• IT-Karriere:
  • Services:

Ladestationen: Wie kommt der Strom in die Tiefgarage?

Trotz staatlicher Prämie finden sich bislang nur wenig Käufer für Elektroautos. Wer einmal versucht hat, in einer Tiefgarage eine Ladestation zu installieren, merkt sehr schnell, woran das liegt.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Tesla Model S in einer Tiefgarage
Tesla Model S in einer Tiefgarage (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Wären benzinbetriebene Automobile so weit verbreitet, wenn jeder Halter sich eine eigene Zapfsäule dafür aufstellen müsste? Was für Eigenheimbesitzer noch vorstellbar wäre, stieße in Städten schnell an seine Grenzen. Doch genau vor diesem Problem stehen derzeit Käufer von Elektroautos. Selbst wer für seinen Wagen einen festen Stellplatz in einer Tiefgarage hat, steht bei der Installation einer Ladesäule vor großen Hürden und hohen Kosten. Falls er überhaupt die Erlaubnis bekommt, die erforderlichen Anschlüsse zu verlegen. Kein Wunder, dass der Verkauf von Elektroautos trotz Prämie von bis zu 4.000 Euro nicht vorankommt.

Golem.de hat anhand eines konkreten Beispiels versucht, die Kosten sowie die technischen und juristischen Voraussetzungen für den Aufbau einer elektrischen Infrastruktur zu ermitteln. Dabei ergeben sich bei größeren Mehrfamilienhäusern mit unterschiedlichen Eigentümern mehrere, derzeit kaum zu überwindende Hindernisse. Folgende Fragen stellen sich dabei: Welche Leistungsreserven hat der Stromanschluss des Hauses? Wie sollen die Kabel zum Parkplatz verlegt werden? Wer zahlt für die Infrastruktur? Wer muss der Kabelverlegung zustimmen? Welches System für Ladeboxen ist langfristig geeignet?

Gemeinsame Unterverteilung sinnvoll

Die simpelste Lösung bestünde darin, ein Stromkabel vom Zähler des Wohnungseigentümers oder Mieters zum Autostellplatz in der Tiefgarage zu verlegen und daran eine Steckdose anzuschließen. Das könnte in Einzelfällen durchaus möglich sein. Doch was passiert, wenn nach und nach immer mehr Elektroautos angeschafft werden? Die Hausanschlussleitung eines größeren Mehrfamilienhauses oder Wohnblocks dürfte in der Regel nicht dafür ausgelegt sein, den zusätzlichen Bedarf an Ladeanschlüssen für alle Parteien zu verkraften. Zumal es jeweils einen hohen Aufwand darstellen kann, solche Kabel zu verlegen. Dazu sind in der Regel Mauerdurchbrüche erforderlich, die dann wieder brandschutztechnisch verschlossen werden müssen. Von einem späteren Verkauf des Stellplatzes ganz zu schweigen.

  • Wenn der Tesla in die Tiefgarage passt, sollte es auch eine Möglichkeit geben, ihn aufzuladen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Ein Tesla Model S lässt sich auch an handelsüblichen Drehstrom- und Schuko-Steckdosen aufladen. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Ladeboxen von Mennekes gibt es mit integrierten Leistungs- und Fehlerstromschutzschaltern. (Foto: Mennekes)
  • Die neue BMW iWallbox erlaubt ein Laden per Drehstrom mit bis zu 22 Kilowatt. (Foto: BMW)
Ladeboxen von Mennekes gibt es mit integrierten Leistungs- und Fehlerstromschutzschaltern. (Foto: Mennekes)

Als Alternative bietet sich daher an, vom Hausanschlussraum des Wohnhauses ein ausreichend dimensioniertes Kabel direkt in die Tiefgarage zu verlegen. Von einem dort installierten Verteilerkasten könnten dann je nach Bedarf die einzelnen Kabel zu den Stellplätzen verlegt werden. Das hat unter anderem den Vorteil, dass im Laufe der Jahre kein Kabelwirrwarr entsteht, wenn immer mehr Elektroautos angeschlossen werden sollten. Unter anderem aus diesem Grund hat das Landgericht München I einem Stellplatzbesitzer die Verlegung einer Leitung gegen den Willen der Mehrheit der Wohnungseigentümer verweigert. Es sei zu befürchten, dass "mehrere Eigentümer einen entsprechenden Antrag stellen werden und bei Zustimmung dann eine Vielzahl an Kabeln und Zuleitungen zu einzelnen Stellplätzen erstellt werden müssten", heißt es in dem Urteil (Az. 36 S 2041/15 WEG).

