Elektromobilität: Jede Ladesäule muss künftig Kartenzahlung ermöglichen

Die neue Ladesäulen-Verordnung will spontanes Laden einfacher machen. Der Wirtschaft gefällt das weiterhin gar nicht.

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Ladesäulen müssen künftig ein Kartenterminal haben.
Ladesäulen müssen künftig ein Kartenterminal haben. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Öffentliche Ladesäulen, die nach dem 1. Juli 2023 errichtet werden, müssen über ein Bezahlterminal für EC- und Kreditkarten verfügen. Das sieht die neue Ladesäulenverordnung vor, die am 12. Mai 2021 vom Bundeskabinett beschlossen wurde. "Damit die E-Mobilität sich auf breiter Front durchsetzt, müssen wir nicht nur die Autos fördern, sondern auch das Laden und Bezahlen einfach und unkompliziert gestalten", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zur Begründung.

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Mehrere Wirtschaftsverbände befürchten allerdings, dass durch die zusätzlichen Kosten für die Terminals die Ladevorgänge teurer werden und die Systeme in zwei Jahren nicht zur Verfügung stehen, da sie eichrechtlich neu geprüft werden müssen. Bestehende Ladesäulen müssen aber nicht nachgerüstet werden. Es reicht zudem aus, wenn mehrere Ladepunkte über ein gemeinsam genutztes Terminal in unmittelbarer Nähe verfügen.

Die neue Verordnung (PDF) verlangt in Paragraf 4 vom Betreiber, dass er "a) die für den bargeldlosen Zahlungsvorgang erforderliche Authentifizierung ermöglicht und b) einen kontaktlosen Zahlungsvorgang mindestens mittels eines gängigen Debit- und Kreditkartensystems durch Vorhalten einer Karte mit der Fähigkeit zur Nahfeldkommunikation anbietet".

Das bedeutet, dass die Ladesäule auf jeden Fall in der Lage sein muss, für eine sichere Authentifizierung das Passwort des Kartenbesitzers lesen zu können. In der Begründung verweist die Regierung auf die entsprechende EU-Zahlungsdiensterichtlinie. "Danach ist der Zahlungsdienstleister verpflichtet, eine sogenannte starke Kundenauthentifizierung insbesondere dann zu verlangen, wenn der Zahler einen elektronischen Zahlungsvorgang auslöst", heißt es. Und weiter: "Bei Zahlungen mit einer physischen Karte etwa werden die Anforderungen des Besitzes und des Wissens dadurch erfüllt, dass der Nutzer die Karte besitzt und seine Pin in ein Zahlungsterminal eingibt."

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Würde die Ladesäule nur eine Zahlung per NFC ermöglichen, könnte es häufiger vorkommen, dass der Zahlungsvorgang abgelehnt wird, weil eine Pin verlangt wird.

Regierung will Akzeptanz der E-Mobilität erhöhen

In einem Infopapier (PDF) schreibt die Regierung dazu: "Die Neuregelung ist sehr nutzerfreundlich. Sie gewährleistet, dass spontane Ladevorgänge schnell und einfach bezahlt werden können. Durch die Vorgabe der Zahlung mit gängiger Kredit- und Debitkarte wird sichergestellt, dass nahezu jeder jederzeit an öffentlich zugänglichen Ladesäulen Strom laden und bezahlen kann." Dazu zählten auch solche Personen, die über keine Kreditkarte und kein Smartphone verfügten. Dies steigere die Akzeptanz der Elektromobilität erheblich.

Nach Ansicht der Regierung erleichtert das Angebot einer Kreditkartenzahlung Fahrern von elektrisch betriebenen Fahrzeugen aus dem europäischen Ausland das grenzüberschreitende Laden. "Die Zahlungsmöglichkeit mit Kreditkarte trägt so dazu bei, ein einheitliches europäisches Bezahlsystem bei Ladesäulen zu etablieren", heißt es weiter.

Elektromobilität: Theorie und Praxis zur Ladeinfrastruktur (de-Fachwissen)

Weitere Änderungen der Verordnung betreffen unter anderem das Vorhandensein von Ladekabeln. Demnach können künftig auch kleinere Wechselstromsäulen mit bis zu 22 kW Ladeleistung mit einem fest angebrachten Ladekabel ausgestattet werden. Das war bisher nur bei Gleichstromsäulen der Fall.

Außerdem muss künftig bei Ladepunkten, die nach dem 1. März 2022 in Betrieb genommen werden, eine Schnittstelle vorhanden sein, um Standortinformationen und dynamische Daten übermitteln zu können. Dazu zählten insbesondere die Betriebsbereitschaft und der Belegungsstatus der Ladesäule.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erneuerte anlässlich des Kabinettsbeschlusses seine Kritik an den Plänen. Damit werde der Hochlauf der Elektromobilität künstlich erschwert. "Statt Hindernisse aus dem Weg zu räumen, wurde mit der Pflicht zum Einbau von Kartenlesegeräten ein zusätzlicher Bremsklotz geschaffen. Das macht insbesondere mit Blick auf das ebenfalls heute verabschiedete Klimaschutzgesetz keinen Sinn, denn das wird dann mit Leben gefüllt, wenn wir an Tempo auch im Bereich Elektromobilität gewinnen", sagte BDEW-Geschäftsführerin Kerstin Andreae.

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a.ehrenforth 16. Mai 2021

Warum glaubst du, dass SumUp oder andere innovative Anbieter nicht auf den Ladesäulen-Zug...

wasdeeh 15. Mai 2021

Also hier in AUT haben *alle* Automaten auch Bezahlfunktion (und NFC). Einen Slot zum...

Phonehoppy 14. Mai 2021

Da hinkt doch jeder Vergleich. Beim Strom für Deine Wohnung/Dein Haus musst Du ja auch...

Phonehoppy 14. Mai 2021

Ich muss vorausschicken: Ich fahre seit 6 Jahren ausschließlich elektrisch und habe mich...

Sarcas Mus 14. Mai 2021

Die Ladekarten gibt es kostenlos, nix zwangsweise Vertragsbindung. Stell dir vor, du...



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