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Elektromobilität: Wie sich die Förderprämie am sinnvollsten einsetzen lässt

Elektroauto oder Plug-in-Hybrid? Kaufen oder leasen? Vor dieser Frage stehen potenzielle Nutzer der neuen Förderung von E-Autos.
/ Friedhelm Greis
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Der chinesische Hersteller BYD drängt mit Plug-in-Hybriden wie dem Seal 6 DM-i Touring auf den deutschen Markt. (Bild: Friedhelm Greis/Golem)
Der chinesische Hersteller BYD drängt mit Plug-in-Hybriden wie dem Seal 6 DM-i Touring auf den deutschen Markt. Bild: Friedhelm Greis/Golem

Erstmals seit Ende 2023 fördert die Bundesregierung wieder die Anschaffung von Elektroautos. Das neue Förderprogramm ist mit drei Milliarden Euro ausgestattet und soll nach Einschätzung von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) für 800.000 Fahrzeuge reichen. Doch die Förderbedingungen unterscheiden sich grundlegend von dem früheren Konzept. Daher gibt es vor der Anschaffung eines geförderten Autos einiges zu beachten.

Der zentrale Unterschied besteht vor allem mit Blick auf die Förderfähigkeit: Während bis Ende 2023 jeder Haushalt gefördert wurde und der Listenpreis der Autos gedeckelt war, ist es jetzt umgekehrt. Theoretisch lässt sich jedes batterieelektrische Auto mit der Kaufprämie finanzieren, aber es gibt Obergrenzen für das Haushaltseinkommen. Daher müssen Interessierte zunächst prüfen, ob ihr Haushalt oder ihre Familie dafür in Frage kommen.

Single-Haushalte ebenfalls förderfähig

Gefördert werden demnach ausschließlich Privathaushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von bis zu 80.000 Euro. Das gilt jedoch nicht nur für Familien und Paare, sondern auch für ledige Einzelpersonen, also Single-Haushalte.

Je Kind soll die Berechtigungsgrenze um 5.000 Euro steigen, allerdings gilt das nur für maximal zwei Kinder, so dass das Limit bei 90.000 Euro liegt. Die Förderhöhe ist zudem nach Einkommen gestaffelt. Wenn der Haushalt weniger als 45.000 Euro zu versteuern hat, liegt die Basisförderung bei 5.000 Euro. Zwischen 45.000 und 60.000 Euro beträgt sie 4.000 Euro. Bei Plug-in-Hybriden und Range-Extendern sind es jeweils 1.500 Euro weniger.

Bruttoeinkommen kann höher liegen

Das zu versteuernde Einkommen entspricht jedoch nicht dem Bruttoeinkommen. Davon sind beispielsweise Ausgaben zur Altersvorsorge und zur Krankenversicherung abzuziehen. Kinderfreibeträge können berücksichtigt werden, wenn die Steuerreduzierung höher als das erhaltene Kindergeld ist(öffnet im neuen Fenster).

Das Bundesfinanzministerium stellt dazu entsprechende Berechnungsverfahren bereit(öffnet im neuen Fenster). Das Bruttoeinkommen kann mehrere 10.000 Euro über den genannten Förderlimits liegen. Entscheidend sind die Angaben auf den beiden zurückliegenden Einkommensteuerbescheiden.

Auch für eheähnliche Gemeinschaften

Dem Bundesumweltministerium zufolge(öffnet im neuen Fenster) entspricht die Einkommensgrenze von 80.000 Euro "ungefähr einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 4.800 Euro bei ledigen Personen und 5.400 Euro bei Ehepaaren".

Die Vorgaben gelten laut Ministerium auch für "Paare ohne Trauschein und mit gemeinsamen Kindern" beziehungsweise bei "eheähnlichen Gemeinschaften". Dazu heißt es: "Die Details der Berechnungsgrundlage, das Vorgehen für Antragstellerinnen und Antragsteller sowie die genaue Berücksichtigung von Kindern werden zeitnah im Rahmen der Förderrichtlinie veröffentlicht".

Ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen von 45.000 Euro im Jahr ist nicht sehr viel.

