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Elektroautobilanz 2023: Deutsche Hersteller trotzen schwachem Heimatmarkt

Zwar sind die Zulassungszahlen von Elektroautos in Deutschland nur moderat gestiegen. Doch weltweit haben VW, BMW und Mercedes stark zugelegt.
/ Friedhelm Greis
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Der ID.4/ID.5 von VW war 2023 das beliebteste Elektroauto eines deutschen Herstellers. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)
Der ID.4/ID.5 von VW war 2023 das beliebteste Elektroauto eines deutschen Herstellers. Bild: Friedhelm Greis/Golem.de

Gemessen an früheren Jahren hat sich der Verkauf von Elektroautos im vergangenen Jahr nicht so stark entwickelt, wie das in Deutschland für den Hochlauf der Elektromobilität eigentlich erforderlich wäre. Nach einem Zuwachs von 32,2 Prozent im Jahr 2022 fiel diese Zahl im Jahr 2023 auf 11,4 Prozent . Doch wie eine Auswertung der Verkaufszahlen zeigt, konnten die deutschen Hersteller ihre Verkäufe von Elektroautos insgesamt deutlich über dem deutschen Durchschnittswert steigern.

Inzwischen haben Audi, BMW, Mercedes-Benz, Opel, Porsche und Volkswagen ihre Verkaufszahlen für 2023 vorgelegt. Demnach haben die sechs Hersteller zusammen mehr als 12,8 Millionen Pkw (inklusive Vans) verkauft, darunter etwa 1,34 Millionen vollelektrische Autos. Das entspricht einem Elektroanteil von etwas mehr als 10 Prozent, wobei dieser je nach Marke sehr unterschiedlich ausfällt.

Marktanteil von fast 40 Prozent

In Deutschland verkauften die heimischen Hersteller nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA)(öffnet im neuen Fenster) rund 1,47 Millionen Pkw, darunter mehr als 228.000 Elektroautos (inklusive Smart). Damit war fast jedes siebte verkaufte Auto eines deutschen Herstellers vollelektrisch (15,5 Prozent). Im Vergleich zu 2022 haben die deutschen Hersteller die Verkaufszahlen hierzulande um fast 23 Prozent steigern können. Damit liegt der Zuwachs deutlich über dem des gesamten deutschen Elektroautomarktes. Entsprechend stieg der Marktanteil von fast 40 auf fast 44 Prozent.

In Deutschland musste vor allem der bisherige Marktführer Tesla Einbußen hinnehmen. Die Zulassungszahlen sanken von knapp 70.000 im Jahr 2022 auf 63.685 im vergangenen Jahr. Das entspricht einem Rückgang von 9 Prozent. Der Marktanteil fiel dadurch von 14,9 auf 12,1 Prozent.

Elektroautobilanz 2023
Hersteller Gesamtverkauf Gesamt Elektro Deutschland gesamt Deutschland Elektro
Audi 1.895.240 178.000 246.880 30.596
BMW Group 2.555.341 376.183 233.160 40.420
Mercedes-Benz Group 2.491.600 240.600 294.770 54.119
Opel 670.000 90.000 144.901 27.765
Porsche 320.221 40.629 32.832 5.245
Volkswagen 4.870.000 394.000 519.089 70.628
Summe 12.802.402 1.319.412 1.471.632 228.773

VW beliebteste Elektroauto-Marke

Mit mehr als 70.000 neu zugelassenen Fahrzeugen hat sich VW an die Spitze der beliebtesten Elektroautomarken in Deutschland gesetzt. Darunter fallen jedoch auch rund 5.000 Exemplare des ID.Buzz. Teslas Model Y war mit fast 46.000 Neuzulassungen das beliebteste Elektroauto im vergangenen Jahr, gefolgt vom ID.4/ID.5 (36.353) und dem ID.3 (22.270) jeweils von VW.

