Abo
  • Services:

Emotionsforschung: Warum im Netz so erbittert gestritten wird

Im Netz wird teilweise grob gestänkert und gezankt. Ein von der EU gefördertes Forschungsprojekt stellt die Frage: Warum eigentlich? Ein Resultat der Forscher: Mit der Anonymität hat das nicht viel zu tun.

Artikel veröffentlicht am , Steffen Meyer/Handelsblatt
Cyberemotions
Cyberemotions (Bild: Michael Wieczorek/Golem.de)

Wer in Foren, Blogs oder soziale Netzwerke schaut, der könnte denken, dass im Netz nur gestänkert, beleidigt und geflucht wird: Kommentarspalten füllen sich mit gegenseitigen Anfeindungen, die Emotionen quellen über, Wörter wie "Penner", "Idiot" und "Volltrottel" zählen noch zu den harmlosen Beschimpfungen. Das hat vor kurzem Markus Beckedahl, Betreiber des populären Blogs netzpolitik.org, dazu gebracht, sich in seinem Text "Einfach mal die Kommentare schließen?" über die Diskussionskultur zu echauffieren - und stieß damit eine Debatte an.

Inhalt:
  1. Emotionsforschung: Warum im Netz so erbittert gestritten wird
  2. Mit Wissenschaft zu besserem Diskussionsklima?

Doch diese Debatte beschäftigt nicht nur die Netzbürger - sondern auch die Wissenschaft. Schon seit über drei Jahren widmet sich ein europäisches Forschungskonsortium dem Wesen von Netz-Communitys. Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen aus fünf EU-Ländern (Polen, England, Österreich, Slowenien, Deutschland) und der Schweiz analysieren die Diskussionskultur in Blogs, Foren und sozialen Netzwerken. Emotionspsychologen, Informatiker, theoretische Physiker sowie Experten für künstliche Intelligenz, virtuelle Realität und komplexe Systeme untersuchen unter dem Projektnamen "Cyberemotions", warum teils so emotional gestritten wird - und was man dagegen tun kann.

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen realer und virtueller Diskussion ist: Im Netz treffen Menschen aufeinander, die sich nicht kennen. Diese Aussage mag banal klingen, doch aus ihr leiten sich Erkenntnisse ab, warum der Ton in Foren, Blogs und Kommentarbereichen oft so rau ist. Mit Anonymität hat das laut Psychologie-Professor Arvid Kappas von der Jacobs University in Bremen nämlich nicht viel zu tun.

Der an dem Projekt beteiligte Forscher hat dazu ein Experiment mit zwei Kleingruppen durchgeführt: Jede Gruppe besteht aus zwei Personen, die über das Internet zu einem Thema diskutieren sollten. Die eine Gruppe sollte sich vorher kennenlernen, fragen, wo die andere Person herkommt, was sie macht. Die andere Gruppe startete sofort in die Diskussion. Das Ergebnis: Die Personen, die sich vorher nicht über persönliche Dinge unterhalten haben, gingen rauer miteinander um als die, die sich vorher gegenseitig kennengelernt hatten.

Stellenmarkt
  1. Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), Düsseldorf
  2. GRAMMER AG, Kümmersbruck bei Amberg

Das spiegelt sich nach Untersuchungsdaten der Forscher auch in Internetcommunitys wider: Die österreichische Nachrichtensite "derstandard.at" zum Beispiel hat eine sehr rege Community; einige User diskutieren dort schon seit Jahren in den Kommentaren miteinander. Viele benutzen zwar Pseudonyme, doch sie kennen sich untereinander - und entsprechend reagieren sie weniger harsch aufeinander. "Wenn die User der Community wissen, 'Ach, das ist wieder der eine, der holt immer Marx aus der Kiste', dann verhalten sie sich ihm gegenüber mehr wie bei einem Bekannten", sagt Kappas. "Ob der Benutzername nun 'Steffen Meyer' oder 'Anonymous' ist, ist fast egal."

Aber eben nur fast.

