wasser pro Sekunde mit 160 Grad Celsius gefördert, was eine Stromproduktion von rund 2 MW mit einer Pumpleistung von 0,5 MW ermöglicht hätte. Die Spitzenwerte von 63 Litern pro Sekunde und 3,5 MW sind wenig repräsentativ. Die angenommene Umgebungstemperatur von 8 Grad Celsius wird auch nicht ganzjährig zur Verfügung stehen.

Diese Zahlen sind vergleichbar mit der französischen Bohrung in Soultz-sous-Forêts. Diese ist mit 5.000 m allerdings rund doppelt so tief und liefert bei der gleichen Temperatur 30 Liter pro Sekunde. Die niedrigere Bohrtiefe ist ein großer Standortvorteil und vergleichbare Bedingungen finden sich in großen Teilen der westlichen USA. Dabei ist Fervo nicht auf vorhandene Klüfte und Störungen im Gestein angewiesen, die bei der Bohrung in Frankreich ausgenutzt wurden.

Nachhaltigkeit ist noch nicht gesichert

Unklar bleibt aber, ob die Bohrung beim Blue Mountain ähnlich wie die in Frankreich eine über Jahrzehnte andauernde Geothermieproduktion ermöglicht oder die Temperatur des geförderten Wassers schon nach wenigen Jahren absinken würde. Den Messungen nach zu urteilen ist das zugänglich gemachte Volumen an heißem Gestein etwa 1 km lang und breit und rund 300 m mächtig.

Das entspricht einer Größenordung von einer halben Milliarde Tonnen heißem Gestein mit einem Wärmeenergiegehalt von 140 GWh bei einer Abkühlung um 1 Grad Celsius, was etwa einem Jahr Betrieb entspricht. Genaue Aussagen sind aber nur durch detaillierte Simulationen möglich, da die Abkühlung des Gesteins nicht gleichmäßig erfolgt und solche Abschätzungen kurzfristig übertrieben pessimistische Ergebnisse liefern. Fervo hat solche Simulationen aber bislang noch nicht geliefert.

Mehr Erfahrung soll den Erfolg bringen

Das Ziel der Firma ist es, das Bohrverfahren weiter zu standardisieren und zu beschleunigen, um die Kosten zu senken, wie es auch schon bei der Gasförderung geschah. Wie dort sollen Bohrlöcher länger werden und mehr Bohrlöcher in verschiedene Richtungen von einem Standort aus gebohrt werden, um den Aufwand und Flächenverbrauch der Anlagen zu minimieren. Vor allem soll mehr Erfahrung gesammelt werden. So wurde etwa schon beim zweiten Bohrloch die Bohrdauer von 72 auf 59 Tage verringert.

Die Bohrverfahren sind im Vergleich zur Gasförderung ähnlich, allerdings stellt die Geothermie größere Anforderungen an die Technik. Gasvorkommen befinden sich in weicherem Sedimentgestein und es wird bei Temperaturen bis 175 Grad gebohrt. Für geothermische Vorkommen liegt diese Temperatur an der unteren Grenze zur wirtschaftlichen Stromerzeugung und der Untergrund besteht oft aus deutlich härterem magmatischen Gestein.

Noch tiefere Bohrungen mit höheren Temperaturen könnten die Effizienz der Stromerzeugung und damit die Wirtschaftlichkeit der Geothermie noch deutlich verbessern. Deshalb sammelte Fervo 2022 zur weiteren Entwicklung der Technik 138 Millionen US-Dollar Kapital ein. Eine Erfolgsgarantie ist das nicht. Aber die Demonstration der Technik zeigt, dass sich schon jetzt kommerzielle Kraftwerke auch außerhalb der bekannten natürlichen Geothermiefelder lohnen könnten.

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 Energie: Fervo Energy kommerzialisiert Fracking für Geothermie
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