Abo
  • Services:
Anzeige
Cyberemotions
Cyberemotions (Bild: Michael Wieczorek/Golem.de)

Emotionsforschung: Warum im Netz so erbittert gestritten wird

Cyberemotions
Cyberemotions (Bild: Michael Wieczorek/Golem.de)

Im Netz wird teilweise grob gestänkert und gezankt. Ein von der EU gefördertes Forschungsprojekt stellt die Frage: Warum eigentlich? Ein Resultat der Forscher: Mit der Anonymität hat das nicht viel zu tun.

Wer in Foren, Blogs oder soziale Netzwerke schaut, der könnte denken, dass im Netz nur gestänkert, beleidigt und geflucht wird: Kommentarspalten füllen sich mit gegenseitigen Anfeindungen, die Emotionen quellen über, Wörter wie "Penner", "Idiot" und "Volltrottel" zählen noch zu den harmlosen Beschimpfungen. Das hat vor kurzem Markus Beckedahl, Betreiber des populären Blogs netzpolitik.org, dazu gebracht, sich in seinem Text "Einfach mal die Kommentare schließen?" über die Diskussionskultur zu echauffieren - und stieß damit eine Debatte an.

Anzeige

Doch diese Debatte beschäftigt nicht nur die Netzbürger - sondern auch die Wissenschaft. Schon seit über drei Jahren widmet sich ein europäisches Forschungskonsortium dem Wesen von Netz-Communitys. Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen aus fünf EU-Ländern (Polen, England, Österreich, Slowenien, Deutschland) und der Schweiz analysieren die Diskussionskultur in Blogs, Foren und sozialen Netzwerken. Emotionspsychologen, Informatiker, theoretische Physiker sowie Experten für künstliche Intelligenz, virtuelle Realität und komplexe Systeme untersuchen unter dem Projektnamen "Cyberemotions", warum teils so emotional gestritten wird - und was man dagegen tun kann.

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen realer und virtueller Diskussion ist: Im Netz treffen Menschen aufeinander, die sich nicht kennen. Diese Aussage mag banal klingen, doch aus ihr leiten sich Erkenntnisse ab, warum der Ton in Foren, Blogs und Kommentarbereichen oft so rau ist. Mit Anonymität hat das laut Psychologie-Professor Arvid Kappas von der Jacobs University in Bremen nämlich nicht viel zu tun.

Der an dem Projekt beteiligte Forscher hat dazu ein Experiment mit zwei Kleingruppen durchgeführt: Jede Gruppe besteht aus zwei Personen, die über das Internet zu einem Thema diskutieren sollten. Die eine Gruppe sollte sich vorher kennenlernen, fragen, wo die andere Person herkommt, was sie macht. Die andere Gruppe startete sofort in die Diskussion. Das Ergebnis: Die Personen, die sich vorher nicht über persönliche Dinge unterhalten haben, gingen rauer miteinander um als die, die sich vorher gegenseitig kennengelernt hatten.

Das spiegelt sich nach Untersuchungsdaten der Forscher auch in Internetcommunitys wider: Die österreichische Nachrichtensite "derstandard.at" zum Beispiel hat eine sehr rege Community; einige User diskutieren dort schon seit Jahren in den Kommentaren miteinander. Viele benutzen zwar Pseudonyme, doch sie kennen sich untereinander - und entsprechend reagieren sie weniger harsch aufeinander. "Wenn die User der Community wissen, 'Ach, das ist wieder der eine, der holt immer Marx aus der Kiste', dann verhalten sie sich ihm gegenüber mehr wie bei einem Bekannten", sagt Kappas. "Ob der Benutzername nun 'Steffen Meyer' oder 'Anonymous' ist, ist fast egal."

Aber eben nur fast.

Denn eine Klarnamenpflicht - also das Verbot, ein Pseudonym zu benutzen - ändert zwar selten den Umgang mit anderen Personen, aber den Umgang mit dem eigenen Wort. Wenn Menschen mit ihrem Namen für ihre Aussagen geradestehen, sagen sie nicht immer das, was sie eigentlich meinen. Kurz gesagt: Sie zensieren sich selbst. Zwar tritt dieser Effekt nicht bei allen Internetnutzern ein - gerade die Generation Facebook scheint da weniger scheu zu sein -, doch auch deswegen protestierten so viele Netzaktivisten gegen den Vorstoß von Innenminister Hans-Peter Friedrich, dass Internetnutzer mit "offenem Visier" kommentieren sollen. Sie befürchteten, dass Meinungen abseits des Mainstreams so nicht mehr geäußert würden, sahen darin eine Gefahr für die Meinungsvielfalt.

