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Elon Musk: Die Tesla-Blase

Tesla hat lange Investoren und Autofans begeistert, gilt als innovativ und cool. Doch die Verluste werden immer größer und Gründer Elon Musk immer nervöser.
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Tesla-Chef Elon Musk: keine kritische Frage zu Teslas Finanzbedarf (Bild: Joe Skipper/Reuters)
Tesla-Chef Elon Musk: keine kritische Frage zu Teslas Finanzbedarf Bild: Joe Skipper/Reuters

Die Zeiten waren schon besser für Tesla und seinen Chef Elon Musk. Noch vor zwei Jahren galten seine Luxuswagen im Sportwagendesign als der Inbegriff moderner Elektromobilität. Wer an E-Autos dachte, dachte an Tesla. Und mit geschickter PR gelang es Musk, den Eindruck zu erwecken, sein Unternehmen sei beim E-Antrieb und dem autonomen Fahren den traditionellen Autobauern weit voraus. Als er 2016 seine Mittelklasselimousine Model 3 präsentierte, bildeten sich vor den Tesla-Filialen sogar Warteschlangen von Fans, die auf die Warteliste wollten.

Doch seitdem mehren sich die Negativschlagzeilen. Es passierten spektakuläre Unfälle(öffnet im neuen Fenster) mit dem mindestens 70.000 Euro teuren Tesla Model S, dessen Fahrer allzu sehr auf den "Autopilot" genannten Fahrassistenten vertraut hatten. Die Serienfertigung des Model 3 macht Probleme(öffnet im neuen Fenster), mit der Tesla doch eigentlich den Massenmarkt erobern will. Musk muss 123.000 Wagen des Model S wegen einer möglichen Beeinträchtigung der Servolenkung zurückrufen lassen. Dazu kommen Berichte über schwere Verletzungen von Tesla-Arbeitern(öffnet im neuen Fenster) im Werk in Fremont. Und dann kritisiert auch noch das einflussreiche US-Verbrauchermagazin Consumer Reports das Model 3. Die Tester raten sogar wegen erheblicher Mängel vom Kauf ab.

Elon Musk wird nervös

Inzwischen ist Elon Musk dünnhäutig. Kürzlich schnitt der 46-Jährige in einer Telefonkonferenz(öffnet im neuen Fenster) einem Analysten das Wort ab, als der eine kritische Frage zum Finanzbedarf von Tesla stellte. "Langweilige Dummkopf-Fragen sind nicht cool", sagte Musk. "Nächster?"

Vergangene Woche teilte der Milliardär gegen die Medien aus, denen er "selbstgefällige Heuchelei" unterstellte. Die Journalisten würden der Klickzahlen wegen negativ über Tesla berichten. Ein Unfall in einem Tesla, bei dem sich jemand lediglich den Knöchel gebrochen habe, werde von den Medien auf die Titelseite gehievt. Zigtausende Verkehrstote seien dagegen kaum eine Schlagzeile wert, so beklagte sich Musk in einem Tweet(öffnet im neuen Fenster).

Tesla stellt Model 3 vor
Tesla stellt Model 3 vor (22:43)

Niemand traue mehr der Presse, "ihr habt eure Glaubwürdigkeit schon vor langer Zeit verloren", polterte Musk im Stil von US-Präsident Donald Trump. Er kündigte sogar an, eine Website namens Prawda (russisch: die Wahrheit) zur Bewertung des Wahrheitsgehalts von Artikeln aufzulegen. Prawda hieß einst das Propagandablatt der Kommunisten in der Sowjetunion.

Zur Wahrheit über Tesla gehört allerdings auch: Seit Jahren schreibt das Unternehmen große Verluste. Der wachsende Absatz der Nobelautos machte die Kosten der Produktion nie wett. Im Gegenteil, seit dem Anstieg der Verkäufe erhöhen sich die Verluste sogar. Musk verteidigt dies stets mit den nötigen Investitionen und dem Wachstumskurs seines Unternehmens.

