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Elgato Wave DX und XLR: Streamer-Sound für die Videokonferenz

Seit der Pandemie verbringen wir viel Zeit in Internetanrufen. Elgatos Streamer-Equipment findet so auch im Homeoffice Anwendung.
/ Daniel Ziegener
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Ohne Stativ muss man einen Mikrofonständer improvisieren. (Bild: Daniel Ziegener/Golem.de)
Ohne Stativ muss man einen Mikrofonständer improvisieren. Bild: Daniel Ziegener/Golem.de

"Könnt ihr mich verstehen?" – mit dieser Frage beginnt wohl fast jede Videokonferenz. Leider bezieht sich die Verständnisfrage meistens nur auf die Verbindungs- und nicht die Tonqualität. Selbst wenn die Antwort "ja" lautet, klingen viele in Laptops verbaute Mikrofone und günstige Bluetooth-Headsets eher nach Dosentelefon.

Dabei bietet der Markt für Audioausstattung mittlerweile genug Abhilfe. Elgato spezialisiert sich auf Zubehör für Livestreamer. Ihre Kombination aus einfach zu bedienendem Audiointerface und dynamischem Mikrofon verspricht trotz einfacher Bedienung einen professionellen Sound.

Ein Update der Audioausstattung im Büro oder Homeoffice könnte sich lohnen: Laut Bitkom(öffnet im neuen Fenster) lag die durchschnittliche Zahl der Videocalls 2021 bei acht Anrufen am Tag. Bei solchen Statistiken werden Büroangestellte ohnehin fast zu Streamern. Unser Test von Elgatos Wave XLR(öffnet im neuen Fenster) und Wave DX(öffnet im neuen Fenster) zeigt, ob sie auch im Homeoffice praktikabel sind.

XLR-Interface für den Schreibtisch

Im Gegensatz zu USB-Mikrofonen benötigen analoge Mikrofone mit XLR-Stecker eine separate Soundkarte wie das Wave XLR, um das Signal für den PC zu digitalisieren. Mit einem Preis von 169,99 Euro begibt sich Elgato in eine Klasse mit den professionellen Geräten von Focusrite, Steinberg oder Zoom.

Von der Bauform erinnert das Wave XLR weniger an diese Konkurrenz, sondern an Elgatos eigene Stream Decks(öffnet im neuen Fenster) . Mit kompakter Baugröße und angeschrägter Form ist es im Gegensatz zu vielen konventionelleren Audiointerfaces für den Einsatz auf dem Schreibtisch gemacht. Die schwarze Box misst 117 x 92 mm und ist 75 mm hoch.

Auf der Rückseite befinden sich die beiden analogen Audiokanäle: ein XLR-Stecker (leider keine Klinken-Kombibuchse) für ein Mikrofon und ein 3,5-mm-Klinkenausgang für Kopfhörer. Ein echter Luxus im Audiosegment ist der USB-C-Stecker. Gerade Hersteller günstiger Geräte verbauen weiterhin klobige USB-B- oder veraltete Micro-USB-Stecker.

Unsichtbarer Button als beste Funktion

Auf der Vorderseite befindet sich als einziges Bedienelement ein großer Drehregler, der an eine Stereoanlage erinnert. Im Gegensatz dazu bewegt er sich deutlich leichtgängiger und lässt sich sogar mit einer Fingerspitze schnell komplett drehen. Damit lässt sich der Pegel auch während eines Anrufs leicht justieren.

Ein Ring aus hellen weißen LED-Leuchten (deren Farbe sich in der Software Wavelink nach Belieben anpassen lässt) zeigt dazu den aktuellen Pegel an. Gleichzeitig fungiert der Regler als Knopf. So lassen sich mit ihm die Eingangslautstärke des Mikrofons, die Ausgabelautstärke des PC-Sounds auf dem Kopfhörer und das Verhältnis zwischen beidem regeln.

Das nützlichste Feature aber ist der unscheinbare Touch-Button auf der Oberseite des Wave XLR. Ein sanfter Klaps auf das Gehäuse schaltet das Mikrofon stumm und signalisiert das mit roten LEDs. Besonders für Multitasker, die neben dem Teams- oder Zoom-Call noch am Protokoll-Dokument oder einer Präsentation arbeiten, ist so ein Hardwareschalter praktischer, als den Mute-Button in der jeweiligen App zu klicken.

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Elgatos erstes analoges Mikrofon

Ohne Mikrofon bringt das aber noch nicht viel. Passend zum Interface bietet Elgato nun auch ein dynamisches Mikrofon mit XLR-Stecker an. Das Wave DX liegt preislich mit 119,99 Euro zwischen Elgatos beiden USB-Mikrofonen Wave 1(öffnet im neuen Fenster) und Wave 3(öffnet im neuen Fenster) , die keine separate Soundkarte benötigen, sondern sich direkt mit Mac oder PC verbinden lassen.

Das massive Metallgehäuse hat ein Gewicht von 440 Gramm und erweckt den Eindruck, als würde es beim Sturz vom Schreibtisch eher eine Delle im Boden hinterlassen, als selbst Schaden zu nehmen. Das schlichte schwarze Gehäuse mit abgerundeten Ecken wirkt modern, das Elgato-Logo drängt sich dafür in Videoanrufen ins Bild.