Zustimmung der Eigentümer erforderlich

Stellenmarkt
  1. finanzen.de, Berlin
  2. Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, München

Rechtlich gesehen handelt es sich bei der Verlegung einer solchen Leitung um eine bauliche Veränderung nach Paragraf 14 des Wohnungseigentumsgesetzes (WEG). Dieser müssen alle Eigentümer zustimmen, da sie von den Kosten für Installation und Unterhaltung betroffen sind. Schätzt man die Installation als Modernisierung oder "Anpassung an den Stand der Technik" ein, wäre nach Paragraf 22, Absatz 2 des WEG zumindest eine sogenannte doppelt qualifizierte Mehrheit erforderlich. Eine einfache Mehrheit reicht nur dann aus, wenn der Beschluss nicht innerhalb eines Monats angefochten wird.

Zudem ist die Installation von Hausanschlussleitungen mit Lasttrennern, einem zusätzlichen Zähler und Unterverteilungen nicht ganz billig, wenn damit langfristig 10, 20 oder noch mehr Ladestationen versorgt werden sollen. Handelt es sich um eine Eigentümergemeinschaft, müssten viele Eigentümer zunächst die Installation mitfinanzieren, obwohl sie sich vielleicht erst in etlichen Jahren selbst ein Elektroauto anschaffen wollen. Eine doppelt qualifizierte Mehrheit kann allerdings gemäß Paragraf 16 Abs. 4 WEG eine abweichende Kostenverteilung beschließen. Das ist zum einen eine recht hohe Hürde, zum anderen bereitet es in der Praxis bisweilen Probleme mit der juristischen Auslegung, wie ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) aus dem Jahr 2010 zeigt.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Wallboxen für Lastmanagement erforderlich 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7.  


Anzeige
Top-Angebote
  1. ab 38,00€ (bei ubi.com)
  2. 319,00€ (Bestpreis)
  3. 31,49€
  4. (u. a. Die Siedler History Collection 19,99€, Anno 1800 Gold Edition für 38,00€, Tom Clancy's...

Lademeister 24. Jun 2018

Im Ende des Artikel wurde behauptet, daß die meiste Ihr Auto nicht laden wollen / würden...

SkyFox 24. Mai 2017

Eigene Ladestationen sind nicht sinnvoll. Ein genormter Akku muss her (Größe, Anschlu...

Phonehoppy 12. Mai 2017

Wieso sollten ZOE-Fahrer denn eher beim Arbeitgeber laden, als Tesla-Fahrer? Besonders...

Phonehoppy 12. Mai 2017

Es gibt bereits Speichersysteme, z.B. die Tesla "PowerWall", die viel höhere Leistungen...

Berner Rösti 11. Mai 2017

Das kannst du noch so oft schreiben, das verstehen die Akku-Auto-Fanatiker nicht. Da...


Folgen Sie uns
       


Magenta-TV-Stick der Deutschen Telekom - Test

Der Magenta-TV-Stick befindet sich noch im Betatest, so dass einige Funktionen noch fehlen und später nachgereicht werden. Der Stick läuft mit einer angepassten Version von Android TV. Bei Magenta TV selbst sehen wir noch viel Vebesserungsbedarf.

Magenta-TV-Stick der Deutschen Telekom - Test Video aufrufen
Mobile Games: Mit Furz-Apps wird man kein Millionär mehr
Mobile Games
"Mit Furz-Apps wird man kein Millionär mehr"

Mit cleveren Kartenspielen wie Card Thief hat der Berliner Mobile-Games-Macher Arnold Rauers von Tinytouchtales seine gewinnbringende Nische gefunden. Im Gespräch mit Golem.de nennt er Zahlen - und gibt konkrete Empfehlungen für andere Entwickler.
Von Rainer Sigl

  1. Mobile Games Stillfront kauft Storm 8 für bis zu 400 Millionen US-Dollar
  2. Mobile Games Verspielt durch die Feiertage
  3. Mobile-Games-Auslese Märchen-Diablo für Mobile-Geräte

SpaceX: Der Weg in den Weltraum ist frei
SpaceX
Der Weg in den Weltraum ist frei

Das Raumschiff hob noch ohne Besatzung ab, aber der Testflug war ein voller Erfolg. Der Crew Dragon von SpaceX hat damit seine letzte große Bewährungsprobe bestanden, bevor die Astronauten auch mitfliegen dürfen.
Ein Bericht von Frank Wunderlich-Pfeiffer

  1. Raumfahrt SpaceX macht Sicherheitstest bei höchster Belastung
  2. Raumfahrt SpaceX testet dunkleren Starlink-Satelliten
  3. SpaceX Starship platzt bei Tanktest

Indiegames-Rundschau: Abenteuer zwischen Horror und Humor
Indiegames-Rundschau
Abenteuer zwischen Horror und Humor

Außerdische reagieren im Strategiespiel Phoenix Point gezielt auf unsere Taktiken, GTFO lässt uns schleichen und das dezent an Portal erinnernde Superliminal schmunzeln: Golem.de stellt die besten aktuellen Indiegames vor.
Von Rainer Sigl

  1. Indiegames-Rundschau Der letzte Kampf des alten Cops
  2. Indiegames-Rundschau Killer trifft Gans
  3. Indiegames-Rundschau Überleben im Dschungel und tausend Tode im Dunkeln

    •  /