Elektroautos: Audi-Chef Döllner will sich mit Verbrennern durchwursteln
Der Ingolstädter Autohersteller Audi setzt länger als ursprünglich geplant auf die Produktion von Verbrennermodellen. "Wir haben uns zunächst angeschaut, welche Reihenfolge und Dichte von Markteinführungen die Organisation bewältigen kann", sagte der neue Vorstandschef Gernot Döllner dem Wirtschaftsdienst Bloomberg(öffnet im neuen Fenster) und fügte hinzu: "Am Ende haben wir uns entschieden, es zu streuen, um das Team und die Händler nicht zu überfordern."
Die Entscheidung, den Umstieg auf die Elektromobilität zu strecken, kommt für Audi nicht ganz freiwillig. Ursache dafür sind zum einen Probleme bei der Entwicklung neuer Modelle. So soll das vollelektrische Elektro-SUV Q6 mit einigen Jahren Verzögerung nun im Sommer 2024 auf den Markt kommen. Darüber hinaus lassen sich bei Audi mit Elektroautos die hohen Renditeziele von 13 Prozent noch nicht erreichen.
Niedrige Gewinnmargen bei E-Autos
So räumte Döllner in einem Interview mit dem Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) ein, dass sich die Gewinnmargen zwischen Verbrennern und Elektroautos nicht so schnell wie erhofft annäherten. "Ursprünglich sind wir davon ausgegangen, dass wir sie bei Audi Mitte des Jahrzehnts erreichen. Jetzt dürfte sich das vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen verzögern", sagte der 54-Jährige, der im Sommer 2023 seinen Vorgänger Markus Duesmann an der Firmenspitze ablöste.
Generell hält Döllner aber daran fest, die gesamte Modellpalette zu elektrifizieren. "Das ganze Portfolio wird am Ende auf Elektromobilität umgestellt. Das wird in Europa, Nordamerika und China so kommen, nur mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Dank unserer neuen Elektroautos und einer komplett neuen Generation von Verbrennungsmotoren und Plug-in-Hybriden sind wir damit flexibel aufgestellt", sagte der frühere Porsche-Manager dem Handelsblatt. Dem Wirtschaftsdienst Bloomberg sagte er: "Der Vorteil von E-Fahrzeugen wird für die Verbraucher Schritt für Schritt sichtbar."
Fokus auf effiziente Antriebe
Döllner will auch künftig an dem Markenslogan "Vorsprung durch Technik" festhalten, obwohl bei den bisherigen Elektromodellen davon wenig zu sehen ist. "Für mich ist Vorsprung durch Technik ganz klar auch mit klassischen Fahrzeugattributen verbunden. Das beinhaltet beispielsweise das Design, die Fahrwerksauslegung oder unser Allradsystem quattro. Diese Eigenschaften werden auch die nächste Generation der batterieelektrischen Fahrzeuge prägen", sagte der Audi-Chef.
Darüber hinaus kündigte Döllner an, einen Fokus auf die Effizienz der Fahrzeuge zu legen: "Mit unseren neuen PPE-Modellen werden wir den Verbrauch deutlich reduzieren. Um circa 30 Prozent gegenüber unseren ersten rein elektrischen Fahrzeugen. Und das ist nur ein erster Schritt." Die Premium Plattform Electric (PPE) wird zusammen mit Porsche entwickelt. Der Porsche Macan und der Q6 sollen darauf basieren. Bislang zeichnen sich die Audi-Modelle wie der Q8 eher durch einen hohen Verbrauch aus.
Einem ausführlichen Bericht des Manager-Magazins (Paywall)(öffnet im neuen Fenster) zufolge steht Döllner mit seinen Plänen jedoch vor einer großen Herausforderung in dem Unternehmen. "Hier tritt der nächste Chef eine Mission an, die sich als aussichtslos entpuppen könnte", schreibt das Blatt. So sei immer noch nicht sicher, ob die Software für den Q6 und den Macan wirklich zum aktuell angekündigten Termin Mitte 2024 fertig werde.

Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) wurden von Januar bis November 2023 27.674 vollelektrische Audi in Deutschland neu zugelassen. Das entspricht einem Anteil von rund 12 Prozent an den gesamten Neuzulassungen von Audi.
- Anzeige Hier geht es zu Elektromobilität: Grundlagen und Praxis bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.