Autocharge funktioniert besser als Plug & Charge

Sillober: Das wäre zwar eine Möglichkeit. Wir machen das aber bewusst nicht, weil es eine hohe Komplexität im Markt erzeugen würde. Wir wollen unser Angebot EnBW Mobility+ aber möglichst einfach gestalten und eine Art Familien-Lösung bieten. Es ist nicht an ein Fahrzeug gebunden - mit einer Karte lassen sich in einer Familie über einen Account mehrere Elektroautos nutzen. Auch Miet- oder Sharing-Autos. Ich persönlich wechsele alle paar Wochen das Auto. Plug & Charge oder Auto Charge?

Stellenmarkt
  1. Berater Krankenhausinformationssystem (KIS) Neueinführungen (m/w/d)
    Helios IT Service GmbH, Berlin-Buch, deutschlandweit
  2. Spezialist für IT-Sicherheit (m/w/d)
    ekom21 - KGRZ Hessen, Gießen, Darmstadt, Kassel
Detailsuche

Edison: Mit einem Wort: Sie favorisieren Autocharge, nicht Plug & Charge wie die Autoindustrie?

Sillober: Ja. Einen Vertrag mit einem transparenten Pricing für mehrere Autos halten wir für besser. Und Autocharge ist eine etablierte Technologie, die schon bei Tesla, Fastned und auch bei uns zum Einsatz kommt. Wir haben auf die Schnelle mal über 1.000 HPC-Ladepunkte mit Autocharge ausstatten können - Plug & Charge funktioniert immer noch nicht verlässlich.

Edison: Die Autoindustrie, insbesondere Volkswagen, würde lieber das Fahrzeug zum Dreh- und Bezahlpunkt machen, nicht die Ladesäule.

Golem Akademie
  1. C++ Programmierung Basics: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    28. Februar–4. März 2022, virtuell
  2. Einführung in die Programmierung mit Rust: virtueller Fünf-Halbtage-Workshop
    21.–25. März 2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Sillober: Wir halten Plug & Charge für eine Lösung, die overengineered ist. Es ist kompliziert im Betrieb, auch anfällig in der IT-Kette. Bei Autocharge haben wir zum Teil Reaktionszeiten von einer Sekunde, bei Plug&Charge dauert es deutlich länger, bis die Kommunikation steht. Die Einrichtung des Systems im Auto und die Hinterlegung der Vertragsdaten im Auto ist aufwändig. Und noch eines muss man bedenken ...

Edison: Nämlich?

Sillober: Plug & Charge stellt wahnsinnig hohe Anforderungen an die Infrastruktur. Die alten Ladesäulen werden das nicht können. Hinzu kommt: Autocharge ist Roaming-fähig, so dass wir uns auch mit anderen Anbietern wie Fastned vernetzen können. Es gibt deshalb übrigens auch Autohersteller, die die kundenfreundliche Lösung in ihr Auto integrieren wollen. Ich komme aus der Mobilfunk-Branche. Da hatte man vor fünf, sechs Jahren für jedes Mobilfunk-Gerät einen eigenen Vertrag. Die Kunden haben es gehasst, dass sie bis zu fünf Vodafone-Verträge in einer Familie hatten. Wir haben daraufhin die so genannte Family-Präposition eingeführt - einen Vertrag, über den unterschiedliche Geräte geführt wurden, über den man Datenvolumen teilen konnte und vieles andere mehr. Das hat sich vom Start weg sehr gut verkauft. An das wollen wir nun beim Ladestrom anknüpfen.

Edison: Das heißt, der neue Hyper-Hub ist noch nicht Plug & Charge fähig?

Sillober: Noch nicht. Aber man könnte es umstellen - die Hardware ist dazu fähig. Dafür wäre allerdings eine aufwändige Backend-Anbindung notwendig.

Edison: So oder so - das Laden des Elektroautos wird einfacher. Mancher würde sich auch wünschen, auf längeren Fahrten auch eine Ladesäule im Voraus reservieren zu können. Ist das denk- und machbar?

Sillober: Wir testen solche Möglichkeiten, auch zusammen mit Autoherstellern - deshalb sind zum Beispiel unsere Ladesäulen in Kamen nummeriert. Technisch ist das möglich. Die Herausforderung ist eher prozessualer Natur: Wie geht man mit Verspätungen um, kann man das zu allen Zeiten anbieten und mit welchem Vorlauf? Die Ladesäule müsste man für den Autofahrer blockieren, der reserviert hat. In der Zwischenzeit kann niemand anderes hier laden. Und man müsste eine Reservierungsgebühr erheben. Die Organisation ist nicht trivial, insbesondere zu Stoßzeiten. Wir wollen Ladesäulen diskriminierungsfrei für die Allgemeinheit bauen. Aber man könnte natürlich zwei abgesetzte Säulen montieren für Vorreservierungen. Das sind allerdings erst Überlegungen.

