Elektronische Patientenakte: Hausärzteverband befürchtet Scheitern der ePA

Der Hausärzteverband befürchtet ein Scheitern der elektronischen Patientenakte (ePA) und hält diese in der jetzigen Form nicht für alltagstauglich. Der Verbandschef beklagt Probleme in Arztpraxen und verlangt von den Krankenkassen deutlich mehr Engagement für die ePA.
"Die Zahl der aktiven Nutzer ist ernüchternd. Wenn die Verantwortlichen weiter machen wie bisher, dann wird eines der wichtigsten versorgungspolitischen Projekte der letzten Jahre langsam, aber sicher scheitern" , sagte der Bundesvorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Beier, der Rheinischen Post(öffnet im neuen Fenster) .
Für Patienten wäre das aus seiner Sicht eine schlechte Entwicklung, "denn eine gut umgesetzte ePA hätte zweifellos das Potenzial, die Versorgung spürbar zu verbessern und zu vereinfachen" .
Probleme bei der Einführung der ePA
Beier verwies auch auf Probleme in der Praxis, etwa einen komplizierten Registrierungsprozess und eine störanfällige Technik. Es vergehe kaum eine Woche, in der Praxen keine Probleme mit dem Zugriff auf die ePA hätten. Aus seiner Sicht ist die elektronische Patientenakte in ihrer aktuellen Form "schlichtweg nicht alltagstauglich" .
Er kritisiert die unzureichenden Informationen, die Patienten zur ePA bisher erhalten haben. "Die Krankenkassen sind aufgefordert, ihre riesigen Verwaltungsbudgets dafür zu nutzen, endlich eine vernünftige Aufklärung ihrer Versicherten sicherzustellen" , sagte er.
Millionen Patienten nutzen ePA noch nicht aktiv
"Notwendig wäre eigentlich eine große und koordinierte Informationskampagne gewesen. Stattdessen haben die Krankenkassen sich darauf beschränkt, vereinzelt Briefe mit allgemeinen Informationen" an die Versicherten zu schicken, bemängelt Beier.
Millionen Versicherte nutzen ihre elektronische Patientenakte bisher noch nicht für sich selbst , um Gesundheitsdaten anzusehen oder die Zugriffsregelung auf Inhalte der Akte einzustellen. Noch fehlen so mache Funktionen für die ePA.
Weitere Funktionen sollen kommen
Schrittweise sollen Patienten die ePA außer mit dem Smartphone auch am PC verwalten können. Dafür wird ein Lesegerät für die elektronische Gesundheitskarte benötigt. Bald soll es möglich sein, eine aus den eingelösten E-Rezepten gespeiste Medikamentenliste in der ePA nur für bestimmte Praxen zu verbergen – und nicht nur für alle.
Damit soll verhindert werden, dass durch den Zugriff auf vertrauliche Daten zu Erkrankungen Rückschlüsse möglich sind, die Patienten nicht mit allen Praxen teilen möchten.
Aus Sicht der Verbraucherzentralen ist das zwar eine Verbesserung, aber nur ein Anfang. Es sei nicht zwingend nötig, "dass die Zahnarztpraxis von der Psychotherapie erfährt" , sagte der Gesundheitsexperte des Bundesverbands, Lucas Auer. Auch relevante Informationen wie der Impfpass, Bonushefte oder Röntgenaufnahmen müssten bald über die E-Akte abrufbar sein. "Denn nur, wenn die ePA einen spürbaren Nutzen bietet, wird sie breite Akzeptanz finden."
Immer wieder Sicherheitsprobleme bei der ePA
Ende April 2025 startete die Hochlaufphase der ePA und kurz darauf konnten Hacker des Chaos Computer Clubs (CCC) auch neu eingeführte Sicherungsmaßnahmen der ePA umgehen .
Hintergrund der anhaltenden Sicherheitsprobleme mit der ePA ist die Tatsache, dass die auf dem Chip der Gesundheitskarte hinterlegte Kartennummer ICCSN ohne kryptografische Überprüfung übertragen wird , obwohl ein entsprechender Schlüssel dazu auf dem Chip hinterlegt ist.