Elektromobilität 2020/21: Nur Tesla legte in der Krise zu

Für die Autoindustrie war 2020 ein hartes Jahr. Wer im Homeoffice arbeitet und auch sonst zu Hause bleibt, braucht kein neues Auto. Doch in einem schwierigen Umfeld entwickelten sich die E-Auto-Verkäufe sehr gut.

Eine Analyse von Dirk Kunde veröffentlicht am
Laden mit 250 kW: mehr Anträge als in den gesamten vier Jahren zuvor
Laden mit 250 kW: mehr Anträge als in den gesamten vier Jahren zuvor (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Das Coronavirus wirkt sich auf Autoverkäufe aus: 2020 war dafür in Europa das schwächste Jahr dieses Jahrhunderts, wie das Beratungsunternehmen PWC herausgefunden hat. Weltweit falle das Marktvolumen auf den Stand von 2011 zurück. Für Deutschland macht das eine Grafik des Kraftfahrtbundesamts deutlich. Der hellgrüne Neuzulassungs-Verlauf blieb bis August unter den beiden Vorjahren.

Inhalt:
  1. Elektromobilität 2020/21: Nur Tesla legte in der Krise zu
  2. Deutsche Hersteller fahren elektrisch
  3. Die Ladeinfrastrukutur wird besser

Die rückläufigen Absatzzahlen bei den einzelnen Marken sind durch rote Balken geprägt. Um die 40 Prozent weniger Neuzulassungen verzeichneten Dacia, Mazda und Suzuki. Bei Smart waren es sogar knapp 70 Prozent. In der KBA-Grafik findet man nur einen einzigen grünen Balken. Der gehört zum einzigen reinen Elektroautohersteller.

Nur Tesla legt zu

Tesla verzeichnet ein Zulassungsplus von 37,2 Prozent. Das ist die gute Nachricht: Die Zulassungen von Autos mit elektrischen Antrieben gingen in Deutschland spürbar nach oben (+ 206 Prozent). 1,06 Millionen Elektroautos und Plugin-Hybride kamen in der EU, Island, Norwegen und der Schweiz auf die Straßen. Reine Elektroautos lägen dabei mit 53 Prozent leicht vorn, schreibt Schmidt Automotive Research.

Dabei dominiert Deutschland den E-Markt. Bis Ende Oktober wurden hierzulande mehr Steckerfahrzeuge zugelassen als in Großbritannien und Frankreich zusammen. 2019 wurden in Deutschland rund 63.000 Elektroautos angemeldet. 2020 lag die Zahl laut KBA bei 194.000. Auch die Anträge für den Umweltbonus zeigen einen deutlichen Trend. 2020 wurden mehr Anträge gestellt (bis November 208.000) als in den gesamten vier Jahren zuvor (165.000). Elektromobilität ist in Deutschland angekommen.

  • Neuzulassungen bei Pkw 2018 - 2020 (Bild: Kraftfahrtbundesamt)
  • Neuzulassungen bei Pkw 2018 - 2020 (Bild: Kraftfahrtbundesamt)
Neuzulassungen bei Pkw 2018 - 2020 (Bild: Kraftfahrtbundesamt)
Stellenmarkt
  1. Head of Customer Segment Management (m/w/d)
    Fressnapf Holding SE, Krefeld
  2. Requirements Engineer (w/m/d) Softwareentwicklung
    SSI SCHÄFER IT Solutions GmbH, Dortmund, Giebelstadt
Detailsuche

Volkswagen (VW), einer der größten Autohersteller der Welt, wollte 2020 endlich in den Massenmarkt einsteigen. Doch die Premiere des ID.3 verlief nicht wie geplant. Mehrere Verschiebungen und massive Softwarefehler erschwerten den Start des elektrischen Kompaktautos. So wurden im vergangenen Jahr nur 7.144 Modelle des Hoffnungsträgers von VW hierzulande zugelassen.

Die ersten Käufer konnten wählen: Warten auf die finale Software oder mit der Beta-Version fahren und einen Satz Winterreifen geschenkt bekommen. Immerhin konnten sich Erstkäufer über ihre Probleme in einem Online-Forum austauschen - VW hörte zu und gab Antworten. Das ist schon ein Novum in Wolfsburg. Bis zum Dieselskandal wurden Diskussionen mit Kunden eher von oben herab als auf Augenhöhe geführt.