Edison: Welche Idee sollte die neue Bundesregierung haben, um die Elektromobilität weiter voranzubringen?

Sillober: Ich würde mich freuen, wenn die Bundesregierung auf pragmatische Lösungen setzt und Schluss macht mit überbordenden regulatorischen Vorgaben, etwa für Kreditkarten-Lesegeräte, Anforderungen an die Mindestladeleistung von Ladesäulen - oder Gleichzeitigkeits-Faktoren von 1.

Edison: Wonach jede Ladesäule unabhängig von der Zahl der gleichzeitig landenden Elektroautos immer die gleiche Ladeleistung bringen müsste.

Sillober: Genau, damit immer 100 Prozent der Leistung abgegeben werden kann, unabhängig von der Auslastung. Das ist ein in der Realität nie vorkommender Fall - der aber in der Spezifikation des Deutschland-Netzes genauso gefordert wird. Dann bräuchte man aber an einem Ladepark wie in Kamen einen Trafo mit deutlich zweistelliger Megawatt-Leistung, um das sicherzustellen zu können. Das ist gar nicht machbar. Ich wünsche mir also vor allem mehr Pragmatismus und Sachverstand, auch schnellere Genehmigungsprozesse. So können wir dann möglichst viel und möglichst schnell bauen.

Hinweis: Dieser Artikel ist am 20. Dezember 2021 zuerst bei unserem Kooperationspartner Edison.media erschienen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Strompreis im Dentschlandnetz "noch nicht ausdiskutiert"
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4


Lehmmanbnhb 30. Dez 2021 / Themenstart

Gar nicht so einfach, die Preisstrukturen für Rauchwaren der Qualität "Schwarzer...

sixteen 27. Dez 2021 / Themenstart

Also wenn sich die Vertragsgestaltung und vielleicht auch der dazugehörige Service in...

AllDayPiano 26. Dez 2021 / Themenstart

Letztere Aussage bezweifle ich. Abgesehen davon: wenn ein Konkurrent es billiger kann...

bifi 26. Dez 2021 / Themenstart

Vermutlich weil es sicher ist? PnC läuft über kryptographische Zertifikate...

sebi2k1 26. Dez 2021 / Themenstart

Er diskreditiert sie nicht sondern kritisiert sie als unrealistisch. Die Frage ist doch...

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Fernwartung
Der Kundenansturm, der Teamviewer nicht gut getan hat

Wie schätzt man die weitere Geschäftsentwicklung ein, wenn die Kunden in der Pandemie plötzlich Panikkäufe machen? Das gelang bei Teamviewer nicht.
Ein Bericht von Achim Sawall

Fernwartung: Der Kundenansturm, der Teamviewer nicht gut getan hat
Artikel
  1. Pluton in Windows 11: Lenovo will Microsofts Sicherheitschip nicht aktivieren
    Pluton in Windows 11
    Lenovo will Microsofts Sicherheitschip nicht aktivieren

    Die neuen Windows-11-Laptops kommen mit dem Chip Pluton. Lenovo will diesen aber noch nicht selbst aktivieren.

  2. Netzneutralität: Google und Meta verteidigen sich gegen Telekom-Vorwürfe
    Netzneutralität
    Google und Meta verteidigen sich gegen Telekom-Vorwürfe

    Die beiden großen Internetkonzerne Google und Meta verweisen im Gespräch mit Golem.de auf ihren Beitrag zur weltweiten Infrastruktur wie Seekabel und Connectivity.

  3. Probefahrt mit BMW-Roller CE 04: Beam me up, BMW
    Probefahrt mit BMW-Roller CE 04
    Beam me up, BMW

    Mit futuristischem Design und elektrischem Antrieb hat BMW ein völlig neues Fahrzeug für den urbanen Bereich entwickelt.
    Ein Bericht von Peter Ilg

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • RTX 3070 989€ • The A500 Mini Retro-Konsole mit 25 Amiga-Spielen vorbestellbar 189,90€ • RX 6800 16GB 1.129€ • Intel Core i9 3.7 459,50€ Ghz • WD Black 1TB inkl. Kühlkörper PS5-kompatibel 189,99€ • Switch: 3 für 2 Aktion • RX 6700 12GB 869€ • MindStar (u.a. 1TB SSD 69€) [Werbung]
    •  /