Elektronische Patientenakte: Ganz oder gar nicht

Zwischen dem Bundesdatenschutzbeauftragten und den Krankenkassen bahnt sich ein Rechtsstreit über die elektronische Patientenakte an.

Artikel von Christiane Schulzki-Haddouti veröffentlicht am
Die elektronische Patientenakte
Die elektronische Patientenakte (Bild: Clemens Bilan - Pool/Getty Images)

Die gesetzlichen Krankenkassen drohen dem Bundesdatenschutzbeauftragten Ulrich Kelber mit einer Klage, sollte er weiterhin darauf bestehen, dass alle Versicherten den feingranularen Zugriff auf ihre elektronische Patientenakte erhalten sollen.

Inhalt:
  1. Elektronische Patientenakte: Ganz oder gar nicht
  2. Kassen drohen mit Klage gegen Zugriffsrechte für alle

"90 Prozent der Versicherten mit mobilen Endgeräten werden ab 2022 Einblick nehmen und den Zugriff auf die Inhalte steuern können," sagte Kelber am Mittwoch in einem Pressegespräch. "Den anderen zehn Prozent soll das verwehrt bleiben. Dabei kann man das natürlich organisatorisch auch für diese zehn Prozent umsetzen." Die Kassen weigern sich aber mit dem Argument, der Zugriff für alle sei technisch nicht möglich und rechtlich nicht nötig.

Das Gesetz zur elektronischen Patientenakte äußert sich nicht dazu, wie grob- oder feingranular der Zugriff gestaltet werden soll. Kelber bezieht sich hier auf die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO): "Ziel der Anweisung ist mit Blick auf die Datenschutz-Grundverordnung, durch Erweiterung der Funktionalitäten gleiches Recht für alle Versicherten herzustellen. Die bloße Umsetzung des nationalen Rechts schafft Versicherte mit unterschiedlichen Rechten."

Seit Januar müssen gesetzliche Krankenkassen ihren Versicherten eine elektronische Patientenakte auf Antrag anbieten. Die Patienten können entscheiden, ob und welche Daten erfasst und gespeichert werden. Der ursprüngliche Gedanke dahinter: Werden Patienten von verschiedenen Ärzten Medikamente verschrieben, können Ärzte sich schneller einen Überblick verschaffen und mögliche Wechselwirkungen bei einer Neuverschreibung vermeiden.

Stellenmarkt
  1. Product Owner (m/w/d) Schwerpunkt Container Services und Container Management
    Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main, Düsseldorf, München, Stuttgart
  2. Full-Stack Webentwickler (m/w/d)
    Westermann Gruppe, Braunschweig
Detailsuche

Die Versicherten tragen die Informationen in ihre elektronische Patientenakte (ePA) ein, die sich über eine App auf Smartphone oder Tablet nutzen lässt. Seit Anfang Juli können Kassenärzte Daten, zu denen unter anderem auch elektronische Rezepte zählen, in die Patientenakte eintragen und aus ihr abrufen. Von 2022 an sollen weitere Funktionen dazu kommen, beispielsweise der Impfpass, der Mutterpass oder das digitale Zahnbonusheft zu den Vorsorgeuntersuchungen.

Zugriffsrechte für alle oder keinen?

Noch hapert es allerdings mit den Zugriffsrechten der Patienten. Zum Start konnten Versicherte ihre Gesundheitsinformationen entweder nur allen Ärzten zugänglich machen oder keinem. Welcher Arzt welche Informationen sieht, können die Versicherten bisher nicht bestimmen. Doch darum geht es dem Bundesdatenschutzbeauftragten Kelber: Die Versicherten sollen selbst entscheiden können, welches Dokument von welchem Arzt sie freigeben und welches sie verbergen wollen.

Relevant ist das beispielsweise, wenn Patienten eine unvoreingenommene zweite Meinung einholen möchten. Oder wenn sie ihre psychotherapeutische oder psychiatrische Akte nicht mit dem Orthopäden oder Zahnarzt teilen möchten. Viele Ärzte - ausgenommen Psychotherapeuten und Psychiater - drängen darauf, möglichst alles sehen zu können, um Zeit in den Patientengesprächen zu sparen.

Wenn die Patienten Daten in ihrer elektronischen Patientenakte löschen, ist das unproblematisch. Kelber erklärt: "Die elektronischen Befunde existieren in der Arztdokumentation. Die Patientenakte ist eine Kopie dieser Dokumentation, die Versicherte ganz oder teilweise zu Leistungserbringern, also beispielsweise Ärztinnen und Ärzten, mitbringen können." Die Behauptung, es würden wichtige medizinische Informationen für immer verschwinden, wenn Versicherte einzelne Dokumente in ihrer elektronischen Akte löschen oder sperren, sei daher "schlicht falsch".

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Kassen drohen mit Klage gegen Zugriffsrechte für alle 
  1. 1
  2. 2
  3.  


N87 14. Sep 2021 / Themenstart

Hier empfehle ich den GKV (über 100 an der Zahl...) einmal den Blick nach Estland, wo die...

Tsherno 14. Sep 2021 / Themenstart

Ich arbeite für eine große Klinik in der IT. Seit Monaten renne ich dem Hersteller des...

JuBo 10. Sep 2021 / Themenstart

jeder Arzt in DE würde es gerne sehen, wenn die Akte dem Patienten gehört und damit die...

Wasserflasche 10. Sep 2021 / Themenstart

Ich möchte das nochmal unterstreichen. Dieser indirekte Zwang zu iOS bzw. Android ist...

peh.guevara 10. Sep 2021 / Themenstart

Sehe ich auch so, wenn keine Daten in der Akte stehen und ich trotzdem eine Penicillin...

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Plugin-Hybride
Autoindustrie wehrt sich gegen höhere Förderauflagen

Die Regierung will die Förderung von Plugin-Hybriden nur noch von der Reichweite abhängig machen. Zudem werden künftig Kleinstautos gefördert.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

Plugin-Hybride: Autoindustrie wehrt sich gegen höhere Förderauflagen
Artikel
  1. Windows und Office: Microsoft-Accounts funktionieren jetzt auch ohne Passwörter
    Windows und Office
    Microsoft-Accounts funktionieren jetzt auch ohne Passwörter

    Das passwortlose Anmelden wird bereits von einigen Microsoft-Kunden genutzt. Die Funktion wird nun auf alle Konten ausgeweitet.

  2. Fake-News und Hassrede: Facebook löscht 150 Konten der Querdenker
    Fake-News und Hassrede
    Facebook löscht 150 Konten der Querdenker

    Nach Ansicht von Facebook hat die Querdenker-Bewegung "bedrohliche Netzwerke" gebildet und gegen Gemeinschaftsregeln verstoßen.

  3. Gopro Hero 10 Black ausprobiert: Gopros neue Kamera ist die Schnellste
    Gopro Hero 10 Black ausprobiert
    Gopros neue Kamera ist die Schnellste

    Endlich ein neuer Chip und mehr Zeitlupe! Wo Gopros Action-Kamera das Vorgängermodell schlägt, konnten wir vor dem Produktstart ausprobieren.
    Von Martin Wolf

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • MM Club-Tage: Bis zu 15% auf TVs, PCs, Monitore uvm.) • Alternate (u. a. Razer Kraken X für Konsole 34,99€) • Xiaomi 11T 5G vorbestellbar 549€ • Saturn-Deals (u. a. Samsung 55" QLED (2021) 849,15€) • Logitech-Aktion: 20%-Rabattgutschein für ASOS • XMG-Notebooks mit 250€ Rabatt [Werbung]
    •  /