Elektromagnetisches Geschoss: Railgun hat Feldtest erfolgreich absolviert
Am französisch-deutsche Forschungsinstitut in Saint-Louis (ISL)(öffnet im neuen Fenster) auf der französischen Seite des Dreiländerecks zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz konnte eine sogenannte Railgun (Schienengewehr) in ersten Feldtests eingesetzt werden.
Dabei wird das Projektil nicht durch chemische Energie, also etwa durch die Explosion von Schießpulver, sondern durch ein starkes Magnetfeld beschleunigt. Das Geschoss befindet sich dafür auf einem Schlitten, der zwischen zwei Schienen auf eine Geschwindigkeit im Bereich von mehreren Kilometern pro Sekunde (km/s) beschleunigt wird.
Damit ähnelt das Prinzip auch dem sogenannten Gaussgewehr, bei dem jedoch Spulen für die Beschleunigung eingesetzt werden. Die Railgun mit den beiden Schienen ist dagegen vom Grundprinzip her vergleichbar mit einer Magnetschwebebahn.
Feldtest als erster Schritt für den Einsatz
Laut Forschungsinstitut hat es zwei Jahre gedauert, die Anlage aus dem Labor ins Freie zu übertragen. Dadurch sollen nicht nur die Umgebungsbedingungen realistischer werden.
Weil das Projektil erst einmal wirklich fliegt, können die Bahnkurve, das Flugverhalten und die Auswirkungen des Designs untersucht werden. Dafür soll die Distanz in nächster Zeit immer weiter vergrößert werden. Auch die Energie, die für die einzelnen Beschleunigungen eingesetzt wird, soll in den Feldtests immer weiter gesteigert werden, um die Belastbarkeit des Systems zu prüfen. Die Forschung am ISL ist Teil des europäischen Projekts Pilum(öffnet im neuen Fenster), um die Technik der Railgun weiterzuentwickeln.
Problematische Stromversorgung
Das größte Problem der Technik liegt in der Bereitstellung einer ausreichend hohen Leistung. Ein Stahlgeschoss besitzt je nach Größe und Geschwindigkeit eine Energie von mehreren Megajoule, die in wenigen Millisekunden zugeführt werden muss.
Schon für 100 Gramm Masse und eine Geschwindigkeit von 2 bis 3 km/s wäre demnach eine Leistung von mehreren Megawatt notwendig. Diese Beschränkung erlaubt derzeit allenfalls einen stationären Einsatz oder die Verwendung auf Schiffen.
Für den geplanten Einsatz zu Verteidigungszwecken gegen Flugkörper im Hyperschallbereich, somit ebenfalls im Bereich von ungefähr 2 km/s oder mindestens Mach 5, dürften laut ISL noch Jahre vergehen. Auch andere Länder, unter anderem Japan und die USA, forschen an der Technik, befinden sich jedoch ebenfalls in der Phase der Erprobung von Prototypen.


