Embark Studios: Arc Raiders und der ewige Kampf gegen Cheater
Cheater sind für viele Onlinespiele eines der größten Probleme überhaupt. Nicht nur, weil sie einzelne Matches ruinieren – sondern weil sie langfristig ganze Communities zerstören können.
"Wenn das Vertrauen in faire Matches erodiert, betrifft das alles: Spielerbindung, Community-Gesundheit und letztlich die Zukunft eines Spiels", erklärte ein Panel aus Sicherheitsverantwortlichen von Amazon Games, Embark Studios und Denuvo auf der Game Developers Conference 2026.
Besonders interessant waren die Einblicke von Tom van Dijck von Embark Studios(öffnet im neuen Fenster), das hinter dem Extraction-Shooter Arc Raiders steckt. Für die Entwickler sei Anti-Cheat zunächst fast Neuland gewesen.
Am Anfang habe man schlicht beobachtet, "was gerade passiert", Cheats selbst heruntergeladen und ausprobiert, um ihre Spuren im Spiel zu verstehen. Erst danach entstand Schritt für Schritt ein strukturiertes Anti-Cheat-Team.
Heute geht der Kampf längst über klassische Aimbots hinaus. Moderne Cheats nutzen zunehmend KI-basierte Pixel-Bots, die einfach das Bild auf dem Bildschirm analysieren und automatisch zielen – ohne in den Spielcode einzugreifen.
Dazu kommen sogenannte DMA-Geräte, kleine Hardwaremodule, die auf den Arbeitsspeicher zugreifen können. Damit lassen sich Schutzmechanismen umgehen, selbst wenn sie tief im Betriebssystem verankert sind.
Der klassische Kernel-Treiber – lange das wichtigste Werkzeug vieler Anti-Cheat-Systeme – ist nur noch ein Teil der Lösung. Laut Embark deckt er inzwischen nur etwa ein Drittel der erkannten Fälle ab.
Der Rest der Betrüger werde über Telemetriedaten entdeckt: ungewöhnliche Bewegungsmuster, verdächtige Trefferquoten oder Eingaben, die eher wie automatisierte Skripte als wie menschliches Spielverhalten wirken. "Die Daten aus dem Spiel selbst sind absolut entscheidend", erklärte van Dijck.
Das Problem mit den falschen Alarmen
Dabei zeigt sich, wie stark sich der Kampf gegen Cheats professionalisiert hat. Amazon Games etwa kombiniert mehrere Datenquellen: Client-Telemetrie vom Spielergerät, Analysen auf den Spielservern sowie Verhaltensmuster der Accounts.
Erst wenn mehrere dieser Signale gleichzeitig auffällig werden, greift das System automatisch ein. So sollen False Alarms möglichst vermieden werden.
Falsche Strafen sind ein enormes Risiko. Anti-Cheat-Technologien haben in der Community ohnehin oft einen schwierigen Ruf, etwa wegen Kernel-Treibern oder Datenschutzbedenken.
"Jeder False Positive schadet nicht nur dem betroffenen Spieler, sondern auch der öffentlichen Wahrnehmung von Anti-Cheat insgesamt", erklärte Denuvo-Manager Andreas Ullmann.
Gleichzeitig arbeiten die Systeme längst im industriellen Maßstab. Amazon spricht von mehr als 100 Millionen ausgesprochenen Bans über mehrere Onlinespiele hinweg – eine Größenordnung, bei der manuelle Moderation praktisch unmöglich wäre. Automatisierte Systeme und Moderationswerkzeuge sind deshalb unverzichtbar geworden.
Besonders kompliziert wird der Kampf gegen organisierte Bot-Netzwerke. In vielen Online-Rollenspielen automatisieren sie etwa das Sammeln von Rohstoffen, um diese später über externe Webseiten gegen echtes Geld zu verkaufen.
Ein Trick der Entwickler ist deshalb, Handelsfunktionen oder Auktionshäuser erst nach vielen Spielstunden freizuschalten. Bis dahin können Anti-Cheat-Systeme ausreichend Daten sammeln, um verdächtige Accounts zu erkennen.
Trotz aller Technik glauben die Experten nicht, dass Cheats jemals vollständig verschwinden werden. Selbst perfekt geschützte Systeme lassen sich austricksen. Das eigentliche Ziel ist deshalb ein anderes: Cheats so schwierig, teuer und unattraktiv zu machen, dass sich das Geschäft langfristig nicht mehr lohnt.
"Es geht nicht darum, alles zu verhindern", sagte einer der Experten. "Es geht darum, die Kosten so hochzutreiben, dass niemand mehr damit Geld verdient." Für Spiele wie Arc Raiders bedeutet das einen permanenten Wettlauf. Entwickler und Cheater rüsten gleichermaßen auf: mit neuen Tricks, neuer Hardware und zunehmend auch mit KI.


