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Elektromobilität: VW beendet Direktvertrieb von Elektroautos

Volkswagen(öffnet im neuen Fenster) gibt den Direktvertrieb für ID-Modelle auf. Händler kaufen E-Autos künftig wieder selbst an und bestimmen die Preise.
/ Nils Matthiesen
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VW gibt E-Auto-Verkauf an Händler zurück. (Bild: KI-generiert mit Gemini)
VW gibt E-Auto-Verkauf an Händler zurück. Bild: KI-generiert mit Gemini

Volkswagen zieht die Reißleine beim Vertrieb seiner Elektroflotte. Wie das Handelsblatt berichtet(öffnet im neuen Fenster) , kehrt der Wolfsburger Automobilkonzern ab dem 1. Januar 2026 zum klassischen Händlermodell zurück. Damit endet das erst vor wenigen Jahren mit der Einführung der ID-Serie etablierte Agenturmodell, bei dem die Händler lediglich als Vermittler aufgetreten sind und Volkswagen die Preise zentral festgelegt hat.

Händler fordern mehr unternehmerische Freiheit

Der Wechsel erfolgt auf massiven Druck der Handelsbetriebe. Im bisherigen Agentursystem trug Volkswagen zwar das Bestandsrisiko, zahlte den Händlern jedoch nur eine feste Provision. Angesichts der schwächelnden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und hoher Lagerbestände erwies sich dieses Modell als zu unflexibel. Händler kritisierten die geringen Margen und die fehlende Möglichkeit, durch eigene Rabattaktionen oder individuelle Paketpreise auf lokale Marktbedingungen zu reagieren.

Ab kommenden Jahr sollen die Partnerbetriebe die Fahrzeuge nun wieder direkt vom Hersteller ankaufen und auf eigene Rechnung verkaufen. Damit geht das Absatz- und Restwertrisiko wieder vollständig auf die Händler über. Im Gegenzug gewinnen diese die Hoheit über die Preisgestaltung zurück, was in einem hart umkämpften Marktumfeld als essenziell angesehen wird, um Standzeiten auf den Höfen zu verkürzen.

Abkehr von der Tesla-Strategie

Die Neuausrichtung markiert das Ende des Versuchs, das Vertriebskonzept von US-Pionier Tesla zu kopieren. Während Tesla seine Preise zentral und kurzfristig global steuern kann, erwies sich der Ansatz für die komplexen Strukturen eines traditionellen Herstellers mit gewachsenem Händlernetz anscheinend als zu träge. Für Kunden bedeutet die Umstellung, dass Preisverhandlungen beim Kauf eines E-Polo , ID.3, ID.4 oder ID.7 im Autohaus künftig wieder möglich und wahrscheinlich auch nötig sein werden.

Vollständig abgeschafft wird der Direktvertrieb allerdings nicht: Das Agenturmodell soll im Großkunden- und Flottengeschäft (Business-to-Business) vorerst bestehen bleiben. Hier sieht der Konzern weiterhin Vorteile in der zentralen Steuerung großer Fahrzeugkontingente. Für den europäischen Privatmarkt ist die Entscheidung jedoch ein Eingeständnis, dass die aktive Verkaufssteuerung durch den Handel vor Ort unverzichtbar bleibt, um die stagnierenden Elektro-Ziele zu erreichen.


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