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Schnell und leise: Elektrorenner während der ersten Saison in Berlin
Schnell und leise: Elektrorenner während der ersten Saison in Berlin (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Elektroautos: Die Formel E kann nur besser werden

Schnell und leise: Elektrorenner während der ersten Saison in Berlin
Schnell und leise: Elektrorenner während der ersten Saison in Berlin (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Wenn die zweite Saison der Formel E am kommenden Wochenende in Beijing startet, gibt es einige Neuerungen wie eine erhöhte Leistung der Motoren. Das reicht aber noch lange nicht, um die Formel E so attraktiv wie andere Motorsportarten zu machen.
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

Die Formel E ist vor einem Jahr als neue Rennserie gestartet. Schon der Name sollte ihr einen Hauch des Prestiges der Formel 1 verleihen. Dabei ist es kein Problem, dass die Leistung hinter der Formel 1 zurückblieb. Immerhin sollte die Entwicklung und Verbesserung der Technik eines der wichtigsten Ziele sein. Wenn man die Formel E schon nicht an der Formel 1 messen kann, dann zumindest an ihrem selbst gesteckten Ziel. Und das ist noch lange nicht erreicht.

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Zweifel gab es schon am ursprünglichen Konzept der Wagen. Für die Leistung sind die Batterien zum Beispiel der mit Abstand wichtigste Teil der Autos. Sie sind aber auch der Teil, der bei der Formel E sträflich vernachlässigt wird. Die knapp 900 Kilogramm schweren Wagen haben eine 200 Kilogramm schwere Batterie, mit einer Kapazität von 28 Kilowattstunden (kWh). Eine 300 Kilogramm schwere Batterie hätte das Gewicht nur um etwas mehr als 11 Prozent erhöht, die Kapazität aber um volle 50 Prozent. Man sollte meinen, dass ein reinrassiger Sportwagen solche Möglichkeiten nicht ungenutzt lassen würde.

Allwetterreifen haben eine schlechte Bodenhaftung

Genauso viel Potenzial lässt man mit den Reifen auf der Strecke liegen. Anstatt weicher, profilloser Rennreifen benutzt man Allwetterreifen. Die sorgen mit schlechter Bodenhaftung aber für noch langsamere Kurvengeschwindigkeiten, was die Autos gerade in den engen Stadtkursen schwerfällig macht.

Auch die Motorleistung enttäuscht: Die Leistung wurde im Rennen auf 150 Kilowattstunden begrenzt. Diese Grenze wurde nun zwar auf 170 Kilowattstunden heraufgesetzt, aber auch damit erreicht die Formel E nicht mehr als das Leistungsgewicht der Formel 4. Das ist die Anfängerklasse für Fahrer ab 15 Jahren. Genau wie in der Formel 4 wird auch in der Formel E eine Distanz von 80 Kilometern gefahren, nur mit Boxenstopp plus Autowechsel.

Wer glaubt, dass in der Formel E alles daran gesetzt würde, die Batterie als zentrales Bauteil des Autos zu verbessern, irrt. Wegen der hohen Entwicklungskosten wurde die Entwicklung eigener Batterien jetzt auf die 5. Saison der Formel E verschoben, die in drei Jahren beginnt. In dieser Saison wurde nur die Entwicklung eines eigenen Antriebsstrangs, mit Motor, Kühlung und Getriebe, freigegeben. In der Zwischenzeit wird mit Standardbatterien gefahren, die für ihr Gewicht nicht sonderlich leistungsfähig sind.

Ein fragwürdiges Regelwerk

Das liegt auch daran, dass ein Batteriesatz die ganze Saison halten soll. Um das zu erreichen, wurde für die Formel E ein Regelwerk entworfen, bei dem selbst eine Zehntel Kilowattstunde zu viel genutzte Energie zur Disqualifikation führt. Dabei wäre gerade hier eine Optimierung im Umgang mit der vorhandenen Technik wünschenswert. Wenn das Management der Teams in dieser Frage schlecht ist und sie die Batterien verschleißen, ist das ihr Problem.

