Elektromobilität: VW nimmt Abschied vom Erdgas

Volkswagen gibt die Entwicklung neuer Erdgasmodelle auf. Aktuell verkaufte Autos bekommen keine Nachfolger mehr. Auch Antriebe mit Wasserstoff oder synthetischen Kraftstoffen haben keine großen Zukunftschancen.

Artikel von Martin Murphy/Handelsblatt und Stefan Menzel/Handelsblatt veröffentlicht am
Betankung des VW Polo TGI mit Erdgas
Betankung des VW Polo TGI mit Erdgas (Bild: Volkswagen)

VW-Chef Herbert Diess ist ein Freund klarer Worte. Er ist aber vor allem auch ein Freund von Taten. Als er vor einigen Wochen vor seinen 120 wichtigsten Führungskräften in Berlin auftrat, erklärte er nicht nur den Elektropionier Tesla zum größten Wettbewerber, gegen den es zu bestehen gelte. Fast in einem Nebensatz versteckt kündigte er bei der Gelegenheit auch den Abschied von gasbetriebenen Autos an.

Inhalt:
  1. Elektromobilität: VW nimmt Abschied vom Erdgas
  2. Nur ein scheinbarer Gegensatz

Erdgasautos werden vor allem von der Kernmarke VW sowie den Konzerntöchtern Škoda und Seat verkauft. Die vergleichsweise sauberen Fahrzeuge galten lange Zeit als Mittel, um die Abgasziele der Behörden zu erreichen. Die Kunden allerdings haben die Technologie nie wirklich angenommen. Mit dem angekündigten Aus macht der Konzernchef von Volkswagen nun klar, wie ernst er es mit der Fokussierung auf die Elektromobilität meint.

Wirkungsgrad zu niedrig

Auch andere alternative Antriebsarten haben im VW-Konzern keine großen Zukunftschancen. Dazu gehören synthetische Kraftstoffe und der Wasserstoffantrieb mit der Brennstoffzelle. "Da gibt es nur einige kleinere Forschungs- und Vorentwicklungsaktivitäten bei Audi", sagte VW-Entwicklungsvorstand Frank Welsch dem Handelsblatt. "Wenn wir die Mobilitätswende und die Umweltziele ernst nehmen, müssen wir uns auf den batterieelektrischen Antrieb konzentrieren. Alles andere ist Verschwendung der begrenzten regenerativen Energie."

Wegen deutlich geringerer Wirkungsgrade ist es aus VW-Sicht nicht sinnvoll, mit Wasserstoff oder synthetischen Kraftstoffen die Kohlendioxidemissionen senken zu wollen. "Der Wirkungsgrad bei rein batteriegetriebenen Autos ist wesentlich größer", sagte VW-Chefentwickler Welsch.

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Mit 100 Kilowattstunden an regenerativer Energie komme ein Batterieauto rund 500 Kilometer weit, ein Brennstoffzellenfahrzeug 200 Kilometer und ein Auto mit Synfuel-Einsatz schaffe 80 Kilometer. "Es wird deshalb auf absehbare Zeit keine Brennstoffzellenfahrzeuge von unseren Pkw-Marken in Serienfertigung geben", lautet sein Fazit.

Konzentration auf batterieelektrische Autos

Volkswagen will sich in den nächsten Jahren unwiderruflich auf den Elektroantrieb und die rein batteriegetriebenen Fahrzeuge konzentrieren. Konzernchef Diess hat das gesamte Unternehmen auf diesen Weg eingeschworen. Auf dem Topmanagement-Treffen im Januar in Berlin waren seine Vorgaben eindeutig.

Die Brennstoffzelle und andere alternative Kraftstoffe betreibe Volkswagen auf Grundlevel, hatte Diess gesagt. Diese Antriebe seien während eines absehbaren Zeithorizonts von mindestens einem Jahrzehnt keine Alternative zu Pkw-Motoren. "Wir brauchen die volle Konzentration auf den Durchbruch der Elektromobilität." Volkswagen könne es sich nicht erlauben, sich bei seiner Fahrzeugentwicklung zu verzetteln. Der Konzern müsse seine finanziellen Möglichkeiten gezielt einsetzen. Und damit sind Alternativen bis auf weiteres in Wolfsburg nicht zugelassen.

Die Niedersachsen stehen wie BMW, Daimler und andere Autohersteller vor einer gewaltigen Aufgabe. Um ihre Autos sauberer zu machen und mit ihrer Umgebung zu vernetzen, muss jede der Firmen zweistellige Milliardenbeträge aufbringen. Das Geld verdienen sie mit konventionellen Fahrzeugen - diese sollen während der nächsten zehn Jahre durch E-Autos abgelöst werden.

Dieselskandal als Treiber

Alle Hersteller müssen sich daher fokussieren - VW ist da konsequenter, wie selbst Vertreter von Wettbewerbern einräumen. Treiber dürfte auch der Dieselskandal sein, der das Unternehmen rund 30 Milliarden Euro gekostet hat. So manchem Entwickler dürfte es dennoch nicht gefallen, was Diess in Berlin verkündet hatte: "Die Gasantriebe werden wir auslaufen lassen", hatte der Vorstandsvorsitzende gesagt. Den wichtigsten Grund für diese Entscheidung lieferte Diess gleich mit. Die Erdgasfahrzeuge leisteten keinen hinreichenden Beitrag zum Klimaschutz. "Aufwand und Ertrag stehen nicht im Verhältnis."

Bemerkenswert sind die Worte vor allem, weil doch Thomas Sedran als Chef der Van-Sparte noch vor wenigen Tagen den Gasmotor als wichtigen Antrieb bezeichnet hat. Das neue Caddy-Modell in der fünften Generation werde es auf jeden Fall auch mit CNG (Compressed Natural Gas) - also Erdgasantrieb - geben, sagte Sedran bei der Vorstellung des neuen Modells. Die Transportertochter von Volkswagen starte beim neuen Caddy zunächst mit Dieselmotoren, CNG komme später dazu.

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Nur ein scheinbarer Gegensatz 
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Es geht dabei nur um die PKW Sparte https://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/MAN...

TW1920 06. Mär 2020

Gülle ist aber auch Dünger für die Felder und Wiesen. Entscheidend ist, welche Menge man...

TW1920 06. Mär 2020

Was findest du nicht?? Ich bin gleich auf die Seite gestoßen: https://www.volkswagen.de...

TW1920 06. Mär 2020

Naja, man bedenke, dass die noch günstiger werden mit der Zeit. Zudem: gehen alle...

KloinerBlaier 03. Mär 2020

Zu deinem Nachsatz: Das stimmt so nicht. Der Kofferraum eines Smarts ist Ungefähr so...



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