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Nicht nur Halbleiterfertiger skalieren nicht beliebig schnell

Musks Projekt wird allein dadurch ausgebremst, dass die Maschinenbauer ASML, Lam Research, Tokyo Electron und weitere ihre Produktion nicht einmal schnell vervielfachen können. Gleiches etwa bei den Produzenten der Silizium-Wafer – die wiederum auf Lieferanten entsprechender Maschinen und Rohstoffe angewiesen sind. Elon Musk scheint stets vom Ende zu denken und dabei die komplexeste Lieferkette der Welt zu übersehen.

Selbst, wenn die Fab eingerichtet sein sollte, fehlt noch immer das Know-how für Halbleiterfertigung in zwei sehr verschiedenen Disziplinen. Auch Advanced Packaging und Maskenfertigung sind wesentlich komplexer, als sie auf den ersten Blick wirken mögen.

In der Fertigung werden nicht nur dutzende Materialien verwendet – allein Kontaktierungen und Leiter bestehen aus mehreren Schichten; die Prozesse, in denen sie verarbeitet werden, haben viele Parameter. Und ein Fehler in einem Schritt kann den gesamten Prozess ruinieren.

Das von Null aufbauen zu wollen, ist einfach zum Scheitern verurteilt – denn beliebig erhöhen lässt sich die Iterationsgeschwindigkeit nicht. Viele Analysen sind kleinteilige Arbeit mit dem Elektronenmikroskop. Vielleicht will Musk aber auch den Weg gehen, der bei KI verfolgt wird.

Halbleiterfertigung ist weder KI noch Rakete

Möglicherweise ist Musks Vorstellung, dieses Wissen einfach einkaufen zu können. Bei KI überbieten sich die großen Entwickler ja auch mit lukrativen Angeboten, um die klügsten Köpfe anzuziehen. Im Halbleiterbereich scheitert dies aber daran, dass die Verträge erfahrener Mitarbeiter nach ihrem Ausstieg erst einmal die Tätigkeit für einen Konkurrenten untersagen, bei TSMC etwa für üblicherweise 18 Monate.

Damit versuchen die Fertiger, ihr Prozesswissen, den Hauptwert der Unternehmen, zu schützen. Nach zwei aufsehenerregenden Fällen bei TSMC von Industriespionage sowie einer ehemaligen Führungskraft, die Geschäftsgeheimnisse an Intel verraten haben soll , dürfte die Sensibilität noch einmal größer worden sein.

Zwar sind die groben Aufbauten moderner Halbleiter teils bekannt, es bleiben aber die vielen Prozessparameter. Zudem verfügt jeder Halbleiterhersteller über eine Vielzahl an Patenten. Auch durch diesen Dschungel muss sich ein neuer Hersteller bewegen. Das ist ein weiterer Grund, warum es ohne Partner kaum geht: Ein Partner bringt auch ein entsprechendes Patentportfolio mit.

Was kostet das alles?

Neben den technischen Problemen gibt es noch ein weiteres: Musks Vorstellung ist unglaublich teuer. Ein exaktes Preisschild lässt sich nicht an die Terafab kleben, es wären aber definitiv mehrere Hundert Milliarden US-Dollar.

Das ist allerdings das kleinere Problem – wenn es einen gesellschaftlichen Konsens gäbe, wäre ein solches Projekt durchaus umsetzbar. Der Ökonom John Maynard Keynes sagte einst: "Alles, was wir tatsächlich zustande bringen, können wir uns leisten" . Fraglich nur, ob es die gibt, denn Musks Vorstellungen würden das irdische Ökosystem immens belasten. Für Musk spielt das keine Rolle, er sieht die Zukunft der Menschheit schließlich im All.


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