Elektroautos: Warum die Eichämter ungeeichte Schnelllader dulden

Noch immer sind zahlreiche Schnellladesäulen in Deutschland nicht eichrechtskonform. Die Eichbehörden tolerieren dies aus mehreren Gründen.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Nur wenige Schnelllader dürften schon eichrechtskonform sein.
Nur wenige Schnelllader dürften schon eichrechtskonform sein. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Die Eichbehörden halten den Betrieb nicht eichrechtskonformer Ladesäulen in Deutschland weiterhin für vertretbar. "Derzeit überwiegt nach unserer Auffassung das Interesse der Allgemeinheit an vorhandener Ladeinfrastruktur gegenüber der Gefahr, dass es auf Grund nicht eichrechtskonformer Messungen zu Vertrauensverlusten bezüglich der Abrechnung kommen könnte", teilte die Arbeitsgemeinschaft Mess- und Eichwesen (AGME) auf Anfrage von Golem.de mit. Auch wegen der Corona-Krise und des Halbleitermangels sei geeignete Gleichstrommesstechnik derzeit nur eingeschränkt verfügbar.

Stellenmarkt
  1. Crisis and Business Continuity Management Expert (m/w/d)
    ALDI International Services SE & Co. oHG, Mülheim an der Ruhr
  2. Datenschutzkoordinator (m/w/d)
    S-Kreditpartner GmbH, Berlin
Detailsuche

Hintergrund der Entscheidung ist das Problem, dass für Schnelllader kaum geeignete Messwandler zur Verfügung stehen, die direkt den abgegebenen Gleichstrom messen können. Die Anbieter behelfen sich damit, dass sie beispielsweise den Drehstromverbrauch vor dem Gleichrichter messen und die Verluste pauschal davon abziehen.

Das Problem ist allerdings schon seit Jahren bekannt. Aus diesem Grund hatte die AGME im November 2017 ein Infoblatt (PDF) veröffentlicht, wonach die nicht eichrechtskonforme Abrechnung bei Schnellladern nur noch bis März 2019 toleriert wird.

Markt hat sich schnell entwickelt

Dazu teilte die AGME nun mit: "Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Infoblattes war die Elektromobilität noch ein kleiner Markt, der erst in der Entwicklung war. Dies hat sich jedoch um 2019 herum geändert." Deshalb hätten die Eichbehörden mit Ablauf der Regelungen aus dem Infoblatt "die Vorgehensweise dahingehend geändert, die Fälle individuell zu behandeln und von pauschalen Regelungen abzusehen".

Golem Akademie
  1. Penetration Testing Fundamentals: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    17.–18. Januar 2022, Virtuell
  2. Advanced Python – Fortgeschrittene Programmierthemen: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    27.–28. Januar 2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Weiter heißt es: "Es ist davon auszugehen, dass derzeit weiterhin viele Gleichstromsäulen noch nicht eichrechtskonform betrieben werden, da zurzeit nur sehr wenige eichrechtskonforme Gleichstromschnellladesäulen tatsächlich auf dem Markt verfügbar sind." Dies ist nach Einschätzung der AGME "sowohl auf die noch schlechte Verfügbarkeit von geeigneter Gleichstrommesstechnik zurückzuführen, als auch auf Effekte, die durch die Corona-Krise verursacht wurden". Zusätzlich sei ein Teil der Verzögerung auf die Halbleiterkrise zurückzuführen.

Die Eichbehörden haben jedoch den Eindruck gewonnen, "dass die meisten Hersteller bestrebt sind, eichrechtskonforme Produkte auf den Markt zu bringen". Bei der Frage, ob eine Ladesäule stillgelegt werde, seien die Behörden jedoch an den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gebunden. "Hierbei ist zu berücksichtigen, dass sich die allermeisten noch nicht eichrechtskonformen Ladesäulen von eichrechtskonformen Ladesäulen eher dadurch unterscheiden, dass zusätzliche Funktionen, die über die Messrichtigkeit hinausgehen, noch nicht konformitätsbewertet werden konnten", schreibt AGME.

Eine sofortige Untersagung sei deshalb "nach unserer Auffassung zurzeit nicht angemessen und würde somit den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit nicht erfüllen". Die Eichbehörden gehen jedoch davon aus, "dass diese Abwägung mit zunehmender Marktverfügbarkeit von eichrechtskonformen Ladesäulen anders ausfällt".

