Elektromobilität: Branche fordert Maßnahmen gegen Ladekabel-Diebstahl

Der Verein Inspire, ein Zusammenschluss verschiedener Unternehmen aus dem Lade-Ökosystem, hat sich mit einem dringenden Appell an die Bundesregierung gewandt. Darin wird gefordert, den Schutz der öffentlichen Ladeinfrastruktur vor dem massiv zunehmenden Diebstahl von Ladekabeln zu verbessern. Die Initiative sieht in der aktuellen Kriminalitätswelle eine ernsthafte Bedrohung für den Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland(öffnet im neuen Fenster) .
Hintergrund des Vorstoßes sind die massiv gestiegenen Fallzahlen von Kabelschnitten an Schnellladestationen und städtischen Ladesäulen. Die Täter haben es dabei primär auf das in den Kabeln enthaltene Kupfer abgesehen, dessen Weltmarktpreis sich weiterhin auf einem hohen Niveau bewegt.
Während der reine Materialwert des Metalls pro Kabel oft nur im zweistelligen Euro-Bereich liegt, entstehen für die Betreiber Schäden in Millionenhöhe durch teure Reparaturen, lange Ausfallzeiten der Stationen und den Ersatz der spezialisierten Technik.
Organisierte Kriminalität und hohe Sachschäden
Laut den Verbänden handelt es sich bei den Taten längst nicht mehr um vereinzelten Vandalismus oder Gelegenheitsdiebstähle, sondern um gut organisierte Strukturen. In vielen Fällen werden systematisch die Kabel ganzer Ladeparks in einer einzigen Nacht entwendet.
Neben dem unmittelbaren wirtschaftlichen Schaden wiege der Vertrauensverlust bei den Nutzerinnen und Nutzern schwer, heißt es in dem Schreiben. Wer wiederholt vor einer defekten oder durch Diebstahl unbrauchbar gemachten Säule stehe, zweifele an der Verlässlichkeit der öffentlichen Ladeinfrastruktur, was die Akzeptanz der Verkehrswende insgesamt gefährde.
Die Branche sieht sich allein nicht in der Lage, das Problem flächendeckend zu lösen. Zwar investieren viele Betreiber bereits in technische Schutzmaßnahmen wie Sensorik, Videoüberwachung oder Alarmsysteme.
Betreiber wie EnBW oder Ionity gehen zum Beispiel bereits dazu über, ihre Standorte massiv mit KI-gestützter Kameraüberwachung(öffnet im neuen Fenster) , Farbpatronen(öffnet im neuen Fenster) und sogar künstlicher DNA(öffnet im neuen Fenster) zur Markierung der Kupferleitungen zu schützen. Solche kostspieligen Eigenmaßnahmen treiben die Kosten für den weiteren Netzausbau jedoch zusätzlich in die Höhe.
Gesetzliche Verschärfungen im Schrotthandel gefordert
In dem Schreiben an das Bundesinnenministerium und das Bundesjustizministerium fordert der Verband daher konkrete politische und regulatorische Schritte. Ein zentraler Punkt ist die Verschärfung der Sorgfaltspflichten im Schrotthandel.
Die Branchenvertreter plädieren für eine Ausweitung der Ausweispflicht und eine verpflichtende bargeldlose Zahlung beim Ankauf von Buntmetallen. Das Ziel müsse lauten, die Anonymität der Verkäufer aufzuheben und die Absatzwege für das Diebesgut effektiv zu schließen.
Des Weiteren fordert die Industrie eine engere Zusammenarbeit der Polizeibehörden über Ländergrenzen hinweg sowie eine spezialisierte Strafverfolgung. Die Diebstähle müssten als gezielte Angriffe auf kritische Infrastrukturen gewertet werden, um entsprechend höhers Strafen zu ermöglichen. Nur durch einen erhöhten Fahndungsdruck und eine lückenlose Dokumentation der Warenströme im Recyclingsektor lasse sich der wirtschaftliche Anreiz für kriminelle Banden dauerhaft senken.



