Elektroauto: Yasa entwickelt Radnabenantrieb mit Axialflussmotor

Der britische Elektromotorenhersteller Yasa, der seit 2021 zu Mercedes-Benz gehört, arbeitet an einem Radnabenantrieb mit Axialflussmotor. Das Unternehmen hat nach einem Bericht von Electrive(öffnet im neuen Fenster) einen Prototyp mit einem Motor vorgestellt, der eine Leistungsdichte von 59 kW/kg erreicht haben soll. Der Motor selbst wiegt 12,7 Kilogramm und wurde im Oktober vorgestellt . Nach Angaben von Yasa kam der Axialflussmotor im Prototyp auf eine kurzzeitige Spitzenleistung von 750 kW, was etwa 1.020 PS entspricht. Die Dauerleistung soll zwischen 350 und 400 kW liegen.
Das Unternehmen entwickelte zusätzlich einen Wechselrichter für den Radnabenantrieb(öffnet im neuen Fenster) , der eine Leistungsdichte von 100 kW/kg aufweisen soll. Mit einem Gewicht von 15 Kilogramm erreicht das Gerät eine maximale Leistung von 1.500 kW. Laut Yasa liegt der aktuelle Standard für Leistungselektronik bei 50 bis 70 kW/kg, heißt es in dem Bericht.
Gewichtseinsparung durch regeneratives Bremsen
Yasa hebt insbesondere die regenerative Leistung des Systems hervor. Bei einem Einsatz an der Hinterachse könnte dies die dortigen Bremssysteme verkleinern oder möglicherweise entbehrlich machen. Durch den Wegfall von Komponenten wie Scheibenbremsen und Antriebswellen könnten nach Unternehmensangaben bis zu 200 Kilogramm eingespart werden.
Bei einer speziell für Radnabenmotoren optimierten Fahrzeugkonstruktion sieht Yasa ein Einsparpotenzial von rund 500 Kilogramm. Allerdings befindet sich das System noch im Prototypenstadium. Weitere Informationen zur Entwicklung will das Unternehmen im Jahr 2026 veröffentlichen.
Tim Woolmer, Gründer und technischer Leiter von Yasa, bezeichnet Radnabenmotoren als große Herausforderung für Elektrofahrzeuge. Bisherige Systeme seien zu schwer gewesen und hätten begrenztes Drehmoment sowie unzureichende Leistung geboten. Der neue Prototyp solle kompakt, leistungsstark und leicht genug sein, um im Rad untergebracht zu werden.
Radnabenantrieb wird von mehreren weiterentwickelt
Yasa ist nicht das einzige Unternehmen, das an Radnabenantrieben arbeitet. Das Münchner Start-up Deepdrive entwickelte mit seiner Doppelrotortechnologie ebenfalls einen Radnabenantrieb und baute diesen bereits in Testfahrzeuge ein. Bei Testfahrten zeigte sich, dass frühere Bedenken bezüglich höherer Lautstärke oder schlechterem Fahrverhalten bei modernen Entwicklungen weniger relevant sein könnten.
Deepdrive nutzt für seine Radnabenantriebe die Trommelbremse von MEB-Fahrzeugen, da eine leistungsstärkere Scheibenbremse an der Hinterachse nicht erforderlich sei.
Wann Yasas Radnabenantrieb marktreif sein wird, lässt sich derzeit nicht absehen. Das Unternehmen hält sich mit konkreten Zeitplänen zurück.
Radnabenmotoren in Autos sind 125 Jahre alt
Der junge Ingenieur Ferdinand Porsche konstruierte für den Wiener Wagenbauer Jacob Lohner & Co. einen bahnbrechenden Elektroantrieb, der 1900 vorgestellt wurde. In den Radnaben der Vorderräder steckte jeweils ein 2,5 PS starker Elektromotor. Die Stromversorgung erfolgte durch Bleiakkus. Mit dieser Antriebstechnik erreichte der als Kutsche karossierte Lohner-Porsche eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 35 km/h. Dank der Radnabenmotoren war eine Reichweite von bis zu 50 Kilometern möglich. Vom Lohner-Porsche wurden immerhin rund 300 Exemplare gebaut. Er hatte nach Angaben von Porsche einen Wirkungsgrad von 83 Prozent.