Eine konkrete Frist für die Umrüstung setzt die AGME den Ladenetzbetreibern jedoch nicht. Sollten die Eichbehörden in absehbarer Zeit zu dem Schluss kommen, dass eine eichrechtskonforme Messung problemlos umsetzbar ist, dürfte daher den Ladenetzbetreibern eine Stilllegung ihrer Säulen drohen.

Handelsblatt: Erst vier Anbieter mit korrekter Messung

Einem Bericht des Handelsblatts vom August 2021 zufolge haben erst vier Anbieter eichrechtskonforme Schnelllader im Angebot. Dazu zählten Compleo, Porsche, ABB und Alpitronic. Erst seit Ende Februar 2019 steht überhaupt ein eichrechtskonformer Gleichstromzähler zur Verfügung. Der Schweizer Hersteller LEM erhielt damals als erster Anbieter die Baumusterprüfbescheinigung der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB).

Anbieter wie Tritium, Delta und Efacec haben laut Handelsblatt hingegen noch keine eichrechtskonformen Ladesäulen. Von ihnen sind zusammen mehr als 1.400 öffentliche Ladesäulen in Betrieb, berichtete das Blatt unter Berufung auf Daten von Goingelectric.de. Dem Bericht zufolge hoffen Bundesregierung und Eichbehörden, dass bis Mitte 2022 alle Schnellladesäulen umgerüstet sein werden.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


bytewarrior123 25. Nov 2021 / Themenstart

Naja, wie es ohne Vorgaben/Normen, an die man sich anlehnen kann, nicht funktioniert...

bytewarrior123 25. Nov 2021 / Themenstart

Und genau das tut er doch - der Eingangsstrom wird nach Abzug geringer Wandlerverlusten...

knabba 13. Nov 2021 / Themenstart

Es ist einfach albern. Wenn die ganze Welt ohne den Quatsch auskommt, warum muss...

M.P. 12. Nov 2021 / Themenstart

Dazu müsste es PKWs mit 350 kWh Akkus geben ... Das wäre über eine Tonne Akkugewicht ...

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
MS Satoshi
Die abstruse Geschichte des Bitcoin-Kreuzfahrtschiffs

Kryptogeld-Enthusiasten kauften ein Kreuzfahrtschiff und wollten es zum schwimmenden Freiheitsparadies machen. Allerdings scheiterten sie an jeder einzelnen Stelle.
Von Elke Wittich

MS Satoshi: Die abstruse Geschichte des Bitcoin-Kreuzfahrtschiffs
Artikel
  1. Gigafactory Berlin: Tesla verzichtet für Akkufertigung auf staatliche Förderung
    Gigafactory Berlin
    Tesla verzichtet für Akkufertigung auf staatliche Förderung

    Tesla verzichtet für die geplante Akkufertigung in Grünheide bei Berlin auf eine mögliche staatliche Förderung in Milliardenhöhe.

  2. Microsoft: Xbox-Spieler in Halo Infinite von Crossplay genervt
    Microsoft
    Xbox-Spieler in Halo Infinite von Crossplay genervt

    Im Multiplayer von Halo Infinite gibt es offenbar immer mehr Cheater. Nun fordern Xbox-Spieler eine Option, um gemeinsame Partien mit PCs zu vermeiden.

  3. 50 Prozent bei IT-Weiterbildung sparen
     
    50 Prozent bei IT-Weiterbildung sparen

    Die Black Week 2021 in der Golem Karrierewelt läuft weiter: 50 Prozent bei zahlreichen Live-Workshops, Coachings und E-Learnings sparen - noch bis Montag!
    Sponsored Post von Golem Akademie

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Heute ist Black Friday • Corsair MP600 Pro XT 1TB 167,96€ • Apple Watch Series 6 ab 379€ • Boxsets (u. a. Game of Thrones Blu-ray 79,97€) • Samsung Galaxy S21 128GB 777€ • Premium-Laptops (u. a. Lenovo Ideapad 5 Pro 16" 829€) • MS Surface Pro7+ 888€ • Astro Gaming Headsets [Werbung]
    •  /