Elektronische Patientenakte: Millionen Patienten nutzen ePA noch nicht aktiv
Millionen Versicherte nutzen ihre elektronische Patientenakte (ePA) noch nicht dafür, Gesundheitsdaten anzusehen oder Inhalte zu sperren. Inzwischen sollen fast alle Kassenpatienten einen digitalen Speicher für Untersuchungsbefunde oder Laborwerte haben.
Bei der Techniker Krankenkasse (TK) sind elf Millionen ePAn angelegt – aktiv nutzen sie aktuell 750.000 Versicherte, wie die größte gesetzliche Kasse auf Anfrage mitteilte. Die Barmer hat nach eigenen Angaben 7,8 Millionen angelegte ePAn und etwa 250.000 aktive Nutzer.
Zur ersten Verwendung der App für die ePA müssen sich Versicherte nach dem Anlegen der Akte generell zunächst identifizieren und freischalten lassen. Bei den elf Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) mit 25,8 Millionen bestehenden ePAn haben bisher 200.000 Versicherte dafür eine persönliche Gesundheits-ID angelegt, die ihnen den Zugriff ermöglicht.
Ab Oktober 2025 wird die ePA für Ärzte zur Pflicht
Die Chefin des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Bisher ist die Zahl der Versicherten, die sich in ihre elektronische Patientenakte einloggen, noch überschaubar. Das wird sich ab Oktober hoffentlich ändern, denn ab dann sind Ärztinnen und Ärzte gesetzlich verpflichtet, die ePA zu nutzen und mit relevanten Dokumenten zu befüllen."
TK-Chef Jens Baas sagte der dpa: "Wir sind jetzt in der Phase, in der die ePA in der breiten Bevölkerung ankommen muss." Dafür sei es wichtig, dass Ärztinnen und Ärzte sie auch nutzten. "Nur wenn die Akte gefüllt ist und sich als Teil des Behandlungsprozesses im Praxisalltag etabliert, kann sie ihr Potenzial für die medizinische Versorgung entfalten."
Patienten müssen selbst aktiv werden
Nach einer Reform der Ampelkoalition erhielten 70 Millionen der gut 74 Millionen gesetzlich Versicherten seit Januar 2025 eine ePA von ihrer Kasse. Wer keine ePA möchte, muss aktiv widersprechen .
Der Einsatz in Praxen und Kliniken wird derzeit bundesweit ausgeweitet. Ärzte können dann Daten einstellen und lesen, sobald man die Versichertenkarte am Anmeldetresen eingesteckt hat. Patienten können sich in die ePA anmelden, müssen es aber nicht.
Sicherheitsprobleme der ePA
Ende April 2025 startete die Hochlaufphase und kurz darauf konnten Hacker des Chaos Computer Clubs (CCC) auch die neu eingeführten Sicherungsmaßnahmen der ePA umgehen .
Hintergrund der anhaltenden Sicherheitsprobleme mit der ePA ist die Tatsache, dass die auf dem Chip der Gesundheitskarte hinterlegte Kartennummer ICCSN ohne kryptografische Überprüfung übertragen wird , obwohl ein entsprechender Schlüssel dazu auf dem Chip hinterlegt ist.
Geplante Verbesserungen durch die ePA
Die Kassen setzen auf eine zunehmende Nutzung der ePA, die Patienten ein Leben lang begleiten soll. Das Bündeln sonst verstreuter oder fehlender Daten soll bessere Behandlungen ermöglichen und Mehrfachuntersuchungen vermeiden. Laut Gematik wurden zuletzt wöchentlich 40 Millionen E-Akten in Praxen, Kliniken und Apotheken geöffnet.
Gut 70.000 Einrichtungen beteiligen sich, wobei es bis zu 160.000 sein könnten. Der Kassen-Spitzenverband spricht von einem "zufriedenstellenden Start" . Es zeige sich aber auch, dass für eine echte Digitalisierung des Gesundheitswesens noch einiges zu tun sei.
Neue Funktionen sollen die Nutzung der ePA fördern. So gibt es eine Liste der eingenommenen Medikamente. Bald soll ein Medikationsplan mit Angaben etwa zu Arzneidosierungen dazukommen.
Weitere Funktionen sollen kommen
Schrittweise sollen Patienten die ePA außer mit dem Smartphone auch am PC verwalten können. Dafür wird ein Lesegerät für die elektronische Gesundheitskarte benötigt. Bald soll es möglich sein, eine aus den eingelösten E-Rezepten gespeiste Medikamentenliste in der ePA nur für bestimmte Praxen zu verbergen – und nicht nur für alle.
Damit soll verhindert werden, dass durch den Zugriff auf vertrauliche Daten zu Erkrankungen Rückschlüsse möglich sind, die Patienten nicht mit allen Praxen teilen möchten.
Aus Sicht der Verbraucherzentralen ist das zwar eine Verbesserung, aber nur ein Anfang. Es sei nicht zwingend nötig, "dass die Zahnarztpraxis von der Psychotherapie erfährt" , sagte der Gesundheitsexperte des Bundesverbands, Lucas Auer. Auch relevante Informationen wie der Impfpass, Bonushefte oder Röntgenaufnahmen müssten bald über die E-Akte abrufbar sein. "Denn nur, wenn die ePA einen spürbaren Nutzen bietet, wird sie breite Akzeptanz finden."
- Anzeige Hier geht es zu Hacking & Security: Das umfassende Handbuch bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



