Elektromobilität: VW-Chef Diess setzt auf Elektro statt auf E-Fuels

Besser elektrisch: Herbert Diess, Chef des Autokonzerns Volkswagen (VW), setzt auf Elektromobilität. Die Ladeinfrastruktur sieht er nicht als Hindernis. Von E-Fuels hält er nicht viel.
Während die FDP-Minister Volker Wissing und Christian Lindner auf synthetische Kraftstoffe setzen, um ein Verkaufsverbot für Verbrennungsfahrtzeuge zu verhindern , hält Diess wenig davon. Deren Effizienz sei "extrem schlecht" , sagte der VW-Chef im Interview mit der Süddeutschen Zeitung(öffnet im neuen Fenster) (Paywall).
"Für die Herstellung braucht es viel Strom" , sagte Diess. "Um ein paar Prozent lässt sich der Prozess vielleicht optimieren, aber die Größenordnungen bleiben: Wenn in 2030 einer für 10 Euro Strom tankt, um 500 Kilometer weit zu kommen, wird der E-Fuel-Fahrer 60 Euro ausgeben müssen."
Die Ladeinfrastruktur wird ausgebaut
Als Hindernis für die Elektromobilität gilt eine unzureichende Ladeinfrastruktur. Diess glaubt jedoch nicht, dass die Umstellung auf Elektroautos an fehlenden Ladesäulen scheitern wird: "In Europa wird die Infrastruktur kein Problem sein, da fließen gerade sehr viele Investitionsmittel rein, auch von den Mineralölkonzernen, die zum Beispiel ihre Tankstellen weiterbetreiben wollen."
Probleme sieht der VW-Chef an anderer Stelle: "Der Engpass in Europa und anderswo könnten ab Mitte des Jahrzehnts die Batterien und Batteriezellfabriken werden" , sagte er. "Die bleiben knapp."
Gegenüber dem Konkurrenten Tesla sieht er VW in den kommenden Monaten im Vorteil, da VW seine Produktion unkomplizierter hochfahren könne. "Da sollte sich eine Chance für uns ergeben, jetzt schneller hochzulaufen, so dass wir in diesem Jahr den Vorsprung von Tesla bei der Produktion von Elektroautos vielleicht etwas verringern können." 2025 könne VW "weltweit Marktführer bei E-Autos sein" . Das hatte Diess kürzlich schon einmal gesagt .
Diess will nach Xinjiang fahren
Diess kündigte zudem an, das umstrittene Werk in der chinesischen Region Xinjiang "baldmöglichst" selbst besuchen zu wollen. In der Region im Westen Chinas werden Uiguren und Angehörige anderer muslimischer Minderheiten misshandelt und drangsaliert.
Volkswagen betreibt in Xinjiang gemeinsam mit dem chinesischen Partner SAIC seit mehreren Jahren ein kleineres Werk und wurde dafür zuletzt kritisiert. SAIC müsse sicherstellen, dass "dort nicht diskriminiert wird" , sagte Diess. "Ich bin dagegen, sich aus der Region zurückzuziehen. Ich bin überzeugt, dass es die Situation der Menschen vor Ort, gerade der Minderheiten, verbessert, wenn wir bleiben."



