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Elektronische Zeiterfassung: Viele Unternehmen kümmern sich erst spät um eine Lösung

Dass die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung kommt, ist lange klar. Doch viele Unternehmen reagieren erst nach dem jüngsten Urteil des BAG.

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Eine Sanduhr dürfte als Zeiterfassungssystem nicht ausreichen. (Bild: Milad Fakurian/Unsplash)

Der 14. Mai 2019 ist schon eine ganze Weile her. Die Folgen einer Entscheidung, die der Europäische Gerichtshof (EuGH) damals getroffen hat, werden aber erst in diesem Jahr ihre Wirkung entfalten. Der EuGH entschied damals, dass Arbeitgeber "ein objektives, verlässliches und zugängliches System" zur Erfassung der Arbeitszeit einrichten müssen. Die Umsetzung dieser Vorgabe in ein Gesetz liegt seitdem bei den EU-Mitgliedsstaaten - und ist auch in Deutschland umstritten.

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Der Lobbyverband der Digitalbranche Bitkom befürchtet eine unzeitgemäße digitale Stechuhr. Zuletzt verhinderte die FDP einen Vorstoß des Arbeitsministers Hubertus Heil, die elektronische Zeiterfassung verpflichtend zu machen. Ohne konkretes Gesetz war es auch für Unternehmen bisher entsprechend einfach, eine Umsetzung vor sich herzuschieben - was viele offenbar auch taten.

Im September 2022 erinnerte das Bundesarbeitsgericht (BAG) alle Beteiligten noch einmal daran, dass dem Beschluss des EuGH auch eine konkrete Umsetzung folgen muss. "Insbesondere seit dem BAG-Urteil werden gerade Unternehmen auf das Thema Zeiterfassung aufmerksam, die sich im Vorfeld noch nicht damit befasst haben oder keine Notwendigkeit dafür gesehen haben", erklärte ein Sprecher von Timebutler Golem.de. Timebutler bietet wie Papershift, Timetac und Personio Zeiterfassungsprodukte an. Das Unternehmen aus Eltville erlebte zuletzt ein erhöhtes Aufkommen an Kundenanfragen. Denn auch, wenn die Details des Gesetzes nach wie vor unklar sind, ist eines sicher: Eine verpflichtende Zeiterfassung wird kommen.

Seit dem BAG-Urteil ist die Nachfrage sprunghaft angestiegen

"Nach dem Urteil des EuGH vom Mai 2019 gab es nur ein leicht gestiegenes Interesse am Thema Zeiterfassung", sagte der Unternehmenssprecher. "Uns haben zwar mehr Anfragen als üblich erreicht, doch schon nach wenigen Wochen war das Interesse speziell an der Zeiterfassung wieder auf dem vorherigen Niveau."

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Ganz anders sei es nach dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus dem September 2022 gewesen. Danach sei es zu einem sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach Timebutlers Zeiterfassung gekommen, "sowohl von Bestandskunden, die bisher die Zeiterfassung noch nicht verwendet haben, als auch von Neukunden, die auf der Suche nach einer professionellen Zeiterfassungslösung sind".

Auch wenn schon seit dem EuGH-Urteil klar war, dass eine verpflichtende Zeiterfassung über kurz oder lang kommen wird, trug wohl erst das Urteil eines deutschen Gerichts die Dringlichkeit in die Unternehmen. War die Nachfrage bei Timebutler 2019 noch ein kurzer Trend, ist die Zahl der Anfragen nach der Urteilsbegründung des BAG nun "hingegen sehr stark und dauerhaft".

Deutsche Arbeitnehmer machen durchschnittlich 20 Überstunden im Jahr

Der Gedanke einer verpflichtenden Zeiterfassung - ob nun digital oder anderweitig - ist, Mehrarbeit zu vermeiden oder einen Ausgleich zu ermöglichen. "Die objektive und verlässliche Bestimmung der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit ist nämlich für die Feststellung, ob die wöchentliche Höchstarbeitszeit einschließlich der Überstunden sowie die täglichen und wöchentlichen Ruhezeiten eingehalten worden sind, unerlässlich", teilte der Gerichtshof mit.

Laut statistischem Bundesamt arbeiteten 12 Prozent der in Deutschland Angestellten im Jahr 2021 mehr als vertraglich vereinbart. 230.000 Einzelnutzer erfassen ihre Arbeitszeit in Timebutlers System und erlauben es dem Unternehmen, eigene Auswertungen vorzunehmen. Stand Mitte Dezember 2022 lag die durchschnittliche Anzahl ihrer Überstunden bei 20,11 Stunden pro Person. Das ist ein kleiner Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, in dem es noch 19,72 Stunden waren.

Laut Timebutler sind das niedrige Zahlen und "dürften wohl auf die Coronasituation und Kurzarbeit zurückzuführen sein", schätzt man bei Timebutler. Die Zahl der gemessenen Kurzarbeitszeit-Tage sei vom Jahr 2020 auf das Jahr 2021 um über 237 Prozent gestiegen, 2022 aber nur um 41 Prozent zurückgegangen.

Mehrarbeit zu messen und auszugleichen scheint durchaus nötig zu sein - auch in der IT-Branche. Nach einer Umfrage von Stackoverflow aus dem Jahr 2021 liegt der Anteil von Menschen mit psychischen Störungen unter ITlern mit 9,4 Prozent fast eineinhalb Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt (g+). Unternehmen appellieren häufig an die Eigenverantwortung der Angestellten, aber das scheint nicht genug zu sein: Laut einer Umfrage von 2020 gibt rund ein Viertel der befragten Programmierer an, an ein bis zwei Tagen in der Woche Mehrarbeit zu leisten.

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