Elektronische Patientenakte: Zu unsicher, um gehackt werden zu müssen

Von 2021 an soll jeder Kassenpatient auf Wunsch eine elektronische Patientenakte erhalten. Doch die Zugangssysteme sind nach Ansicht des CCC nicht so gut geschützt, wie Politik und Anbieter es versprechen.

Artikel veröffentlicht am ,
Fortschritt oder Datenschutz-Alptraum? Die elektronische Patientenakte
Fortschritt oder Datenschutz-Alptraum? Die elektronische Patientenakte (Bild: gematik/Screenshot: Golem.de)

Nach Ansicht des Chaos Computer Clubs (CCC) fehlt bei der geplanten elektronischen Patientenakte eine Grundvoraussetzung für den sicheren Umgang mit den digitalen Gesundheitsdaten. Weil die Identitäten von Ärzten oder Patienten bei der Beantragung von Zugangskarten bislang nicht ausreichend überprüft würden, hätten sich Sicherheitsforscher des CCC über die Identitäten Dritter Zugang zum sogenannten Telematik-Netzwerk des Gesundheitswesens verschaffen können. Die für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) gegründete Gematik GmbH wies nach Bekanntwerden des Berichts die Hersteller an, vorläufig keine Zugangskarten für Arztpraxen mehr herauszugeben.

Inhalt:
  1. Elektronische Patientenakte: Zu unsicher, um gehackt werden zu müssen
  2. Laxer Umgang mit Gesundheitskarten

Der CCC-Sicherheitsexperte Martin Tschirsich, der Arzt Christian Brodowski und der Experte für Identitätsmanagement, André Zilch, präsentierten auf dem 36. Chaos Communication Congress (36C3) in Leipzig die Ergebnisse ihrer Untersuchungen. Hintergrund ist die für Anfang 2021 geplante Einführung der elektronischen Patientenakte. Diese soll sämtliche elektronische Daten eines Patienten lebenslang online speichern und damit den Austausch dieser Daten zwischen Ärzten, Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen und -diensten erleichtern. Dabei soll der Patient die alleinige Kontrolle über die Daten besitzen und entscheiden, wer darauf zugreifen darf.

170.000 Arztpraxen sollen angeschlossen werden

Für den Schutz der Daten sind laut Zilch umfangreiche Spezifikationen entwickelt worden, die gut 10.000 Seiten lang sind. Schon jetzt sind demnach mehr als 115.000 Arzt- und Zahnarztpraxen an die sogenannte Telematik-Infrastruktur, ein virtuelles Netzwerk, angeschlossen. 170.000 sollen es insgesamt werden. Dazu wurden diese Praxen mit Spezialhardware und elektronischen Praxisausweisen ausgestattet. Sämtliche Zugriffe auf die Telematik-Infrastruktur würden anhand kryptographischer Identitäten gesichert.

Dazu solle ein Trust Service Provider (TSP) nach sicherer Identitätsprüfung eines Teilnehmers dessen kryptographische Identität - bestehend aus privatem Schlüssel und Zertifikat - erzeugen und rechtsverbindlich mit dessen realer Identität verknüpfen. Die kryptographische Identität wird auf einer Chipkarte wie der Gesundheitskarte (eGK), dem Praxisausweis (SMC-B) oder dem Heilberufsausweis (eHBA) gespeichert. Nach den eher negativen Erfahrungen mit dem besonderen elektronischen Anwaltspostfach (beA) wollte sich der CCC auch die Implementierung der Telematik-Infrastruktur genauer anschauen.

Schwachstelle Kartenherausgabe

Stellenmarkt
  1. Master Data Management Specialist (m/w/d)
    Knauf Information Services GmbH, Kitzingen bei Würzburg
  2. Software Application Engineers (m/w/d)
    Abacus Business Solutions GmbH, Waiblingen
Detailsuche

Doch ein technisches Hacken des Systems war laut CCC gar nicht erforderlich. Denn als dessen Schwachstelle erwies sich bereits der Prozess der Kartenherausgabe. Anders als beispielsweise beim elektronischen Personalausweis verzichten die Hersteller des Praxisausweises auf eine persönliche Identifizierung der Antragsteller oder Authentifizierung bei der Bestellung. So gelang es dem CCC-Mitglied Brodowski problemlos, mit öffentlich zugänglich Praxisdaten und dem Geburtsdatum des Arztes einen solchen Ausweis zu bestellen. Selbst die Lieferadresse habe sich einfach ändern lassen. Laut NDR wurde ein Arztausweis sogar an der Theke eines Käseladens in Lüneburg abgegeben.

Der Ausweis habe dann einen uneingeschränkten Zugang zur Telematik-Infrastruktur ermöglicht. Ein Angreifer könne so Befunde lesen und selbst gefälschte Dokumente in Umlauf bringen. Und von 2021 an die vollständigen Inhalte der für diese Praxis freigegebenen Patientenakten einsehen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Laxer Umgang mit Gesundheitskarten 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Maghein 02. Jan 2020

Die zentrale Speicherung der Gesundheits- und Sozialdaten von 70 Millionen gesetzlich...

Proctrap 29. Dez 2019

Das Problem kenne ich zu gut. Dazu kommen die catch-all Krankheiten (bspw. Reizdarmsyndrom).

schipplock 28. Dez 2019

kommt mir bekannt vor :).



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Elektromobilität
BMW gibt sich mit 600 Kilometern Reichweite zufrieden

Reichweite ist für BMW wichtig, aber nicht am wichtigsten. Eine Rekordjagd nach immer mehr Kilometern sehen die Entwickler nicht vor.

Elektromobilität: BMW gibt sich mit 600 Kilometern Reichweite zufrieden
Artikel
  1. Telekom: Vodafone will unseren Glasfaserausbau bremsen
    Telekom
    Vodafone will "unseren Glasfaserausbau bremsen"

    Vodafone habe den eigenen Glasfaserausbau kürzlich für beendet erklärt und nehme den Spaten nicht in die Hand, erklärte die Telekom.

  2. Chorus angespielt: Automatischer Arschtritt im All
    Chorus angespielt
    Automatischer Arschtritt im All

    Knopfdruck, Teleport hinter Feind, Abschuss: Das Weltraumspiel Chorus will mit Story, Grafik und Ideen punkten. Golem.de hat es angespielt.
    Von Peter Steinlechner

  3. Lightning ade: EU will USB-C als alleinige Handy-Ladebuchse vorschreiben
    Lightning ade  
    EU will USB-C als alleinige Handy-Ladebuchse vorschreiben

    Die EU-Kommission will eine einheitliche Ladebuchse einführen. USB-C soll zum Aufladen aller möglichen Kleingeräte verwendet werden.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Asus 27" WQHD 144Hz 260,91€ • Alternate-Deals (u. a. Acer Nitro 27" FHD 159,90€) • Neuer Kindle Paperwhite Signature Edition vorbestellbar 189,99€ • Black Week bei NBB: Bis 50% Rabatt (u. a. MSI 31,5" Curved WQHD 165Hz 350€) • PS5 Digital mit FIFA 22 bei o2 bestellbar [Werbung]
    •  /