Diess muss kämpfen

Die finale Software wird nun sukzessive bei Werkstattbesuchen aufgespielt. Danach sollen Over-the-Air-Updates möglich sein. Auch bei der Ladeleistung will man beim ID.3 auf bis zu 170 kW nachlegen. Doch berichten Auto-Tester in ihren Videos von einer enttäuschenden Ladeleistung in den aktuellen Versionen, die nicht an die angegebenen 100 kW heranreichen

Elektromobilität: Theorie und Praxis zur Ladeinfrastruktur (de-Fachwissen)

Der ID.4 wird nun ausgeliefert - und mit ihm weitere Modelle auf der MEB-Plattform. Doch die Weihnachtsspiele von Wolfsburg lassen nichts Gutes erahnen. Vorstandschef Herbert Diess konnte sich mit seinen Vorstellungen nicht gegen den Aufsichtsrat, bestehend aus der Porsche-Familie, dem Land Niedersachsen und den Arbeitnehmervertretern, durchsetzen.

Diess will den Vorsprung des Branchenführers Tesla aufholen. Doch das Beharrungsvermögen im beschaulichen Wolfsburg ist groß. Dabei wird der Druck von außen immer größer: Aus dem Osten drängen chinesische Wettbewerber wie Aiways, Nio, Xpeng und andere auf den Markt. Aus dem Westen kommen neben Tesla demnächst Rivian und Lucid nach Europa. Direkt vor der eigenen Haustür, im brandenburgischen Grünheide, entsteht die Tesla-Autofabrik. An dieser Stelle will Elon Musk auch die weltgrößte Batterieproduktion mit einer Kapazität von bis zu 250 Gigawattstunden errichten. Mittelfristig will Tesla ein Elektroauto zum Startpreis von 25.000 US-Dollar anbieten.

Ob die deutsche Autoindustrie auch günstig sein kann, wird sich noch zeigen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Deutsche Hersteller fahren elektrisch 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Daniel1529 27. Jan 2021

Die Elektromobilität wird immer größer im Markt in den letzten paar Jahre. Da sie, die...

derdiedas 25. Jan 2021

Das sind gerade diejenigen die auch gerne mal Subventionen für das 2. oder Drittauto...

Dwalinn 21. Jan 2021

Folgekosten sind halt für folgende Generationen... ist doch nicht unser Problem...

Manuel2020 20. Jan 2021

Ok. Das is bitter.

Elchfighter 20. Jan 2021

Ach Golem. Also der zweite Teil der Analyse ist echt ok. Der erste leider wieder nichts...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Waffensystem Spur
Menschen töten, so einfach wie Atmen

Soldaten müssen bald nicht mehr um ihr Leben fürchten. Wozu auch, wenn sie aus sicherer Entfernung Roboter in den Krieg schicken können.
Ein IMHO von Oliver Nickel

Waffensystem Spur: Menschen töten, so einfach wie Atmen
Artikel
  1. Wochenrückblick: Moderne Lösungen
    Wochenrückblick
    Moderne Lösungen

    Golem.de-Wochenrückblick Eine Anzeige gegen einen Programmierer und eine neue Switch: die Woche im Video.

  2. Pornoplattform: Journalisten wollen Xhamster-Eigentümer gefunden haben
    Pornoplattform
    Journalisten wollen Xhamster-Eigentümer gefunden haben

    Xhamster ist und bleibt Heimat für zahlreiche rechtswidrige Inhalte. Doch ohne zu wissen, wer profitiert, wusste man bisher auch nicht, wer verantwortlich ist.

  3. NFTs: Valve verbannt Blockchain-Spiele und NFTs auf Steam
    NFTs
    Valve verbannt Blockchain-Spiele und NFTs auf Steam

    Nach einer Regeländerung sind Blockchain-Spiele nicht mehr auf Steam erlaubt. Konkurrent Epic will dies aber offenbar erlauben.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Cyber Week: Bis zu 40€ Rabatt auf Samsung-SSDs • ADATA XPG Spectrix D55 16-GB-Kit 3200 56,61€ • Crucial P5 Plus 1 TB 129,99€ • Kingston NV1 500 GB 35,99€ • Creative Sound BlasterX G5 89,99€ • Alternate (u. a. AKRacing Core SX 248,99€) • Gamesplanet Anniv. Sale Classic & Retro [Werbung]
    •  /