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Böse Mails von Unbekannten

Ich bekam plötzlich Mails, die ich nicht bestellt hatte. Manche von ihnen waren ellenlang. Alle wiesen mir haarklein nach, dass E-Mobilität unmöglich wäre. Tödlich für den Planeten. Einige waren richtig unverschämt und beschimpften mich als Öko-Idioten, der sich eine "unnütze Technik als Prestige leistet". Per Post kam ein 100-seitiges Papier von einem Diplomingenieur Schultz aus München, das in langen Zahlenkolonnen nachwies, dass die Elektromobilität den Planeten vernichten werde und als Versuch der Chinesen zu werten sei, die deutsche Autoindustrie in den Ruin zu treiben. Ich solle, bitteschön, schriftlich und unverzüglich diese Wahrheit anerkennen!

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An den Superchargern standen hin und wieder Männer mit verschränkten Armen um mein Auto. Und stellten seltsam verdruckste Fragen mit aggressivem Unterton.

Wie lange stehen Sie denn eigentlich schon hier? Wie lange dauert denn sowas? Was verliert er denn bei kaltem Wetter an Reichweite?

Mittelfinger auf der Autobahn

Die Autos, aus denen sie in sicherer Entfernung ausgestiegen waren, lagen in der Preisklasse mindestens gleichauf. Sie hatten meistens vier fette Auspuffrohre. Ich finde Auspuffrohre, vor allem wenn sie wie riesige Aluminium-Bürzel aussehen, obszön. Sie haben etwas Provokatives und schrecklich Anales.

Auf der Autobahn, auf der ich auf meinen Vortragsreisen stets mit konstanten 125 km/h segelte, ganz entspannt Podcasts hörend, kam es immer wieder zu denselben Szenen: Ein großer SUV, meistens aus Ingolstadt oder mit Stern, nähert sich auf der Überholspur. Bremst kurz an. Schaut herüber. Ein Mann, allein, meist ein bisschen korpulent, beschleunigt-bremst-beschleunigt-bremst. Er will spielen. Rennen fahren. Will mir zeigen, wie schnell meine Batterie Strom verliert. Ich habe nicht das geringste Interesse, und Strom habe ich genug. Ich kippe den Sitz zurück.

Vrroooomm - der Benzin-Bolide zieht davon, kopfschüttelnd oder mit erhobenem Mittelfinger.

In den Zeitungen erschienen unendlich viele Anti-E-Auto-Artikel neunmalkluger Autojournalisten, die bisher immerzu "den seidenweichen, röhrend-satten Klang aus dem V8-Motor" besungen hatten. Und die nun Ladestationen nicht fanden oder Spaltmaße von E-Autos bemängelten. Auf den Podien zum Thema Mobilität saßen reihenweise jene spitzbärtigen Professoren, die der objektiven ökonomischen Meinung waren, dass alle Versuche eines neuen Antriebsstrangs nur naive grüne Ideologie seien. Das werde die Industrie ruinieren, die "unseren Wohlstand begründet". Der "kleine Mann" könne sich das sowieso nicht leisten. Wenn alle Lithiumvorräte der Erde "verbraucht" würden, dann werde es den Menschen in Bolivien etc. sehr schlecht gehen. Kobalt, das man für Batterien braucht, werde von "Kindersklaven" im Kongo aus dem Boden gekratzt. Und so weiter.

Das Irritierende an dieser Argumentation war, dass sie von Männern (immer Männern) kam, die sich normalerweise weder für den "kleinen Mann" noch den Zustand der Natur oder für die Menschen im Kongo interessierten.

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 Elektrophobie: Zukunftsverweigerung oder was ich als E-Autofahrer erlebteZynisch-abwertender Ton in den Medien 
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tovi 29. Okt 2020

Ich denke es werden weniger als 20% sein, da auf der anderen Seite viel an Energiebedarf...

tovi 29. Okt 2020

Warum halten alle Leute Wasserstoff für das Non-plus-ultra. Wasserstoff wird BEV nicht...

JackIsBlackV8 25. Sep 2020

Ja, da kann man von ausgehen. Trotzdem lässt sich dadurch nicht auf Fahrverhalten oder...

PanicMan 24. Sep 2020

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