Langes Warten auf das Model 3

An das Versprechen einer goldenen Zukunft für Tesla glaubten die Investoren trotzdem viele Jahre, das zeigt der Aktienkurs. Ab 2013, als das Geschäft mit dem Model S richtig losging, stieg der Kurs an der US-Technologiebörse Nasdaq an, von weniger als 50 Dollar je Anteilsschein auf mehr als 350 Dollar. Zeitweilig war die Firma an der Börse rund 63 Milliarden Dollar wert, mehr als Ford oder General Motors. Also mehr als Automarken, die ein Vielfaches an Fahrzeugen am Markt absetzen – und damit Gewinne machen.

Seit Sommer 2017 sind der Aktienkurs und somit der Börsenwert von Tesla aber wieder deutlich gesunken. Die anhaltenden Probleme bei der Fertigung des Model 3 schrecken Anleger ab. Zweifel wachsen, ob das Unternehmen im kommenden Jahr tatsächlich wie geplant in die Gewinnzone kommen wird, zumal schon die nächsten Projekte anstehen, die wieder hohe Entwicklungskosten mit sich bringen: das Model Y (ein weiteres SUV) sowie ein geplanter Elektrolaster. Analysten rechnen damit, dass der Aktienkurs weiter sinkt.

Darum fanden die Anleger und Analysten auch Elon Musks Aprilscherz nicht besonders lustig: Am 1. April twitterte er(öffnet im neuen Fenster), Tesla sei bankrott, "so bankrott, ihr glaubt es kaum". Zumal manche Investoren fürchten, dass Tesla bald wieder neues Geld brauchen könnte. Analyst David Tamberrino von Goldman Sachs schätzt etwa, dass Tesla bis 2020 bis zu zehn Milliarden Dollar neues Kapital benötigen wird(öffnet im neuen Fenster). Tesla hatte zuletzt erklärt, man müsse zumindest in diesem Jahr weder Eigenkapital noch neue Schulden aufnehmen. Sicherlich kommt ihm auch entgegen, dass potenzielle Model-3-Käufer eine Anzahlung leisten müssen, in Deutschland sind das 1.000 Euro. De facto erhält Tesla so ein millionenschweres, zinsloses Darlehen seiner Käufer weltweit.

In Europa ist das Model 3 nach wie vor nicht zu haben. Es ist noch nicht mal klar, wie viel es hier kosten wird. Und auch in den USA wächst die Kritik. Auch dort gibt es das Basismodell, das für vergleichsweise erschwingliche 35.000 Dollar angekündigt war, immer noch nicht zu kaufen. Die aktuell erhältlichen Versionen des Model 3 liegen bei mehr als 50.000 Dollar. Vor kurzem kündigte Musk auch noch eine neue Premiumversion für 78.000 Dollar an, die im Sommer kommen soll. Die Basisvariante dagegen, räumte Musk ein, sei bei den aktuellen Produktionskosten nicht machbar. Dann würde Tesla "Geld verlieren und sterben".

Die Produktion läuft zu langsam

Das liegt auch daran, dass die Fertigung dem Zeitplan um Monate hinterherhinkt. Laut Bloomberg werden derzeit rund 2.900 Model 3 pro Woche gefertigt. Eigentlich wollte Tesla schon Ende 2017 ein Fertigungstempo von 5.000 Stück pro Woche erreicht haben.

Wann die Basisversion kommt? Weiter unklar. Musk sprach vage von frühestens in drei bis sechs Monaten. Das wird Tausende Amerikaner verärgern, die für ihre Reservierung jeweils 1.000 Dollar angezahlt haben – und bis heute auf ihren Wagen warten. Und je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird es für Tesla, im Massenmarkt mit E-Autos Marktführer zu werden, denn auch viele etablierte Hersteller planen relativ günstige Elektroautos. Dabei war das genau die Hoffnung der Investoren: Tesla schafft mit dem Model 3 den Sprung aus der Luxusnische in den Massenmarkt. Mit seinen jüngsten Äußerungen hat Elon Musk weiter Zweifel daran gesät.


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