Denn eine Klarnamenpflicht - also das Verbot, ein Pseudonym zu benutzen - ändert zwar selten den Umgang mit anderen Personen, aber den Umgang mit dem eigenen Wort. Wenn Menschen mit ihrem Namen für ihre Aussagen geradestehen, sagen sie nicht immer das, was sie eigentlich meinen. Kurz gesagt: Sie zensieren sich selbst. Zwar tritt dieser Effekt nicht bei allen Internetnutzern ein - gerade die Generation Facebook scheint da weniger scheu zu sein -, doch auch deswegen protestierten so viele Netzaktivisten gegen den Vorstoß von Innenminister Hans-Peter Friedrich, dass Internetnutzer mit "offenem Visier" kommentieren sollen. Sie befürchteten, dass Meinungen abseits des Mainstreams so nicht mehr geäußert würden, sahen darin eine Gefahr für die Meinungsvielfalt.

Mit Wissenschaft zu besserem Diskussionsklima? 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 45,99€ (Release 19.10.)
  2. 16,82€
  3. 31,99€
  4. 33,49€

JanZmus 30. Aug 2012

Aber es ging hier um soziale Schichten in einem Diskussionsforum, und da ist es m.M.n...

layer8 28. Aug 2012

richtig, wer sich persönlich kennt ist dem Gegenüber nicht mehr annonym.

Replay 28. Aug 2012

Hoffentlich bleibt es so, wie es ist. Der Ton hier wurde durch Golems Eingreifen doch...

mw (Golem.de) 28. Aug 2012

Ich schicke es gerne als hochaufgelöstes jpg an eine e-Mail adresse. Kontakt: mw@golem...

IceRa 28. Aug 2012

Man bildet sich eine Meinung über ein Thema nur unter Berücksichtigung teilweiser...


Folgen Sie uns
       


Motorola One angesehen (Ifa 2018)

Lenovo hat auf der Elektronikfachmesse Ifa 2018 sein neues Android-Smartphone Motorola One vorgestellt.

Motorola One angesehen (Ifa 2018) Video aufrufen
Lenovo Thinkpad T480s im Test: Das trotzdem beste Business-Notebook
Lenovo Thinkpad T480s im Test
Das trotzdem beste Business-Notebook

Mit dem Thinkpad T480s verkauft Lenovo ein exzellentes 14-Zoll-Business-Notebook. Anschlüsse und Eingabegeräte überzeugen uns - leider ist aber die CPU konservativ eingestellt und ein gutes Display kostet extra.
Ein Test von Marc Sauter und Sebastian Grüner

  1. Thinkpad E480/E485 im Test AMD gegen Intel in Lenovos 14-Zoll-Notebook
  2. Lenovo Das Thinkpad P1 ist das X1 Carbon als Workstation
  3. Thinkpad Ultra Docking Station im Test Das USB-Typ-C-Dock mit robuster Mechanik

SpaceX: Milliardär will Künstler mit zum Mond nehmen
SpaceX
Milliardär will Künstler mit zum Mond nehmen

Ein japanischer Milliardär ist der mysteriöse erste Kunde von SpaceX, der um den Mond fliegen will. Er will eine Gruppe von Künstlern zu dem Flug einladen. Die Pläne für das Raumschiff stehen kurz vor der Fertigstellung.
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

  1. Mondwettbewerb Niemand gewinnt den Google Lunar X-Prize

Network Slicing: 5G gefährdet die Netzneutralität - oder etwa nicht?
Network Slicing
5G gefährdet die Netzneutralität - oder etwa nicht?

Ein Digitalexperte warnt vor einem "deutlichen Spannungsverhältnis" zwischen der technischen Basis des kommenden Mobilfunkstandards 5G und dem Prinzip des offenen Internets. Die Bundesnetzagentur gibt dagegen vorläufig Entwarnung.
Ein Bericht von Stefan Krempl

  1. Frequenzauktion Auch die SPD will ein erheblich besseres 5G-Netz
  2. T-Mobile US Deutsche Telekom gibt 3,5 Milliarden US-Dollar für 5G aus
  3. Ericsson Swisscom errichtet standardisiertes 5G-Netz in Burgdorf

    •  /