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Elektroautos: Ford will künftig auf VW-Plattformen verzichten

Bisher setzt der US-Hersteller Ford bei seinen elektrischen Pkw-Modellen auf die MEB-Plattform von VW . Das soll sich künftig ändern.
/ Friedhelm Greis
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Produktion des vollelektrischen F-150 Lightning im Ford-Werk in Dearborn/Michigan (Bild: Rebecca Cook/Reuters)
Produktion des vollelektrischen F-150 Lightning im Ford-Werk in Dearborn/Michigan Bild: Rebecca Cook/Reuters

Der US-Autohersteller Ford will für seine neue Generation von Elektroautos nicht mehr auf die Kooperation mit Volkswagen zurückgreifen. Von Mitte des Jahrzehnts sollten die Fahrzeuge das hauseigene System nutzen, das von Ford in den USA entwickelt werde, sagte Martin Sander, Leiter des Bereichs Elektrofahrzeuge in Europa, der Financial Times (Paywall)(öffnet im neuen Fenster) .

Das neue System habe "keine Art von Integration [mit VW], es ist sehr vielseitig, sehr leistungsfähig" , sagte Sander und fügte hinzu: "Wir erkunden alle Arten von Möglichkeiten, wie weit wir gehen können und welche Bereiche wir damit abdecken können." Die Fahrzeuge könnten im Ford-Werk im spanischen Valencia gebaut werden, nachdem das Werk Saarlouis den firmeninternen Standortwettbewerb verloren hatte .

In diesem Jahr will Ford mit der Produktion eines neuen vollelektrischen Pkw in seinem Werk in Köln beginnen . Von 2024 an soll die Produktion in Köln um ein zweites neues vollelektrisches Modell erweitert werden . Beide Modelle basieren auf dem Modularen Elektro-Baukasten (MEB) des Volkswagen-Konzerns. "Die Vereinbarung wurde im Rahmen der strategischen Allianz von Volkswagen und Ford geschlossen, die neben der E-Mobilität auch das Geschäft mit Nutzfahrzeugen und das autonome Fahren umfasst" , teilte Volkswagen im März 2022 mit.

Doch inzwischen ist die enge Beziehung zwischen beiden Firmen etwas abgekühlt. So beendete VW im Oktober 2022 die Kooperation mit der Ford-Tochter Argo AI beim autonomen Fahren. Der Financial Times zufolge baut Ford jedoch weiterhin den nächsten Lieferwagen von VW, ebenso wie den nächsten Pick-up-Truck und einen künftigen Elektro-Van.

Endgültige Entscheidung noch offen

Nach Angaben von Sanders wurde bislang noch keine "endgültige Entscheidung" über die künftige Zusammenarbeit mit VW bei Elektroautos getroffen. Ford sei weiterhin "offen" dafür, Fahrzeuge auf Basis anderer Systemen zu bauen, sei es von VW oder "einem anderen Unternehmen" .

Einen günstigen Kleinwagen, der dem auslaufenden Verbrennermodell Fiesta folgen könnte, plant Ford derzeit noch nicht. "Wir denken im Moment nicht an Einstiegsfahrzeuge" , sagte Sander. Das Unternehmen sei jedoch offen dafür, falls die Batteriekosten in Zukunft ausreichend sinken sollten. Es hänge davon ab, "ob ein Einstiegsfahrzeug finanziell machbar ist" , ergänzte Sander und fügte hinzu: "Wir wissen, dass wir einen großen Kundenstamm haben."

Verbrennerausstieg könnte früher kommen

Was den Ausstieg aus der Verbrennerproduktion betrifft, will sich Ford an den Kundenwünschen orientieren. "Wir lassen sie so lange laufen, wie unsere Kunden sie wollen. Wenn wir im Jahr 2028 sehen, dass es keine Nachfrage nach Produkten mit Verbrennungsmotoren gibt, dann werden wir möglicherweise eine Entscheidung treffen. Aber im Moment ist unser Plan, Puma und Kuga bis 2029, 2030 laufen zu lassen" , sagte Sander.

Das geplante Zulassungsverbot für neue Verbrennerfahrzeuge nach 2035 in der EU hält Sander für eine "sehr theoretische Diskussion" . Er könne nicht glauben, "dass es eine große Anzahl von Verbrauchern gibt, die im Jahr 2035 nach Produkten mit Verbrennungsmotoren fragen werden" .

Einen vorzeitigen Ausstieg aus der Verbrennertechnik könnten zudem die strengeren Abgasvorschriften der EU bedeuten. Die neuen Regeln wären "dramatisch für die gesamte Branche" , wenn sie 2025 und nicht erst später im Jahrzehnt eingeführt würden, sagte Sander. Damit werde es wahrscheinlich, dass Ford einige Fahrzeugproduktionen vorzeitig beende.


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