Während BMW, Mercedes-Benz, Porsche und VW ihren Marktanteil vergrößern konnten, mussten Opel und Audi Einbußen hinnehmen. Bei Opel dürfte ein Grund dafür sein, dass sich der neue elektrische Astra bislang nicht gut verkauft. Bei Audi könnte es auch an der verzögerten Einführung neuer Modelle liegen. Das betrifft beispielsweise das neue SUV Q6 und die Limousine A6, von der es auch eine Kombiversion geben soll.

Global vermeldeten die Hersteller jedoch unisono hohe Zuwachsraten bei Elektroautos.

Steigerungsraten von mehr als 90 Prozent

So steigerte Audi nach eigenen Angaben(öffnet im neuen Fenster) die Verkäufe elektrischer Modelle um gut die Hälfte auf 178.000 Modelle. Ebenso wie bei anderen deutschen Herstellern dürfte sich auch bei den Ingolstädtern die bessere Versorgungslage mit Bauteilen bemerkbar gemacht haben. So legte der Absatz des Einstiegsmodells Q4 E-Tron um 112 Prozent zu.

Einen noch stärkeren Anstieg meldete BMW. Der Münchner Hersteller lieferte 2023 gut 330.000 Elektroautos (ohne Mini) an seine Kunden aus, was einem Zuwachs von 92,2 Prozent entspricht. "Zentraler Absatztreiber" waren insbesondere der BMW iX1 und der BMW i4, wie das Unternehmen schrieb(öffnet im neuen Fenster) .

Hohe Zuwächse bei Mercedes-Benz

Nicht ganz so hohe Zuwachsraten verzeichnete Mercedes-Benz. Der Absatz sei im Jahresverlauf um 73 Prozent auf 222.600 Einheiten gestiegen, was einem Anteil von 11 Prozent am Gesamtabsatz entspreche. Hinzu kommen noch rund 18.000 elektrische Smarts. "Die Verkäufe der EQE-Limousine stiegen weltweit um 120 Prozent" , hieß es weiter(öffnet im neuen Fenster) . Auf dem US-Markt hätten sich die Verkäufe mit einem Zuwachs von 167 Prozent mehr als verdoppelt. Das habe vor allem an dem neuen EQE SUV gelegen. Bei den Elektrotransportern steigerten die Stuttgarter den Absatz um 50 Prozent.

Weniger positive Zahlen vermeldete der Sportwagenhersteller Porsche(öffnet im neuen Fenster) . Die Verkaufszahlen des bislang einzigen Elektromodells, des Taycan, legten im Jahresvergleich nur um 17 Prozent auf mehr als 40.000 Exemplare zu. Das entspricht einem Anteil von fast 13 Prozent am Gesamtabsatz. Für Porsche hängt daher viel davon ab, ob der neue Elektro-Macan ein Verkaufsschlager wird.

Opel mit rückläufigen Verkäufen in Deutschland

Trotz rückläufiger Verkäufe auf dem deutschen Markt konnte Opel nach eigenen Angaben die Zahl der verkauften Elektroautos weltweit um 22 Prozent steigern. "Neben den Spitzenpositionen in Deutschland und Großbritannien fuhr der Corsa Electric in seinem Segment in Italien, den Niederlanden, Portugal und Österreich auf Rang zwei der Zulassungsstatistik. Der Mokka Electric war in Großbritannien Spitzenreiter im SUV B-Segment und holte sich die Silbermedaille bei den B-SUV in Deutschland, Spanien, Polen und Belgien" , schrieb der Rüsselsheimer Hersteller(öffnet im neuen Fenster) .

Problematisch für Opel: Vom elektrischen Astra wurden im vergangenen Jahr in Deutschland nur 1.121 Exemplare verkauft. Das entspricht einem Elektroanteil von nur 4,5 Prozent bei diesem Modell. Beim Corsa und beim Mokka liegt der Elektroanteil mit 26 Prozent beziehungsweise 37 Prozent hingegen deutlich höher. Knapp jeder zweite verkaufte elektrische Opel ist ein Corsa.

