EM-Drive: Der Mikrowellenantrieb bleibt fragwürdig
Das EM-Triebwerk (EM-Drive) soll im Weltraum Schub ohne Treibstoff liefern. Bisherige Untersuchungen des von Roger Shawyer erfundenen Triebwerks lieferten aber noch keinen überzeugenden Nachweis, dass es funktioniert. Deshalb baute eine kleine Forschergruppe der Nasa einen Teststand mit einem EM-Triebwerk auf. Die Advanced Propulsion Physics Research(öffnet im neuen Fenster) oder auch "Eagleworks" genannte Gruppe hat Zugang zu einer Vakuumkammer und ist spezialisiert auf Untersuchungen von noch nicht nachgewiesenen physikalischen Phänomenen für Weltraumantriebe.
Das EM-Triebwerk soll ohne Treibstoffverbrauch Kraft durch einen Mikrowellenresonator erzeugen. In der veröffentlichten Arbeit(öffnet im neuen Fenster) gelang es der Forschergruppe tatsächlich, mit ihrem Testaufbau im Vakuum eine Kraft zu messen, die mit dem Leistungsverbrauch anstieg. Dabei wurden Mikrowellen mit einer Leistung von 40, 60 und 80 Watt erzeugt. Die dabei gemessenen Kräfte lagen zwischen 30 und 130 Mikronewton.
Messwerte streuen stark
Die gemessenen Kräfte streuen allerdings auch bei gleichbleibender Leistung sehr stark. Die gemessenen Kräfte mit 60 Watt Mikrowellenleistung liegen zwischen 40 und 130 Mikronewton, bei einer Messungenauigkeit der Kraftmessung von nur 2,2 Mikronewton. Der Mittelwert dieser Kräfte ist bei 60 Watt Leistung genauso groß, wie der Mittelwert der Messungen mit 80 Watt Leistung. Erst durch lineare Regression konnten die Forscher in der Auswertung eine Kraft von 1,2 Millinewton pro Kilowatt Leistung ermitteln.
Nicolas Wöhrl, der selbst Experimentalphysiker und Teil des Wissenschaftspodcasts Methodisch Inkorrekt(öffnet im neuen Fenster) ist, schätzt das Paper so ein: "Was halte ich also davon? Es wurde sauber gearbeitet. Ich würde zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht mein Geld darauf verwetten, dass das EM-Drive der neue Antrieb ist für die Raumsonden von Morgen. Der gemessene Schub ist klein und die Autoren selbst führen 9 mögliche Gründe auf, die zu fehlerhaften Messungen hätten führen können. Weitere Messungen sind nötig."
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