Mit Wissenschaft zu besserem Diskussionsklima? 

eye home zur Startseite
JanZmus 30. Aug 2012

Aber es ging hier um soziale Schichten in einem Diskussionsforum, und da ist es m.M.n...

layer8 28. Aug 2012

richtig, wer sich persönlich kennt ist dem Gegenüber nicht mehr annonym.

Replay 28. Aug 2012

Hoffentlich bleibt es so, wie es ist. Der Ton hier wurde durch Golems Eingreifen doch...

mw (Golem.de) 28. Aug 2012

Ich schicke es gerne als hochaufgelöstes jpg an eine e-Mail adresse. Kontakt: mw@golem...

IceRa 28. Aug 2012

Man bildet sich eine Meinung über ein Thema nur unter Berücksichtigung teilweiser...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Robert Bosch GmbH, Stuttgart-Feuerbach
  2. über Baumann Unternehmensberatung AG, Raum Dresden
  3. Dataport, Altenholz bei Kiel
  4. STAHLGRUBER GmbH, Poing


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. Bis zu 250 EUR Cashback auf ausgewählte Objektive erhalten
  2. 117,00€

Folgen Sie uns
       


  1. Super Mario Run

    Nintendo bleibt trotz Enttäuschung beim Bezahlmodell

  2. Samsung

    Galaxy Note 7 wird per Update endgültig lahmgelegt

  3. The Ringed City

    From Software zeigt Abschluss von Dark Souls 3 im Trailer

  4. Dieter Lauinger

    Minister fordert Gesetz gegen Hasskommentare noch vor Wahl

  5. Die Woche im Video

    Cebit wird heiß, Android wird neu, Aliens werden gesprächig

  6. Mobilfunkausrüster

    Welche Frequenzen für 5G in Deutschland diskutiert werden

  7. XMPP

    Bundesnetzagentur will hundert Jabber-Clients regulieren

  8. Synlight

    Wie der Wasserstoff aus dem Sonnenlicht kommen soll

  9. Pietsmiet

    "Alle Twitch-Kanäle sind kostenpflichtiger Rundfunk"

  10. Apache-Lizenz 2.0

    OpenSSL plant Lizenzwechsel an der Community vorbei



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Videostreaming im Zug: Maxdome umwirbt Bahnfahrer bei Tempo 230
Videostreaming im Zug
Maxdome umwirbt Bahnfahrer bei Tempo 230
  1. USA Google will Kabelfernsehen über Youtube streamen
  2. Verband DVD-Verleih in Deutschland geht wegen Netflix zurück
  3. Nintendo Vorerst keine Videostreaming-Apps auf Switch

Buch - Apple intern: "Die behandeln uns wie Sklaven"
Buch - Apple intern
"Die behandeln uns wie Sklaven"
  1. Übernahme Apple kauft iOS-Automatisierungs-Tool Workflow
  2. Instandsetzung Apple macht iPhone-Reparaturen teurer
  3. Earbuds mit Sensor Apple beantragt Patent auf biometrische Kopfhörer

Lithium-Akkus: Durchbruch verzweifelt gesucht
Lithium-Akkus
Durchbruch verzweifelt gesucht
  1. Super MCharge Smartphone-Akku in 20 Minuten voll geladen
  2. Brandgefahr HP ruft über 100.000 Notebook-Akkus zurück
  3. Brandgefahr Akku mit eingebautem Feuerlöscher

  1. Re: Moment

    Trockenobst | 16:37

  2. Re: "dürften kaum die normalerweise fälligen 1...

    Berner Rösti | 16:35

  3. Re: Ich finde das ausnahmsweise gut

    Tyler_Durden_ | 16:29

  4. Re: Was soll der Aufriss?

    Berner Rösti | 16:28

  5. Re: Worum gehts?

    Trockenobst | 16:27


  1. 15:20

  2. 14:13

  3. 12:52

  4. 12:39

  5. 09:03

  6. 17:45

  7. 17:32

  8. 17:11


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel