Elon Musk vs. Ryanair: König Elon XIV. und der irische Rüpelkrieg

Fans von Trash-TV haben sich vermutlich anlässlich des aktuellen Streits zwischen Elon Musk und Michael O'Leary bereits mit Popcorn eingedeckt. Zwei reiche Menschen werfen sich gegenseitig an den Kopf, Dummköpfe zu sein und von Luftfahrt keine Ahnung zu haben. Es könnte so lustig sein, wenn nicht einer von ihnen einmal mehr seine autoritäre Seite heraushängen lassen würde. Musk überlegt auf seiner Plattform X laut, das von O'Leary geleitete Unternehmen Ryanair einfach zu kaufen und den CEO rauszuschmeißen(öffnet im neuen Fenster) .
Musks Fans finden das auf X selbstverständlich extrem witzig. Ich hingegen finde es extrem problematisch, wenn ein Mensch so viel Macht hat, überhaupt darüber nachdenken zu können, mal eben ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von fast 36 Milliarden US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) zu kaufen, um dem CEO eins auszuwischen. Und wenn der dann mit dieser Macht auch noch kokettiert, dafür Beifall bekommt und man anhand seines bisherigen Verhaltens davon ausgehen muss, dass er das auch in die Tat umsetzt.
Klar, ganz so einfach ist das alles nicht: Eine Umfrage auf X ist schnell gestartet, die Übernahme eines Unternehmens ein langwieriger Prozess. Man könnte sich auch ansehen, ob es für Elon Musk überhaupt ökonomisch sinnvoll wäre, Ryanair zu kaufen. Oder ob die EU möglicherweise eine Übernahme aus kartellrechtlichen Gründen untersagen könnte. Der Fall zeigt aber für mich einmal mehr, wie bedenklich viel Macht einige Menschen aktuell haben.
Der König muss den Hofstaat bei Laune halten
Zumindest der finanzielle Aspekt spielt in meinen Augen überhaupt keine Rolle, wie die Übernahme von Twitter gezeigt hat. Es geht nicht vordergründig um wirtschaftliche Überlegungen, es geht in erster Linie um Ego und Machterhalt. Wenn jemand ihn anpöbelt, pöbelt Elon Musk zurück.
Mich erinnert die Situation bedenklich an feudale Strukturen: König Elon hat sich bei X seinen Hofstaat geschaffen, der jede seiner Äußerungen bejubelt und seine Weitsicht preist. Und wenn die Ehre des Königs gekränkt wird, erklärt er den Krieg. Das mag kurzfristig lustig sein, schadet langfristig aber den meisten Menschen. Denn Elon Musk und andere einflussreiche Personen entscheiden nach ihrer Interessenlage, nicht nach gesellschaftlichem Nutzen. Inwiefern das in den vergangenen Jahrzehnten der Fall war, lasse ich dahingestellt.
Entscheidungen auf Basis der Interessen weniger Personen gab es, wie gesagt, schon einmal. Und ja, Barockschlösser sind schick. Aber der Feudalismus endete, weil es den meisten Menschen damit eben nicht gut ging. Nicht anders ist das, wenn das Herrschaftsrecht qua Geburt durch das Herrschaftsrecht qua wirtschaftlichem Erfolg ersetzt wird – zumal oft zwischen beiden ein erheblicher Zusammenhang besteht.
Ja, Demokratie bringt vielleicht weder die schnellsten noch die besten Lösungen. Aber kein einzelner Mensch und auch keine kleine Gruppe ist so klug, dass er oder sie die perfekten Lösungen kennen würde. Denn was gut ist, hängt stark vom persönlichen Standpunkt ab.
Für effektive Altruisten mag es eine gute Idee sein, die Lebensgrundlage aller aktuell lebenden Menschen zu opfern – in der Hoffnung auf eine superschlaue KI, die dann ein Raumschiff entwirft, mit dem das All kolonisiert wird. Menschen in Memphis mit Asthma hingegen würde es teils schon reichen , wenn X.AI ihnen keine Gaskraftwerke vor die Tür stellt.
Ein Unternehmen ist etwas anderes als eine Gesellschaft
In meinen Augen stellt sich eine ganz einfache Frage: Sollte eine Person so viel wirtschaftliche und, über X, gesellschaftliche Macht haben wie Elon Musk? Allein sie ist wirklich relevant, und ich denke, Musk weiß das auch. Aus diesem Grund muss er in Auseinandersetzungen unbedingt Recht behalten. Sein Ego mag auch ein Grund sein, warum er nicht über O'Learys Aussage "Er ist ein Idiot – sehr reich, aber ein Idiot" hinwegsehen kann. Wichtiger ist aber, das selbst gezeichnete Bild des Visionärs, der klüger und weitsichtiger ist als andere Führungspersonen, aufrechtzuerhalten. Denn das hat ihm überhaupt erst seine Fans und seine Legitimation eingebracht hat.
Was seine Unternehmen anbetrifft, traf das teils zu: Elektroautos sind mittlerweile alltäglich und für wiederverwendbare, kommerzielle Raketen gibt es einen Markt, wenn auch teils selbst geschaffen. Musks gesellschaftliche Vorstellungen allerdings finde ich höchst bedenklich.
Dass Musk die Macht hat, sich im Zweifel die Welt so zu kaufen, wie sie ihm gefällt, sollte nicht so sein – er weiß nicht besser als der Rest der Menschheit, was gut für sie ist. Das wusste auch Ludwig XIV. nicht. Und Musk ist dabei nur die Spitze des Eisbergs, da er die Öffentlichkeit sucht, während andere sich bedeckter halten.
IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)



