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Elektromobilität: Laden scheitert am Komfort und Preis

Es gibt in Deutschland nicht zu wenig öffentliche Ladesäulen. Es gibt zu viele ungepflegte, unpraktische und überteuerte Lademöglichkeiten.
/ Dirk Kunde
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An nicht wenigen Ladeplätzen, wie hier in Sangerhausen, stellt sich ein Gefühl unbehaglicher Einsamkeit ein. (Bild: Dirk Kunde)
An nicht wenigen Ladeplätzen, wie hier in Sangerhausen, stellt sich ein Gefühl unbehaglicher Einsamkeit ein. Bild: Dirk Kunde
Inhalt
  1. Elektromobilität: Laden scheitert am Komfort und Preis
  2. Weder Toiletten noch Mülleimer
  3. Günstig nur mit Vertrag
  4. Staatlicher Eingriff

Über den Boden schleifende Hochvoltkabel, abgebrochene Stecker, unwirtliche Ladeplätze – das Elektroauto zu laden ist vielerorts ein Trauerspiel. Doch nicht nur beim Komfort wird aktuell ein Argument für den Umstieg vom Verbrenner verspielt, hinzu kommt ein veritables Preischaos.

Dabei ist die Zahl der öffentlichen Ladepunkte groß: Der Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), in dem neben Stadtwerken auch große Ladeanbieter organisiert sind, meldete im ersten Halbjahr 2025 184.000(öffnet im neuen Fenster) , die Bundesnetzagentur Anfang Oktober 180.000 Ladepunkte(öffnet im neuen Fenster) , wobei eine Ladesäule meist zwei Ladepunkte hat.

Für eine schnelle Weiterfahrt sind allerdings nur Schnelllader interessant. Davon gibt es laut Bundesnetzagentur 44.247, von diesen liefern 17.296 zwischen 150 und 300 kW sowie 14.248 mehr als 300 kW (Stand: 1. Oktober 2025(öffnet im neuen Fenster) (xlsx)).

Auslastung ist gering

Und wie ist die Auslastung an den Säulen? Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sind in Deutschland knapp zwei Millionen vollelektrische Autos zugelassen. Eine Quote der öffentlichen Ladepunkte pro E-Auto zu errechnen, ist allerdings wenig aussagekräftig, weil die meisten Besitzer an der heimischen Wallbox laden und Deutschland ein Transitland ist.

Laut BDEW lag die Auslastung öffentlicher Ladepunkte Ende des ersten Halbjahres 2025 bei durchschnittlich 15 Prozent. Somit waren 85 Prozent der Ladepunkte stets verfügbar.

Die Eon-Tochter Elvah ermittelt sogar die meistgenutzten HPC-Standorte. Das war im ersten Halbjahr 2025 der Ionity-Ladepark Lutterberg. Die sechs 350 kW-Säulen stehen auf einem Rastplatz an der A7-Ausfahrt in Niedersachsen. Die Auslastung liegt hier bei 33,68 Prozent. Bezogen auf 24 Stunden sind rund acht Stunden alle Anschlüsse belegt, 16 Stunden findet man einen freien Anschluss.

Laut Elvah-Report wiesen die Top-5-Standorte Auslastungen im 30-Prozent-Bereich auf – danach geht es steil abwärts. Durchschnittlich sind HPC-Ladepunkte nur zu 7,18 Prozent belegt, allerdings stammt diese Zahl von März 2025. Jüngere Zahlen konnte Elvah nicht bereitstellen.

Die Zahlen machen eines deutlich: Die Auslastung ist noch gering.

Schlecht gepflegt

Lange Wartezeiten an einer Ladesäule sind also nicht zu erwarten. Erschreckend schlecht ist dagegen die Instandhaltung, wie der Autor des Textes vielfach selbst erlebt hat (und auch der ADAC schon bemängelte ). Bei der Mblty-Ladestation in Lederhose an der A9 in Thüringen schleifen zum Beispiel Hochvolt-Ladekabel über den Boden. An einer Stelle ist schwarzes Klebeband zu erkennen.

Ob der Mantel des Hochvoltkabels defekt ist, lässt sich mit bloßem Auge nicht feststellen – die Finger lässt man trotzdem lieber davon. Auf einem Supermarktparkplatz in Landshut ist ein Teil des CCS-Steckers an einem Schnelllader der Energie Südbayern abgebrochen. Es ist erkennbar kein frischer Schaden.

Häufiger überkommt einen beim Laden zudem ein Gefühl unbehaglicher Einsamkeit. Am Rastplatz Sangerhausen an der A38 in Sachsen-Anhalt fährt man vorbei an diversen Schnellrestaurants, um an die vier Ionity-Ladesäulen zu kommen. Sie stehen versteckt auf der Rückseite einer Spielhalle. In den übrigen Blickrichtungen befinden sich Hügel, die mit Unkraut überwuchert sind, so dass der Ladeplatz nicht einsehbar ist. Es gibt zwei Laternen, doch selbst bei Tageslicht kann man sich an dieser Stelle unwohl fühlen.


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