Einkommensschwache Haushalte kaufen selten Neuwagen

Bei Einzelpersonen entspricht dies einem Jahreseinkommen von etwa 55.000 Euro. Wer davon eine Familie mit mehreren Kindern ernähren muss, dürfte in der Regel nicht genügend Geld zur Verfügung haben, um sich ein neues Auto zu leisten. Gebrauchte Elektroautos werden vorerst nicht gefördert. Ein Programm für soziales Leasing könnte in einigen Jahren kommen.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Wohnen die Personen beispielsweise zur Miete in einer Stadt, steht ihnen in der Regel keine private Lademöglichkeit zur Verfügung. Das verteuert zum einen das Laden des E-Autos, zum anderen macht es dessen Nutzung komplizierter. Der Anreiz, sich stattdessen einen Plug-in-Hybriden anzuschaffen, dürfte für solche Haushalte daher größer sein. Andererseits dürfte eine fehlende private Lademöglichkeit dazu beitragen, dann vor allem den Verbrennermotor des Autos zu nutzen.

Wertverlust berücksichtigen

Die geförderten Haushalte müssen zudem bedenken, dass der Wertverlust bei neuen E-Autos immer noch recht hoch ist. Wer sich ein batterieelektrisches Auto kauft, sollte daher davon ausgehen, es über die schon recht lange Mindesthaltefrist von drei Jahren hinaus zu fahren. Diese Einschätzung teilt auch der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. "Die Haushalte, die unter die Prämie fallen, halten ihr Fahrzeug länger, also fünf Jahre oder mehr", sagte Dudenhöffer auf Anfrage von Golem.

Eine Überlegung könnte daher sein, anstelle des Kaufs einen Leasingvertrag abzuschließen. Dazu schreibt das Umweltministerium(öffnet im neuen Fenster) (PDF): "Für die Förderung beim Leasing eines Neuwagens gelten dieselben Regelungen und Förderhöhen wie beim Kauf, die Beantragung erfolgt ebenfalls durch den Leasingnehmer. Entscheidend ist, dass das Neufahrzeug auf den Leasingnehmer zugelassen und nach Zulassung drei Jahre gehalten wird."

Fördersumme für Anzahlung verwenden

Das bedeutet, dass die Förderung beispielsweise für die einmalige Anzahlung genutzt werden kann. Wie sich das auswirkt, zeigt der Leasingrechner des ADAC im Falle des Cupra Born. Liegt die Anzahlung bei 6.000 Euro(öffnet im neuen Fenster) im Vergleich zu 0 Euro(öffnet im neuen Fenster), sinkt die monatliche Rate bei einer dreijährigen Laufzeit von 316,78 auf 150,11 Euro. Die Gesamtkosten liegen in beiden Fällen bei rund 11.400 Euro.

Erst vor wenigen Tagen schrieb das Blog Electrek.co(öffnet im neuen Fenster), dass Leasing bei Elektroautos fast immer die bessere Wahl sei. Wenn der Restwert des Autos stark sinke, könne der Leasingnehmer das Fahrzeug nach der Leasingdauer zurückgeben. Steige hingegen der Wert, könne das Auto für den vereinbarten Restwertpreis gekauft werden.

Der ADAC hat die Vorteile von Leasing mit Kaufoption in einer Übersicht aufgelistet(öffnet im neuen Fenster). So seien Leasingraten plus Kaufsumme langfristig oft höher als der Kaufpreis. Zudem könnten bei Nichtinanspruchnahme der Kaufoption und Rückgabe des Fahrzeugs zusätzliche Kosten anfallen. Hersteller wie VW bieten bei ihren Leasingangeboten generell keine Kaufoption an(öffnet im neuen Fenster).

Großer Effekt bei elektrischen Kleinwagen

Generell ist bei Kauf oder Leasing der Fördereffekt umso größer, je günstiger der Neupreis ist. Bei Klein- oder Kompaktwagen wie dem Hyundai Inster (Praxistest) kann die maximale Förderung von 6.000 Euro ein Viertel des Kaufpreises ausmachen. Das wäre auch bei der Einstiegsversion des geplanten ID.Polo der Fall. Die Förderung kann daher den Kreditbedarf bei günstigen Elektroautos deutlich reduzieren.

Hier zeigt sich ein Unterschied zu Plug-in-Hybriden. So kostet der günstigste Plug-in-Hybrid von VW, der Golf 1.5 eHybrid OPF, derzeit 44.205 Euro. Das ist so viel, wie ein ID.3 Pro S mit großem 79-kWh-Akku kostet. Günstiger ist beispielsweise der neue BYD Atto 2 DM-i, der bei 36.000 Euro startet.