Das Wave DX verfügt über eine Nierencharakteristik. Das heißt, die Stimme wird vor allem frontal aufgenommen. Geräusche auf der Rückseite werden kaum wahrgenommen, was für die Kollegen nerviges Tastaturklappern ausreichend herausfiltert. Beim Abfangen von Plosivlauten(öffnet im neuen Fenster) – unangenehm lauten Konsonanten wie dem "P" – schlägt sich der eingebaute Popschutzfilter des Wave DX im Test sehr gut.

Dünner Sound trotz Killerfeature

Angesichts des guten Eindrucks in Verarbeitung und Spezifikationen enttäuscht der Klang. Stimmen sind zwar klar verständlich, klingen aber etwas nasal und dünn. Für eine Videokonferenz ist das aber mehr als ausreichend und eine klare Verbesserung zu so manchem Headset.

Für höhere Ansprüche, etwa die Aufnahme eines Podcasts oder Webinars, ist das Wave DX mit seinem Klangbild eher ungeeignet. Hier fehlt der warme Sprachklang, den Hörer mittlerweile von professionellen Produktionen mit dem (vielfach teureren) Branchenstandard Shure SM7B gewöhnt sind.

Ein echtes Killerfeature hat das Wave DX dann aber doch – und zwar ein Feature zum Killen von nervigen Übersteuerungen. Unter dem Namen Clipguard überwacht das Wave DX den Pegel des Eingangssignals. Clipt das Signal und würde so wegen einer zu hohen Lautstärke verzerrt, wechselt das Wave DX automatisch auf einen niedriger gepegelten Kanal. So verhindert es die Übersteuerung. Das funktioniert so schnell, dass der Wechsel fast unhörbar bleibt.

Automatische Erkennung und manuelles Feintuning

Clipguard funktioniert nur mit dem Wave DX. Ein paar Einstellungen für den guten Ton bietet das Wave XLR dafür universell an. Statt Möglichkeiten zum manuellen Feintuning gibt es pauschale Einstellungen für Low-Pass-Filter bei 80 und 120 Hertz.

Das dritte Teil von Elgatos Audio-Gesamtpaket ist die Software namens Wavelink. Mit ihr lassen sich die Einstellungen der Wave-Geräte steuern. Außerdem dient Wavelink als virtuelles Mischpult, um mehrere Audioquellen am Desktop separat zu pegeln. Die Software lässt sich zwar kostenlos herunterladen, aber nur in Verbindung mit einem angeschlossenen Wave-Gerät nutzen.

Effekte und einen Equalizer bietet Wavelink von Haus aus nicht. Dafür lassen sich VST-Plugins laden. So kann der Sound des DX doch noch per Equalizer händisch angepasst oder es können weitere Frequenzbereiche gefiltert werden.

Mit Zubehör wird's schnell teuer

Das Wave XLR kostet 169,99 Euro, das Wave DX 119,99 Euro. Ein drei Meter langes XLR-Kabel(öffnet im neuen Fenster) bietet Elgato für happige 25 Euro an. Damit das Wave DX ordentlich vor dem Mund positioniert werden kann, braucht es noch einen Schwenkarm, der am Schreibtisch befestigt wird. Der kostet bei Elgato 99 Euro.

So kommt man schnell auf ein Gesamtpaket, das teurer ist als die meisten USB-Mikrofone. Wer nur gelegentlich an Videoanrufen teilnimmt, ist mit einem einfach auf- und abzubauenden USB-Mikrofon wie dem Elgato Wave 3 oder Rode NT-USB Mini besser bedient.

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Die Investition in ein dauerhaft auf dem Schreibtisch installiertes Setup lohnt sich bei täglichen Konferenzen dennoch. Elgatos eigene, exzellente Schwenkarme lassen sich bei Bedarf zur Seite schwingen, das kompakte Wave XLR nimmt ebenfalls nicht viel Platz auf dem Schreibtisch ein – und der professionelle Sound ist so in Sekunden einsatzbereit.

Fazit: Tolles Interface, mittelmäßiges Mikrofon

Das Wave XLR ist allein wegen der komfortablen Bedienelemente und des geringen Platzverbrauchs auf dem Schreibtisch eine gute Lösung für alle, die in Videokonferenzen, Podcasts, Streams oder Gaming-Sitzungen nicht nur einen professionellen Sound nutzen wollen, sondern auch ein simples Setup bevorzugen.

Das Beste daran: Dank XLR-Anschluss und 48-Volt-Phantomspeisung ist man bei der Wahl des Mikrofons frei. Man muss also nicht zwangsweise Elgatos eigenes Wave DX verwenden. Denn auch wenn die minimalistische Optik, grundsolide Verarbeitung und die Übersteuerungserkennung Clipguard überzeugen können, gibt es besser klingende dynamische Mikrofone auf dem Markt – etwa das gleich bepreiste Rode Podmic(öffnet im neuen Fenster) .

Ob der im Alltag unglaublich praktische Mute-Button oder Elgatos gut funktionierende Übersteuerungserkennung Clipguard den Preis am Ende rechtfertigen, hängt von den eigenen Bedürfnissen ab. So oder so lohnt sich ein Upgrade vom Billig-Headset auf ein fest auf dem Schreibtisch installiertes Setup für Vieltelefonierer. Den besseren Klang werden euch die Kollegen ganz bestimmt danken – wenn sie einen denn hören können.


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