Elon Musk: Twitter verkauft blauen Haken ohne Prüfung für 8 US-Dollar
Elon Musk hat kurz nach seiner Übernahme von Twitter das Verfahren zur Vergabe des Verifizierungshakens geändert. Dieser garantierte bisher die Echtheit der Profile etwa von Prominenten, Politikern oder Unternehmen: Der Haken neben dem Twitter-Namen wurde kostenlos, aber erst nach einer Prüfung gewährt. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass sich Betrüger nicht als bekannte Persönlichkeiten ausgeben.
Im Journalismusbereich wurde der Haken eingesetzt, um die Seriosität von Quellen und Journalisten einschätzen zu können. Künftig wird es den Haken für acht Dollar im Monat für Kunden des Abodienstes Twitter Blue geben, eine Verifizierung findet nicht mehr statt. Die Kontrollfunktion des Häkchens fällt damit weg: Jeder, der den monatlichen Betrag zahlt, bekommt den Haken. Er zeigt nur noch an, dass die jeweiligen Nutzer 8 Dollar zahlen.
Die neue Version der Twitter-App mit der dafür notwendigen technischen Basis wurde dem Unternehmen zufolge am 5. und 6. November 2022 in den wenigen Ländern verfügbar gemacht, in denen es bereits eine günstigere Version des Blue-Abos gab. Dazu gehören etwa die USA, Kanada und Australien. Wenn alles gut funktioniere und sobald die Übersetzungsarbeit erledigt sei, werde das System weltweit eingeführt, hieß es.
Musk sorgt sich nicht um fehlende Verifizierung
Musk trat Sorgen entgegen, die Verifizierung per Abo könne die Tür für Missbrauch öffnen, da die bisherige Überprüfung durch Twitter entfallen soll. Das vorherige System habe auch Lücken gehabt, behauptete Musk – und zeigte sich überzeugt, dass man auf Basis der Bezahlsysteme zur Überweisung der Abogebühr und der App-Plattformen von Apple und Google die Accounts viel besser verifizieren könne. Sollten Betrüger versuchen, sich als andere auszugeben, werde ihr Account gesperrt.
Das Erlöspotenzial des Aboangebots ist unterdessen unklar. Nach jüngsten Angaben von Ende Juni 2022 hatte Twitter knapp 238 Millionen täglich aktive Nutzer. Auf dieser Basis wären das zusätzliche rund 1,9 Milliarden US-Dollar im Monat, wenn jeder von ihnen für die Verifizierung zahlen würde – was völlig unrealistisch ist. Twitter machte im zweiten Quartal 2022 mit seinem bisherigen Geschäft knapp 1,2 Milliarden US-Dollar Umsatz. Nach der Übernahme durch Musk muss das Unternehmen keine Geschäftszahlen mehr veröffentlichen.
Musk machte weiterhin keine Angaben zum Ausmaß des am 4. November 2022 eingeleiteten großen Stellenabbaus. Aber ein Tweet des unter anderem für das Herausfiltern problematischer Inhalte zuständigen Managers Yoel Roth(öffnet im neuen Fenster) stand im Einklang mit Medienberichten, wonach etwa jeder zweite Job wegfallen solle. In seinem Bereich seien rund 15 Prozent betroffen, während der Anteil firmenweit bei rund 50 Prozent liege, schrieb Roth.
Entlassene Mitarbeiter sollen Rückkehrangebote bekommen haben
Bei Twitter sollen etwa 3.700 Jobs gestrichen werden , was in etwa der Hälfte der Belegschaft entspräche. Der in puncto Onlinenetzwerke gut vernetzte Tech-Journalist Casey Newton schrieb jedoch(öffnet im neuen Fenster) , er habe von Mitarbeitern gehört, die am 4. November 2022 entlassen worden seien und am direkt folgenden Wochenende Rückkehrangebote bekommen hätten.
Musk verteidigte den breiten Stellenabbau. Twitter mache mehr als vier Millionen US-Dollar Verlust pro Tag und deshalb habe es keine Alternative gegeben, schrieb er(öffnet im neuen Fenster) . Musk ging nicht darauf ein, welche Rolle bei dem Verlust die Bedienung von Schulden spielen könnte, die er für die rund 44 Milliarden US-Dollar teure Übernahme aufgenommen hatte. Dagegen betonte er, dass den entlassenen Mitarbeitern drei Monatsgehälter angeboten würden – eines mehr, als in Kalifornien gesetzlich verpflichtend ist.
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