Volkswagen verzeichnete nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr eine Zuwachsrate von 21,1 Prozent auf 394.000 verkaufte Elektromodelle.

Größter VW-Markt ist China

"Die größten Märkte für vollelektrische Fahrzeuge für die Marke Volkswagen waren – in absoluten Zahlen – China, Deutschland, USA, Großbritannien, Schweden, Frankreich, Norwegen und Belgien" , schrieben die Wolfsburger(öffnet im neuen Fenster) .

In den USA gingen demnach 38.000 ID.4 an die Kunden, was einem Plus von 84,2 Prozent im Vergleich zu 2022 entsprochen habe. "In China war der ID.3 besonders gefragt: Mehr als 75.000 Mal wurde der vollelektrische Kompaktwagen 2023 ausgeliefert – im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um mehr als 200 Prozent" , hieß es weiter. Dazu dürften allerdings auch hohe Preisnachlässe beigetragen haben .

Die Zahlen machen deutlich: Die deutschen Hersteller konnten die Kürzung der Umweltprämie zum Jahresbeginn 2023 und den Wegfall der gewerblichen Förderung zum 1. September 2023 mit Verkäufen auf anderen Märkten teilweise sehr gut kompensieren. Die Abhängigkeit vom deutschen Markt fällt dabei je nach Hersteller sehr unterschiedlich aus.

Opel am stärksten vom deutschen Markt abhängig

Am stärksten ist sie bei Opel ausgeprägt. Der Hersteller verkauft knapp 31 Prozent seiner Elektroautos in Deutschland. Es folgen VW (17,9 Prozent) und Audi (17,1 Prozent) vor Mercedes-Benz (15,3 Prozent), Porsche (12,9 Prozent) und BMW (10,7 Prozent). Das Wohl und Wehe der deutschen Autoindustrie hängt daher nicht davon ab, dass die Bundesregierung weiterhin üppige Kaufprämien für Elektroautos verteilt.

Aber den deutschen Automanagern dürfte klar sein, dass der Wettbewerb in den kommenden Jahren deutlich härter wird. So lieferte Tesla mit 1,8 Millionen Fahrzeugen im vergangenen Jahr mehr Elektroautos als die sechs deutschen Hersteller zusammen aus. Tesla wurde im vierten Quartal 2023 schon vom chinesischen Anbieter BYD überholt . Wenn selbst Tesla-Chef Elon Musk schon vor einer Dominanz chinesischer Hersteller warnt , bedeutet das für die deutschen Konzerne nichts Gutes.

Rabattschlacht statt Kaufprämie

Die aktuelle Rabattschlacht dürfte dazu beitragen, dass die Zulassungszahlen nach dem abrupten Wegfall der Kaufprämie in Deutschland nicht so stark einbrechen. Allerdings betrifft diese nur das günstigere Preissegment, da Mittel- und Oberklassemodelle ohnehin nicht mehr gefördert worden wären.

Es ist in diesem Jahr wohl eher nicht davon auszugehen, dass Hersteller wie BMW oder Mercedes-Benz ihre Elektroautoverkäufe wieder fast verdoppeln können. Dazu könnten auch wachsende Lieferprobleme beitragen, wie der aktuelle Produktionsstopp im Tesla-Werk Grünheide zeigt.

Sollte es mit dem Hochlauf der Elektromobilität bis 2030 noch einigermaßen klappen, müsste der Verkaufsschub spätestens in den Jahren 2025 und 2026 erfolgen, wenn günstigere Modelle mit verbesserten Batterietechniken auf den Markt kommen. Vermutlich werden sich die deutschen Hersteller dann mit Wehmut daran erinnern, dass sie 2023 noch einen Marktanteil von fast 40 Prozent hierzulande erzielen konnten.


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