Hohe Preisunterschiede zwischen Plug-in-Hybriden und vollelektrischen Autos konstatierte auch Dudenhöffer seiner jüngsten Studie zum Elektroautomarkt Deutschland.

Plug-in-Hybride deutlich teurer als E-Autos

Demnach kosteten die 15 beliebtesten Plug-in-Hybride im November 2025 durchschnittlich 46.125 Euro. Der Transaktionspreis der 20 beliebtesten vollelektrischen Autos lag mit 34.674 Euro deutlich niedriger. Dudenhöffer berücksichtigt dabei die Listenpreise der Hersteller sowie Rabatte, die aus den Angeboten von Internetvermittlern hervorgehen.

Im vergangenen Jahr wurden die Top Ten der Plug-in-Hybride vom VW Tiguan, Volvo XC60, der E-Klasse von Mercedes, dem VW Passat, dem BMW 5er und dem GLK/GLC von Mercedes angeführt. Selbst der Ford Kuga und der Cupra Formentor, die auf Platz sieben und acht folgen, kosten als Plug-in-Hybride deutlich über 40.000 Euro. Am Ende hat es eben doch seinen Preis, wenn ein kompletter Verbrenner mit einem batterieelektrischen Antrieb kombiniert wird.

Durchschnittliche Fördersumme von 3.750 Euro erwartet

Es bleibt daher abzuwarten, wie viele förderfähige Haushalte tatsächlich das neue Programm nutzen werden. Familien mit zwei Kindern, deren gemeinsames Bruttoeinkommen bei etwa 110.000 Euro liegt, dürften eine Fördersumme in Höhe von 4.000 Euro bekommen. Gut verdienende Singles mit einem Jahreseinkommen von 95.000 Euro können zumindest die Basisförderung von 3.000 Euro erhalten.

Dem Bundesumweltministerium zufolge reichen die drei Milliarden Euro für die Förderung von 800.000 Fahrzeugen. Das entspricht einer durchschnittlichen Förderhöhe von 3.750 Euro. Offenbar geht das Ministerium davon aus, dass viele Plug-in-Hybride angeschafft werden. Eine genaue Prognose wollte Minister Schneider jedoch nicht wagen.

Es ist zu bezweifeln, dass viele Haushalte mit weniger als 45.000 Euro zu versteuerndem Einkommen die Prämie nutzen werden. Infrage kommen eher gut verdienende Singles oder Familien mit Kindern, die noch unter das Limit von 90.000 Euro fallen.

Minister hofft auf "starken Anschub"

Der deutlich höhere Preis spricht eher dagegen, dass sich die einkommensschwachen Haushalte einen Plug-in-Hybrid anschaffen. Allerdings könnten chinesische Hersteller wie BYD die Förderung nutzen, um günstige Modelle in diesem Segment anzubieten. Im Gegensatz zu vollelektrischen Autos sind diese nicht von den Strafzöllen betroffen.

Wer sich für Kauf statt Leasing entscheidet, sollte von einer längeren Nutzungsdauer des Fahrzeugs ausgehen. Dudenhöffer empfiehlt den Förderberechtigten, sich auf jeden Fall batterieelektrische Autos anzuschauen. Die aktuellen Preise inklusive Rabatte sollten überprüft und dann bei der Bestellung gegengecheckt werden.

Minister Schneider sieht in dem Programm einen "starken Anschub für die Elektromobilität in Deutschland". Allerdings bleiben Hürden wie fehlende private Lademöglichkeiten in Mehrfamilienhäusern sowie hohe Ladepreise bestehen. Für solche Haushalte könnten Plug-in-Hybride daher eine Option sein. Das konterkariert jedoch den Klimaschutzeffekt und ist mit höheren Anschaffungspreisen verbunden. Möglicherweise profitiert am Ende vor allem die Automobilwirtschaft von dem Programm, darunter vermutlich auch die chinesische.

Nachtrag vom 20. Januar 2026, 18:40 Uhr

Wir haben den Hinweis zu den Kinderfreibeträgen präzisiert und den Abschnitt zum Leasing mit Kaufoption ergänzt.


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