Elektromobilität: Mehr als die Hälfte der Gemeinden ist ohne Lademöglichkeit

Wer elektrisch fahren will, muss laden. Aber wo? Nicht einmal die Hälfte der Kommunen in Deutschland verfügt über öffentliche Ladepunkte. Das geht aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke im Bundestag hervor.
Am 1. November waren in Deutschland 25.376 öffentlich zugängliche Ladeeinrichtungen mit 49.207 Ladepunkten verfügbar. Diese Zahlen stammten von der Bundesnetzagentur, heißt es in der Antwort von Staatssekretär Ulrich Nußbaum (PDF, Seite 13)(öffnet im neuen Fenster) . Die reale Zahl dürfte höher sein, da "Normalladepunkte, mit Inbetriebnahme vor dem 17. März 2016, sowie Ladepunkte mit bis zu 3,7 Kilowatt Ladeleistung" gemäß Ladesäulenverordnung(öffnet im neuen Fenster) nicht erfasst seien.
Die Verteilung der Ladeeinrichtungen ist allerdings sehr ungleichmäßig: Während in Städten wie Berlin oder Hamburg viele Ladesäulen zur Verfügung stehen, müssen Elektroautomobilisten in ländlichen Regionen, die keine Lademöglichkeit in der eigenen Garage haben, häufig in umliegende Ortschaften fahren, um das Auto zu laden.
6.516 Kommunen sind ohne Ladepunkt
Laut der Bundesnetzagentur gibt es derzeit nicht einmal in der Hälfte der Kommunen in Deutschland die Möglichkeit, an einer öffentlichen Station ein Fahrzeug zu laden: In 6.516 von 10.796 Gemeinden existiert keine öffentlich zugängliche Ladeeinrichtung.

Wer beispielsweise von Hamburg aus einen Ausflug ans Meer macht, sollte die Reichweitenanzeige gut im Blick behalten. Denn vor Ort dürfte Laden schwierig werden. In Schleswig-Holstein etwa haben 859 der 1.106 Gemeinden keine öffentliche Lademöglichkeit.
Auch in den anderen Küstenländern sieht es nicht so gut aus: In Mecklenburg-Vorpommern sind 622 von 726 Gemeinden ohne Ladesäule. In Niedersachsen steht in 527 von 944 Kommunen keine Lademöglichkeit zur Verfügung.
Im Binnenland sieht es nicht besser aus: In Rheinland-Pfalz kann in 1.962 von 2.302 Gemeinden nicht geladen werden. In Sachsen-Anhalt sind 133 von 218 Gemeinden ohne Ladepunkt, in Brandenburg 279 von 417 Gemeinden.
Elektroautomobilisten mögen NRW
Bemerkenswert ist, dass neben Niedersachsen auch die anderen Bundesländer, in denen die Elektroautos gebaut werden, nicht besser dastehen: In Baden-Württemberg, Bayern und in Sachsen, wo VW Elektroautos baut, haben mehr als die Hälfte der Gemeinden keine Lademöglichkeit. Im Gegensatz dazu dürften Elektroautomobilisten Nordrhein-Westfalen lieben: Nur acht Kommunen sind ohne Lademöglichkeit.
Eingebracht hatte die Anfrage Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Partei Die Linke im Bundestag. Im Interview mit der Funke-Mediengruppe kritisierte er die Zahlen. Das sei ein "großes Ladesäulenversagen" .
Ein Umstieg auf Elektromobilität sei nur zu schaffen, wenn Politik die Bereitstellung von Infrastruktur nicht verschlafe: "Wenn mehr als jede zweite Gemeinde in Deutschland ohne öffentlich zugängliche Ladesäule ist, fehlt die Voraussetzung für den Umstieg, insbesondere in ländlichen Regionen" , sagte Bartsch und forderte(öffnet im neuen Fenster) , jede Gemeinde müsse ans Netz.
Viele Elektoautobesitzer behelfen sich damit, daheim einen Ladepunkt zu installieren: Laut der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wurden über 825.000 Anträge auf einen staatlichen Zuschuss gestellt . Knapp eine Million private Ladepunkte sollen so installiert werden.