Die Techniker könnten auch die Leistung der Batterien insgesamt erhöhen, wenn zwei oder drei Batteriesätze pro Auto in der Saison erlaubt wären und es den Teams selbst überlassen wäre, wie stark sie die Batterien in jedem Rennen verschleißen wollen. Es wäre sicher keine finanzielle Überforderung. Aber es würde den Sport interessanter und praxisnäher machen. Wer die Batterien zu hart rannimmt, hat eben am Ende der Saison ein Problem. Batteriemanagement gehört zu den wichtigsten Alltagsproblemen im Umgang mit elektrischen Geräten und gerade da könnte die Formel E auch Aufklärungsarbeit leisten. Tut sie aber nicht.

Spannung durch Batteriemanagement

Die Teams könnten die pro Rennen verfügbare Energiemenge auch anders erhöhen. Derzeit können Autos im Rennen nicht nachgeladen werden. Sie dürfen nur ausgetauscht werden. Dabei ist das Laden von Akkus wirklich keine Magie. Es ist auch egal, dass die Teams 45 Minuten brauchen, um die Batterien voll aufzuladen. Denn die Akkus müssen gar nicht voll aufgeladen werden, um nach 20 bis 30 Minuten Ladezeit einen deutlichen Gewinn zu haben. Durch das Nachladen könnten nicht nur die Leistung oder die Renndistanz erhöht werden, es gäbe ganz neue Möglichkeiten der Strategie.

Denn um eine Batterie aufladen zu können, muss sie erst einmal entladen werden. Je nach Rennsituation ist das Optimum dafür anders. Man müsste mit zwei Boxenstopps drei Faktoren beachten. Die Energie, die im ersten Stint verbraucht würde, die Energie, die in der Box aufgeladen werden könnte und schließlich die Energie, die im letzten Stint überhaupt noch genutzt werden kann. Denn was nützt ein voll aufgeladenes Auto, wenn nur noch zwei Runden zu fahren sind?

Auch das wäre eine Änderung, die mit den vorhandenen Autos sofort umgesetzt werden könnte. Aber über das Nachladen von Autos wird bei der Formel E nur in Zusammenhang mit drahtlosem Aufladen gesprochen. Vielleicht wäre es an der Zeit, die eigenen Ansprüche dort etwas herunterzuschrauben und dem schnöden Ladekabel die Ehre zu geben.

Ist das Scheitern programmiert?

Und hier liegt der eigentliche Grund für meine Frustration mit der Formel E. Sie gibt sich selbst den Anschein einer Hightech-Serie, setzt aber tatsächlich sehr konservative Technik ein. Und selbst mit dieser Technik schafft sie es noch, sehr viel Potenzial zu verschenken. Um die objektive Leistungsschwäche wird herumgeschwafelt, um nur nicht das kaum gerechtfertigte Hightech-Image zu beschädigen. Gleichzeitig ist das aber auch die Faszination dabei. So wie die Serie derzeit aufgestellt ist, wird sie früher oder später scheitern und ich möchte sehen, was die Macher der Formel E dagegen tun werden.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)

Frank Wunderlich-Pfeiffer ist Wirtschaftsingenieur, hat Physik in Jena studiert und bloggt auf Science Blogs über wissenschaftliche Themen. Außerdem betreibt er den Countdown-Podcast.


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FaLLoC 27. Okt 2015

Die Brennstoffzelle mit 170kW output möchte ich sehen. Die dürfte eine halbe Tonne...

FaLLoC 27. Okt 2015

kt=kein Text

bernd71 26. Okt 2015

Genau, deshalb kann man sie auch nur im Pay-TV sehen, um breite Massen zu erreichen.

cruzxmatic 24. Okt 2015

in den Stadtkursen kann doch nicht mal richtig überholt werden. Es ist viel zu eng um...

Frank... 24. Okt 2015

@PearNotApple Ich habe in dem Artikel mit Absicht nur auf die Formel 4 verwiesen. https...



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