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Elon Musk: Der fast perfekte (Film-) Bösewicht

Nerdiger Startup-Entrepreneur war Elon Musk gestern. Heute ist er ein Hollywood-affiner Mega-Multi-Unternehmer mit Privatjet und Social-Media-Plattform. Bis zum Schurken sind es nur noch wenige Schritte.
Aktualisiert am , veröffentlicht am / Dirk Kunde
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Ein Mann, der Großes vorhat (Bild: Suzanne Cordeiro / AFP via Getty Images)
Ein Mann, der Großes vorhat Bild: Suzanne Cordeiro / AFP via Getty Images

Kann jemand mit so viel Humor ein Schurke sein? Da läuft Elon Musk diese Woche mit einem Waschbecken in den Händen in die Twitter-Zentrale in San Francisco. Der Multi-Unternehmer nimmt sich für einen gespielten Wortwitz Zeit. Das Waschbecken ( sink ) steht für den Spruch: "Let it sink in" . Das kann man so übersetzen: Jetzt schluckt, dass ich Euer Chef bin! Seine erste Amtshandlung sind Entlassungen. Laut Reuters(öffnet im neuen Fenster) werden Firmenchef Parag Agrawal und Finanzchef Ned Segal von Sicherheitspersonal aus der Zentrale geführt. Justiziarin Vijaya Gadde, auch verantwortlich für die Eindämmung von Hassbotschaften, wurde ebenfalls gefeuert. Schon vor der Twitter-Übernahme hatte er angekündigt , 75 Prozent der 7.500 Mitarbeiter zu entlassen.

Mich erinnert das an Elliot Carver. Der Medien-Mogul ist der Schurke im James Bond-Film Der Morgen stirbt nie. 1997 musste noch ein Zeitungsverleger herhalten, um globale Meinungsmacht darzustellen. 25 Jahre später ist der Kurznachrichtendienst Twitter mit seinen rund 238 Millionen täglichen Nutzern die bessere Wahl. Sämtliche Social-Media-Angebote entziehen sich bislang staatlicher Regulierung, was Hassreden angeht. Das Argument der freien Meinungsäußerung muss stets herhalten. Dabei wissen wir längst, dass diese Kanäle beim Brexit, während der Coronapandemie als auch im aktuellen Ukrainekonflikt eine unsägliche Rolle spielen. Wer soll künftig Elon Musk und seinen Umgang mit Twitter kontrollieren

Dass Elon Musk eigentlich ein guter Mensch mit lobenswerten Zielen ist, steht außer Frage. Zumindest wenn man seine Fans fragt. Der gebürtige Südafrikaner schart viele treue Anhänger um sich, die ihm wie einem Messias huldigen. Doch inzwischen hat der Unternehmer eine bunte Mischung an Firmen etabliert, die sich auch für böse Zwecke nutzen lassen.

Die Parallelen zu bekannten Filmvorbildern sind so offensichtlich, dass auch Musk sie sehen müsste, schließlich hat er ein Faible für die Traumfabrik. Teile von Iron Man wurden in SpaceX-Hallen gedreht, er absolvierte Kurzauftritte in Iron Man 2 und The Big Bang Theory, es gibt Pläne für ein Tesla-Autokino(öffnet im neuen Fenster) in Hollywood. Musk besitzt den Lotus Esprit, der in James Bond 007 – Der Spion, der mich liebte im Meer abtauchte. Der Unternehmer war zweimal mit der britischen Schauspielerin Talulah Riley verheiratet und hatte kurzzeitig eine Beziehung mit Johnny Depps Ex, der Schauspielerin Amber Heard.

Erde zerstört. Auf zum Mars!

Aber genügt ein Faible für Filme und Schauspielerinnen für meine gewagte Vorhersage? Nein – seine Pläne für die Besiedlung des Mars schon eher. Wer will auf dem Roten Planeten mit gerade einmal 0,146 Prozent Sauerstoff in der Atmosphäre leben? Peter Fox bringt es in seinem Song Zukunft Pink auf den Punkt: " Elon Musk, fick dein Marsprojekt. Scheißkalt und arschweit weg. " Da will doch nur jemand hin, der die Erde in einem unbewohnbaren Zustand hinterlassen hat.

Genau das ist der rote Faden der James-Bond-Reihe: Immer geht es um Weltherrschaft und Zerstörung. In Der Spion, der mich liebte will Bösewicht Stromberg einen Atomkrieg provozieren und eine neue Zivilisation auf dem Meeresboden begründen. In Moonraker verschwindet ein Raumgleiter von Drax Industries. Die Parallelen zu Space X liegen auf der Hand.

