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Physikalische Detektivarbeit

Das erste Experiment wurde auf einer Waage in einer abgeschirmten Kiste durchgeführt, die den Einfluss magnetischer Felder von außen verhindert. Zusätzlich wurde die Kiste mit Steinwolle ausgekleidet, um zu starke Luftzirkulationen zu verhindern, die die Messungen verfälschen könnten. Tajmar sagt: "Mein größter Kritikpunkt [an der Nasa Studie] war, dass sie gerade dieses EM-Drive nur in eine Richtung getestet haben." So wurde der Schub des Triebwerks zunächst zweimal gemessen. Einmal zeigte das Triebwerk nach oben, einmal nach unten. Die Elektronik erzeugt einiges an Wärme und heizt die Luft in der Kiste auf. Die Kiste wirkt damit wie ein Heißluftballon und erzeugt einen kleinen Auftrieb, der bei der Messung berücksichtigt werden muss. Aber trotzdem konnte so ein Schub von etwa 100 Mikronewton gemessen werden.

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Als Nächstes sollte das Experiment in einer Vakuumkammer auf einer hochpräzisen Torsionswaage wiederholt werden, um jeden möglichen Einfluss von Luftströmungen, Ionisation und ähnlichen Effekten auszuschließen. In der Kammer wurde das Triebwerk rotierbar aufgebaut und über Flüssigmetallkontakte mit Strom versorgt. Eine Wirbelstrombremse mit einem Permanentmagneten sorgte dafür, dass keine hochfrequenten Schwingungen die Messung beeinflussen würden. Und auch im Vakuum lieferte das Triebwerk wieder ähnliche Ergebnisse, wie in der abgeschirmten Kiste in der Luft. Diesmal allerdings in Form von Drehmomenten, die den Aufbau nach rechts oder links rotieren ließen.

Dabei zeigte sich aber eine weitere mögliche Schwäche. Die Wirbelstrombremse hat ein eigenes Magnetfeld und je nach genauer Position der Kabel von der Stromversorgung veränderten sich auch die gemessenen Schubkräfte etwas. Jeder Stromleiter erzeugt ein eigenes Magnetfeld, sobald ein Strom hindurchfließt, und damit wirken auch magnetische Kräfte. Also musste die Messung nochmal wiederholt werden, diesmal mit einer Flüssigkeitsdämpfung ohne zusätzliches Magnetfeld.

Schub, wo kein Schub sein soll

Wieder zeigte sich das gleiche Verhalten - bis das Triebwerk testweise nach oben ausgerichtet wurde. Normalerweise wird ein Triebwerk auf der Torsionswaage so ausgerichtet, dass es die Waage bestmöglich nach links oder rechts drehen kann. Mit dem nach oben gerichteten Triebwerk sollte nichts zu messen sein. Ein guter Test für den gesamten Experimentalaufbau. Tatsächlich produzierte das nach oben gerichtete Triebwerk in dem Aufbau aber immer noch den gleichen Schub, wie wenn es nach links gerichtet war. "Da bin ich dann etwas vorsichtig geworden", sagt Tajmar.

So ein Ergebnis deutet auf ein Problem hin. Möglicherweise kam die Kraft gar nicht von dem Triebwerk, sondern von dem Aufbau. Die plausibelste Vermutung war, dass die gemessene Kraft durch die Interaktion der Magnetfelder der Stromleitung von außen zustande kam. Um diese Möglichkeit zu überprüfen, müsste das gesamte Experiment in einem geschlossenen System innerhalb der Vakuumkammer stattfinden, mit Strom von einer Batterie. In Dresden fehlten dazu nun aber die Zeit und die Mittel. Das Paper zu der Untersuchung sollte auf einer Konferenz vorgestellt werden und der Aufbau mit dem Magnetron aus der einfachen Mikrowelle war zu groß, zu schwer und brauchte zu viel Energie, um ihn batteriebetrieben in der Vakuumkammer aufzubauen. Im Gespräch sagt Tajmar: "Ich kann so nicht sagen: Ich bestätige das EM-Drive oder ich habe es widerlegt."

Aber eine Forschergruppe in China hat im Februar das dafür Nötige getan. Sobald das EM-Triebwerk seinen Strom nicht mehr aus einem Kabel von außen bezieht, erzeugt es keinen messbaren Schub mehr. Der Warp-Antrieb muss also leider noch warten.

In einem Pilotprojekt mit Narando vertonen wir in den kommenden Wochen zwei bis drei Golem.de-Artikel pro Woche. Die Texte werden nicht von Robotern, sondern von professionellen Sprechern vorgelesen. Über Feedback unserer Zuhörer freuen wir uns - im Forum oder an redaktion@golem.de.

 EM-Drive: Der Warp-Antrieb muss noch warten
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montis 07. Nov 2016

Das Paper zum EM-Drive das bald erscheinen soll ist ins Netz geleakt: https://drive...

Tobias Claren 05. Jul 2016

Läuft mit Schwerkraftantrieb: https://de.wikipedia.org/wiki/Kuckucksuhr https://de...

Tobias Claren 05. Jul 2016

Weil es interessanter wird? Wenn die Voyager die 70.000 Lichtjahre statt in maximal...

kazhar 02. Jul 2016

Ich finde, es ist gut und richtig, Ergebnisse zu Veröffentlichen, die auf den ersten und...

Frank... 01. Jul 2016

Nochmal versuchen und abwarten. Bei mir hat es jedesmal einige Minuten gebraucht, bis da...


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