Aktionärsversammlung und Battery Day – Tesla
Aktionärsversammlung und Battery Day – Tesla (3:18:08)

In Goldeneye geht es um die Satelliten Petya und Mischa. Sie tragen Raketen, die mit Hilfe elektromagnetischer Impulse die Finanzmetropole London lahmlegen sollen. Was sind schon zwei große Satelliten, wenn man 12.000 kleine in einem erdnahen Orbit kreisen lassen kann? Soll Starlink wirklich nur für schnellere Internetverbindungen auf der Erde sorgen? Der Einfluss des Satellitennetzwerks ist im aktuellen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine nicht zu unterschätzen.

Aber es geht noch weiter: Um Bitcoin-Kurse zu manipulieren, könnte Musk wie Zorin Industries in Im Angesicht des Todes das Silicon Valley überfluten. Oder durch eine Nuklearexplosion den Ölpreis in die Höhe treiben – wie in Die Welt ist nicht genug.

Strange Days und Total Recall lassen grüßen

Natürlich hat noch niemand die einzelnen Punkte zu einem Gesamtbild verbunden. Wer es entdeckt, lernt Neuralink kennen. Mit diesem Musk-Unternehmen lässt sich das menschliche Gehirn manipulieren. Die Idee könnte direkt aus einem Actionfilm stammen. Strange Days und Total Recall lassen grüßen.

Neuralink schafft die Verbindung zwischen Gehirn und Computer. Werden Menschen so zu Robotern? Mit der künstlichen Intelligenz aus den E-Autos arbeitet Musk bereits am Tesla-Bot. Beim ersten Auftritt wirkte der Optimus Prototyp noch etwas ungelenk. Doch wer I, Robot gesehen hat, weiß, wo das enden kann.

Bei Mad-Max-Dreharbeiten übrig geblieben

In Musks bislang geheimen Schurken-Masterplan gibt es natürlich auch Rückschläge. Ich vermute, Hyperloop ist dafür ein Beispiel. Für die Magnetschwebebahn, die durch fast luftleere Röhren schießt, gibt es für Musk keine Verwendung. Also gab er die Idee frei.

Übrig bleibt ein Studentenwettbewerb am Rande des SpaceX-Geländes in L.A. Hier wetteifern die schlauesten Studenten der Welt um den schnellsten Hyperloop in einer Versuchsröhre. Doch um Zeiten geht es Musk nicht. Für ihn ist es ein Talentwettbewerb um den besten Ingenieursnachwuchs für seine eigentlichen Pläne. Jeder Schurke braucht ein Heer an Helfern.

Für die Logistik seiner Pläne nutzt er sowohl seine Modelle S3XY, den Sattelschlepper Semi als auch den Cybertruck, der übrigens aussieht, als sei er von Mad-Max-Dreharbeiten übriggeblieben. Die Zugmaschine Semi kann man für jegliche Schurkerei einsetzen.

Und falls es mal über der Erde nicht weitergeht, nutzt Musk seine unterirdischen Bohrer. Wer denkt bei dem Tunnelbohrunternehmen Boring Company nicht direkt an Stirb langsam: Jetzt erst recht? Da werden große Mengen Goldbarren zunächst geraubt und dann durch Tunnel abtransportiert.

Aber: Musk ein Bankräuber? Das wäre viel zu schnöde für den reichsten Mann der Welt. Er hat sicher andere Pläne, auch wenn noch niemand weiß, was er mit seinen diversen Unternehmen plant. Sicher ist nur eines: Es muss schnell gehen. Der Mann hat keine Geduld. Seine Hire-and-Fire-Mentalität bei Mitarbeitern ist legendär und wird bei Twitter gerade unter Beweis gestellt.

Meinung manipulieren

Natürlich soll niemand merken, dass er ein Schurke ist. Dazu muss man öffentliche Meinung steuern und wir sind wieder bei Twitter. Sein ursprüngliches Argument, den Kurznachrichtendienst zu übernehmen, um die freie Meinungsäußerung zu stärken, ist so aufrichtig wie manches Steuersenkungsversprechen eines Politikers vor der Wahl. Ein Blick in Richtung Tesla genügt: Musk hat seine Pressestelle als Ansprechpartner für Journalisten dichtgemacht. Pressemitteilungen gibt es nur, wenn mal zwei neue Autofarben eingeführt werden. Zur großen und wichtigen Fabrikeröffnung in Brandenburg wurden längst nicht alle Redaktionen und Youtuber zugelassen.

Musk kann machen, was er will. An freier Meinungsäußerung ist er ganz bestimmt nicht interessiert. Er hat andere Pläne mit seinem Unternehmens-Portfolio. Um selber den Überblick zu behalten und alles unter einem Dach zu bündeln, ließ er im Firmenregister von Delaware die X Holding I bis III eintragen.

Klar, Musk ist ein X-Man. Es bleibt eben nur die Frage: ein guter oder ein böser?

Nachtrag vom 28. Oktober 2022, 11:32 Uhr

Nach dem Kauf von Twitter durch Elon Musk haben wir den Artikel aktualisiert.


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